Popkultur

Ein Wochenende im Bett

Eigentlich wollte ich ja über etwas Weltbewegendes schreiben. Doch dann zwang mich eine fiese Rachenentzündung, kombiniert mit einer gemeingefährlichen Frühlingsgrippe in die untersten Niederungen meines ohnehin schon ziemlich tief gelegten Bettes. Wo ich die Bakterien wohl wieder aufgegabelt habe?

Naja, viel habe ich ja ohnehin nicht verpasst. Oh doch, das Sechseläuten. Sozusagen das Letten Opening für traditionsliebende Bünzlis. Oder wie es Glogger im Blick am Abend in seinem Mail an den Zunftmeister nannte: Reichennetworking bei dem die Armen einen halben Tag frei bekommen und die Frauen den Männern Blumen zu werfen – ziemlich archaische Scheisse wenn ihr mich fragt. Da überrascht es auch nicht, dass sich die Bööggbrenndauer über 35 Minuten erstreckte. Das wird ein scheiss Sommer sag ich euch …

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Doch da ich aufgrund meiner selbst angeordneten Bettruhe leider keine Reportage über die geheimen Trinkspiele der Zunftmeister schreiben konnte, und ich neben dem Schauen von einigen Filmen sonst rein gar nichts gemacht habe, gibt es halt nun eine thematische Filmliste der Bettruhe. Wir haben euch für jede Ursache einer Bettruhe einen Film ausgesucht, der thematisch dazu passt.

1. Der Herzinfarkt – Apocalypse Now (1979)

Wer sich nach einem Herzinfarkt im Spitalbett wiederfindet, dem sei Francis Ford Coppolas Meisterwerk aus dem Jahre 1979 ans Herz gelegt. Captain Willard (gespielt von Martin Sheen – ja der Vater von Charlie) nimmt den Zuschauer mit auf einen Psychotrip durch die Höllen des Vietnamkrieges. Von Saigon aus begibt sich Willard auf die Suche nach dem abtrünnigen Colonel Walter E. Kurtz, den er liquidieren soll. Dabei trifft er auf im Napalmsturm surfende Kommandanten, sich nach Anerkennung sehnende Playboybunnies, und manisch-depressive, französische Kolonialherren. Ganz grosses Kino ist die Szene zum Schluss, als Kurtz’ Gefolgsleute einem asiatischen Wasserbüffel zu „The End” von The Doors den Kopf abschlagen. Wen überrascht es, Martin Sheen erlitt während den Dreharbeiten selbst einen Herzinfarkt. Wirklich.

2. Die Lungenembolie – Schindlers Liste (1993)

Nach E.T. und Jurassic Park ist Schindlers Liste Steven Spielbergs erster nicht-fiktionaler Spielfilm. Er spielt in einer Zeit, als die Tabakindustrie noch nicht zum devoten Sexsklaven der Lungenliga verkommen ist und der Marlboro Cowboy noch ein attraktives Sexsymbol darstellte. Genau das richtige Filmmaterial also, wenn man aufgrund einer Lungenembolie im Bett liegt, und der Arzt einem das Rauchen striktestens untersagt hat. So wird im Film dann auch – zumindest von den Nazis – permanent geraucht. Der Film zeigt eindrücklich auf, dass bis auf die laxeren Nichtraucherschutzgesetze früher eben nicht alles besser war und regt den Zuschauer zudem dazu an, über den Wert eines Menschenlebens zu reflektieren.

3. Die Thrombose – Se7en (1995)

So verstopft wie die Blutgefässe einer Thrombose ist in etwa auch der Fortschritt der Ermittlungen der beiden Detektive Somerset (Morgan Freeman) und Miller (Brad Pitt) in David Finchers Psychothriller Se7en. Die Detektive ermitteln im Falle eines Serienmörders, der von den sieben Todsünden besessen ist und diese an seinen Opfern exemplarisch darstellt. Die beiden Sünden Neid und Zorn hebt sich der Bösewicht für sein clever eingefädeltes Ende auf, in dem er sich lüstern an Detective Miller und seiner heissen Braut rächt. Ein packender Film, dessen Spannung den Blutdruck des Zuschauers unweigerlich steigen lässt und somit jede noch so hartnäckige Thrombose durchbrechen sollte.

