​Felix Baumgartner hat sich als Fan der rechtsextremen “Identitären” geoutet

Der Absturz des "schnellsten Mannes der Welt" ist noch immer nicht zu Ende.

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Okt. 25 2016, 12:44pm

Foto: imago | GEPA

Vielleicht langweilt es Felix Baumgartner einfach, immer nur als der Typ bekannt zu sein, der den höchsten Freefall aller Zeiten absolviert hat. Immerhin ist der Rekordsprung schon mehr als vier Jahre her, ohne dass Baumgartner es seitdem geschafft hätte, die Extremleistung von damals in irgendeiner Form zu toppen. Jedenfalls arbeitet Baumgartner schon seit einiger Zeit hartnäckig daran, sich einen neuen Ruf aufzubauen—und zwar als der unangenehmste Mensch im deutschsprachigen Facebook.

Dass Baumgartner politisch ein bisschen die Orientierung verloren hat, wissen wir schon, seit er sich kurz nach seinem Sprung in einem Interview gegen die Demokratie und stattdessen für "eine gemäßigte Diktatur" aussprach. Den richtigen Shitstorm erntete Baumgartner aber erst, als er im Januar ein Anti-Flüchtlings-Meme auf seiner Seite teilte. Auf den heftigen Gegenwind reagierte Baumgartner mit einer trotzigen Antwort, in der er unter anderem den Friedensnobelpreis für den umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán forderte.

Jetzt hat sich der "menschliche Spuckeball aus dem Weltall" (Markus Lust) wieder zu Wort gemeldet, diesmal mit einer begeisterten Lobrede auf Martin Sellner, den Chef der österreichischen Identitären. Der Red-Bull-Sender Servus TV hatte den nämlich zu einer Talkrunde über "radikale Muslime" eingeladen, um über eine Studie zu diskutieren, laut der 27 Prozent der Muslime in Wiener Jugendzentren "latent radikalisierungsgefährdet" und 47 Prozent antisemitisch eingestellt seien.

Als sie von der Einladung des Rechtsextremen erfuhren, sagten drei der Gäste wieder ab: der Autor der Studie, ein Imam und ein Jugendforscher. Der Sender entschloss sich, die Talkrunde mit Sellner trotzdem abzuhalten, obwohl von den ursprünglichen Gästen nur einer übriggeblieben war. Dafür gab es heftige Kritik.

Aber nicht alle fanden die Show unterirdisch. Felix Baumgartner hatte die Sendung nämlich auch gesehen—und war begeistert. "Ein HISTORISCHER TAG in der deutschsprachigen TV Geschichte!", jubelt der Sportler in seiner gewohnt enthusiastischen Art zuerst über den "Mut" des Senders. Dann ging Baumgartner aber noch einen Schritt weiter, indem er den Identitären direkt lobt: "Martin Sellner hat mich in dieser Sendung MEHR überzeugt, als die meisten Politiker zusammen in den vergangenen Jahren." Sellner besteche nicht nur "durch Eloquenz, Höflichkeit und guten Argumenten", er zeige zudem "vom Rechtsradikalen KEINE Spur!"

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Damit geht Baumgartner weit über alles hinaus, was man noch als knorriges Unbehagen gegenüber der Flüchtlingspolitik bezeichnen könnte. Martin Sellner redet zwar daher wie ein eingebildeter Jurastudent, ist aber in Wirklichkeit ein mit allen Wassern gewaschener Rechtsextremer. Und während die Identitären sich modern und frech geben, unterhalten sie enge Beziehungen zu neurechten Denkschmieden genauso wie zu gewalttätigen Neonazis. Mit ihrem Gerede vom "großen Austausch" und den "reinen Völkern" geben sich die Identitären aber auch selbst rechtsextrem. Deshalb beobachtet sie der deutsche Verfassungsschutz.

Die Identitären freuen sich natürlich über Baumgartners Lob wie Honigkuchenpferde und danken ihm in einem überschwänglichen Facebook-Post dafür, "die Mauer des Schweigens" durchbrochen zu haben. Pegida-Gründer Lutz Bachmann gefällt der Post.

Aus 39 Kilometern Höhe ist Felix Baumgartner 2012 auf die Erde gestürzt. Gerade beweist er, dass er noch tiefer fallen kann.

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