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Popkultur

Doggy Bi wurde aus ihrer Wohnung geworfen, weil sie „Sex-Filme“ dreht

Mit ihrer YouTube-Pornoparodie erregte Luna Love jede Menge Aufmerksamkeit, jetzt wurde ihr wegen „gewerblicher Tätigkeit" und „lautstarken Sexszenen" gekündigt. Ist das rechtens?

von Lisa Ludwig
13 Januar 2016, 10:56am
Titelfoto: Screenshot von YouTube aus dem Video „Wie verliere ich meine Wohnung in zwei Wochen [Tutorial]" von Lunas Wurstbrot.

Dass Pornos manchmal die bessere Gesellschafts- und Kulturkritik sind, zeigte im vergangenen Jahr vor allem ein Video. Mit den „Doggy Bi Fickchallenges" bekam YouTube-Deutschland seine erste offizielle Pornoparodie, die verblüffend on point die Oberflächlichkeit und Abstrusität von Lifestyle-Vloggern wie Dagi Bee persiflierte. Der Clip ging viral und verhalf der Karriere von Amateurpornodarstellerin Luna Love zu ganz neuen Höhen, gleichzeitig musste sie sich aber auch mit der plötzlichen Löschung mehrerer Social-Media-Accounts herumschlagen.

Wie das aber eben so ist, wenn man sich nicht nur auf xHamster und Co., sondern auch über diverse Medienberichte und einen eigenen YouTube-Channel einen nicht unbeträchtlichen Bekanntheitsgrad aufbaut: Man lernt recht schnell, dass man da draußen nicht nur Fans hat. An sich kein Problem, denn wo etwas im Internet veröffentlicht wird, gibt es auch immer irgendjemanden, der einen furchtbaren Hasskommentar dazu verfasst. Dumm nur, wenn es sich bei den Hatern um die neuen Nachbarn und den eigenen Vermieter handelt.

Nachdem Luna Ende vergangenen Jahres inoffiziell (und zum 1. Januar offiziell) in eine neue Wohnung umgezogen war, erhielt sie nur wenige Tage später die fristlose Kündigung (datiert auf den 04.01.). In dem Anwaltsschreiben, das uns vollständig vorliegt, heißt es: Die übrigen Mieter im Haus beschweren sich darüber, dass Sie ihr Gewerbe in der Wohnung ausüben, nämlich Sex-Filme dort herstellen, die Sie sodann unter lunalove96.de [Anm. d. Red.: mittlerweile lunalove.de] ins Netz stellen." Was das genaue Problem der anderen Mieter mit dem Job der Nachbarin ist? Die damit verbundenen Geräusche. „Lautstarke Sexszenen stören die anderen Mieter erheblich und sind für diese unzumutbar, es halten sich auch Kinder im Haus auf, die die Szenen mit anhören müssen." Ob Luna Love die einzige Person im Haus ist, die Geschlechtsverkehr hat und demzufolge für nicht jugendfreie Geräusche sorgt, beantwortet das Schreiben leider nicht.

Deutschland hat seine erste YouTuber-Porno-Parodie: Doggy Bi.

Eine viel wichtigere Frage ist allerdings, ob es sich bei dem gelegentlichen Drehen von „Sex-Videos" wirklich um eine gewerbliche Nutzung handelt, die einer gesonderten Erlaubnis bedarf. Laut Gesetz ist es grundlegend nicht verboten, seine Privatwohnung auch zur Ausübung seiner gewerblichen Tätigkeit zu nutzen—solange diese Tätigkeit nicht „nach außen in Erscheinung tritt". Darunter würde zum Beispiel fallen, seine private Adresse als Geschäftsadresse anzuführen, Mitarbeiter in den eigenen vier Wänden zu beschäftigen oder regelmäßigen Kundenverkehr (haha, „Verkehr") in der Wohnung zu haben. Alles Dinge, die bei jemandem, der sich ab und an beim Akt filmt, eher nicht gegeben sind.

Egal wie wütend man auf seinen Vermieter ist und wie sehr man sich als Pornodarsteller von der Gesellschaft abgelehnt fühlt, verfolgt wie "die Juden im zweiten Weltkrieg" ist man dadurch natürlich nicht. Von dieser Aussage möchten wir uns an dieser Stelle dann doch deutlich distanzieren.

Luna hat sich nach eigener Aussage bereits mit einem Anwalt besprochen und Einspruch gegen die Kündigung eingelegt: „Das ist nicht rechtens. Da mir niemand den Sex in meiner Wohnung verbieten kann, bin ich natürlich nicht ausgezogen. Ob eine Kamera neben dran steht oder nicht, hat ja niemanden zu interessieren. Solange ich keinen Publikumsverkehr habe, kann ich in meiner Wohnung treiben, was immer ich möchte." Außerdem soll ihr Vermieter durchaus gewusst haben, dass sie selbstständig tätig sei: „Im Mietvertrag ist festgehalten, dass ich im Internetmarketing selbstständig bin, was ja im weiten Rahmen auch zutrifft. Die Begründung, dass er nicht wusste, dass ich in der Wohnung arbeite, ist also falsch, da ich von Anfang an gesagt habe, dass ich ein Homeoffice betreibe."

Sollte sie wider Erwarten doch die Wohnung räumen müssen, könnten schwere Zeiten auf alle YouTube-Stars zukommen. Ein Follow Me Around durch die eigene Wohnung dürfte schließlich deutlich mehr der angemieteten Immobilie zeigen, als ein doch eher statisch gefilmtes Pornovideo. Wird Sami Slimani seine DIY-Deko-Tutorials zukünftig also unter einer Brücke aufnehmen müssen? Die Zeit wird es zeigen.

Wenn Lisa irgendwann damit anfängt, ihre Privatwohnung auch gewerblich zu nutzen, erfahrt ihr es als erstes auf Twitter.

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