4. Die Totgeburt – Darjeeling Limited (2007)

Tja, das Leben ist kein Ponyhof. Wer aufgrund einer Totgeburt im Spitalbett liegt, möchte sich vielleicht ein bisschen vom tristen Alltag ablenken. Dies versprachen sich in Wes Andersons Komödie auch die beiden jüngeren Whitman Brüder, als sie von ihrem älteren Bruder Francis (Owen Wilson) auf einen spirituellen Selbstfindungstrip mit der Darjeeling Limited Bahn durch Indien eingeladen wurden. Anstelle des inneren Ichs treffen die Brüder jedoch auf ihre Mutter, mit der sie ein eher zerrüttetes Verhältnis verbindet. Diese schleicht sich in einer Nacht dann auch davon, unter dem Vorwand, dass die indischen Waisenkinder sie dringender benötigen würden. Darauf hin ist die Mutter für ihre Söhne gestorben – eine inverse Totgeburt, könnten Filmkritiker deuten.

5. Der letzte Tag der Bettruhe – Free Willy (1993)

Es ist soweit. Der Arzt gab soeben den erlösenden Bescheid, dass nur noch ein weiterer Tag Bettruhe auf dem Programm steht. Nur noch wenige Stunden trennen dich vor der Rückkehr in die Freiheit. Welcher Film könnte besser dazu passen als Free Willy – Ruf der Freiheit? DER Film unserer Kindheit, in dem das Sorgenkind Jesse zusammen mit der einfühlsamen Tierpflegerin Rae (Lori Petty) und dem draufgängerischen Indianer (August Schellenberg) einen dem Tode gewidmeten Orka namens Willy befreit. Legendär ist die Schluss Szene als Willy über eine Hafenwand in die Freiheit springt und zum Soundtrack von Michael Jackson Wassertropfen auf den darunter stehenden Jesse prasseln.

Wer dieses Wochenende nicht krank ist, geht an folgende Veranstaltungen:

Donnerstag:

Du isst gesund, ruhst dich aus, schaust einen der oben genannten Filme. Triffst dich mit deiner Familie, gehst früh ins Bett- solche Sachen. Das Wochenende wird richtig hart und dauert fast die ganze Woche.

Freitag:

So erst mal entspannt aufwärmen mit Bier, DWYL!, Lexx und Neevo in der Ambosrampe. Oder wir gehen in die Schneiderei, Go Ape spielt dort..

Samstag:

Jetzt geht`s los.

Das Cabaret geht zu. Definitiv. Das ist ziemlich schrecklich. Für Zürich zumindest, der Rest der Schweiz weiss ja nicht wie es ist (so) ein Cabaret in der Stadt zu haben und wird es deshalb auch nicht so doll vermissen wie wir. Ab nächstem Wochenende gibt es also etwas um das Zürich die Provinz beneiden wird: Nie ein Cabaret gehabt zu haben und deshalb den Schmerz des Verlustes nicht zu kennen. Das Leben ist halt echt kein Einhorn-Hof, auch wenn uns dieser Laden ab und an das Gefühl vermittelte es wäre so. Jetzt wäre es mal so gewesen und fertig. Darum hier letzte Party und dann grad richtig bis Montag.

Sonntag:

Gehen wir an den sssquare Brunch im 25 Hours Hotel aktuelle Werke anschauen und Katerfrühstück reinziehen. Ruhe Frieden, Kunst und ein Gespräch. Das brauchen dann wir sehr zu dem Zeitpunkt.

Montag:

Trägt dich jemand aus dem Cabaret, idealerweise jemand den du kennst und magst. Den oder die würde ich bereits samstags bestimmen und vertraglich binden. Dann direkt ins Bett und viel Ingwer Tee trinken, morgen musst du fit sein.

Dienstag:

Passiert eigentlich das grossartigste überhaupt: VICE und RON ORP feiern Geburtstag, GEMEINSAM, wer letztes Mal dabei war weiss was das heisst und wer nicht wird’s gehört haben.

Mittwoch:

Tauft die Stadtlegende Kalabrese sein neues Album „Independent Dancer” im Kaufleuten. Nein, nicht in der Zukunft, im Kaufleuten. An sich egal wo das Konzert stattfindet, die Scheibe ist grandios und Kalabrese eine Institution, die dieser Stadt schon seit Jahren die Art von Liebe gibt, die sie echt bitter nötig hat: Ehrlich, rein, unverfälscht, original und schön im vier/viertel Takt, meistens zumindest. Ein Muss von dem du auch noch deinen Nachkommen erzählen wirst.

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