Foto via Soak
Ich weiß nicht, ob es am romantischn irischen Hinterland liegt oder doch an den Variationen an Whiskeysorten, die es schon früh zu testen gilt. In jedem Fall hat Soak, mit bürgerlichem Namen Bridie Monds-Watson, den Dreh raus. Schreibt seit ihren frühen Teens, spielt dann auch gleich mal mehrere Instrumente. Wenn man in dem Alter schon jetzt bis aufs Primavera nach Barcelona darf (nicht als betrunkener Besucher, sondern als Act auf der Bühne), dann ist‘s auch scheißegal, ob Mama mit zum Auftritt kommen muss. Schließlich muss man ja auch ohne Führerschein wieder irgendwie nach Hause kommen. Wir haben Ausnahmetalent Soak schnell mal zum Interview getroffen. Solche Antworten hätten wir in dem Alter auch gern gegeben. Hell yes.
Unlängst ist—Ende Mai dieses Jahres—dein Debutalbum, Before We Forgot How To Dream erschienen. Sag mal, wieso ist es bei dir, obwohl du noch so jung bist, trotzdem keine Overnightsuccess-Story?
Ja, ganz so schnell ist es nicht gegangen. Ich bin jetzt 19 Jahre alt, schreibe aber schon, seit ich ungefähr 13 Jahre alt war. Livegigs spiele ich auch schon seit mehreren Jahren, also habe ich mich schon halbwegs ans Business gewöhnt, schon bevor mein Debutalbum erschienen ist. Aber klar, dass das nicht so auf Knopfdruck funktioniert und vorbereitet werden muss.
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Fällt dir überhaupt ein Künstler ein, der so rasch Erfolg verbuchen konnte—zu dem du aufsiehst? Oder gibt’s diesen Traum vom „plötzlich berühmt sein“ ohnehin nicht wirklich?
Ha, gute Frage. Wie gesagt, ich kann das nur einigermaßen auf mich ummünzen, wo viele gedacht hätten, ich und meine Musik sind mal eben so aus dem Boden geschossen. So war es eben nicht. Ich denke, dass es den meisten Musikern so geht. Dass sie ebenso lange an ihren Ideen feilen, Lyrics schreiben, ins Studio gehen, einfach ausprobieren.
Und alles begann bei dir im Alter von 13 Jahren?
So ziemlich, ja. Da habe ich meine erste Gitarre bekommen und auch wirklich angefangen, ernsthaft zu schreiben.
Aber mal ehrlich. War’s zu Beginn schon gleich so, dass du Songs geschrieben hast, oder doch eher Gedichte, Prosa, whatever?
Aber ganz ehrliche Antwort:Iich wollte einfach besser Gitarre spielen als mein Bruder. Ich war ziemlich scheu und schüchtern, als ich jung war—bin ich teilweise wohl jetzt noch. Das Songwriting hat sich da gut geeignet, mich auszudrücken. Oder das zu sagen, was mir auf direktem Weg unangenehm gewesen wäre.
Selbsttherapie, so to say.
Ganz in der Art, ja.
Was hältst du von der irischen Musikszene?
Es kommt einiges an großartiger Musik aus Irland. Und das war auch schon immer so, glaube ich. Derry—da bin ich aufgewachsen—ist überhaupt ein ziemlich musikalischer Ort. Jeder spielt ein Instrument, spielt oder singt in einer Band, ist in irgendein musikalisches Projekt verwickelt. Du solltest dir Sealegs und Jessica Doherty unbedingt mal anhören. Mit den Beiden spiele ich im September eine gemeinsame Liveshow in Derry.
Hast du das Gefühl, die Leute sind dir mit großer Empathie und Unterstützung entgegengetreten? Oder war’s schwierig?
Ich bin ein absolutes Glückskind, was das angeht. Die Rückmeldungen, das Feedback, das ich ziemlich schnell auf meine Musik bekommen habe, waren unglaublich. Das schätze ich sehr, es hat mir natürlich sehr geholfen und mich unglaublich bestärkt in dem, was ich mache.
Du hast dein Debutalbum „Before We Forgot How To Dream“ genannt. No offense—das ist schon ein ziemlich kitschiger, auch sarkastischer Titel. Wie kam’s dazu?
Der Titel klingt vielleicht kitschig, ist es aber nicht. Jedenfalls nicht so, wie ich ihn verstehe. Damit soll eine Zeitspanne beschrieben sein, bevor man die Schule verlässt und sich allen möglichen Widrigkeiten stellen muss: dem Druck, einem Job nachzugehen, dem Druck, Geld verdienen zu müssen, überhaupt dem Druck, Erwartungen gerecht zu werden. Wer auch immer die an einen stellt.
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Weil das hier unser allererstes Meet&Greet ist und wir schon von Namensgebung sprechen: Soak ist ein ebenso halbwegs seltsamer Künstlername. Man könnte da fast schon mal oft an „soap“, also Seife, denken. Aber sag mal, wie oft wurde dir diese blöde Frage schon gestellt?
Eigentlich hat mich meine Mum darauf gebracht. Es soll eine Mischung aus Soul und Folk sein, Soak schließlich. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob es jetzt im Nachhinein so relevant ist. Oder wichtig, dass hinter dem Namen auch eine große Bedeutung steht. Jetzt habe ich ihn einfach und arbeite damit, er klebt sozusagen fest.
Next fun fact: Deine Mum fährt dich zu den meisten deiner Konzerte. Klar, jetzt vielleicht nicht mehr aber gerade als deine Karriere begonnen hat und du selbst noch keinen Führerschein hattest. Hat dich das nie genervt?
Naja, wie man eben so seine Streitigkeiten hat. Stimmt, in den ersten Jahren haben mich meine Eltern auf Shows oft begleitet und nach Hause gebracht. Mittlerweile zieh ich aber mein eigenes Ding durch und sie halten sich weitestgehend raus. Ich kann mich aber wirklich nicht beschweren, beide waren mir immer eine wirklich großartige Unterstützung – egal, um was es ging.
Wie hast du Schule und beginnende Karriere unter einen Hut gebracht?
Ich habe die Highschool abgeschlossen, bevor ich begonnen habe, wirklich fulltime Musik zu machen. Um meinen Abschluss brauche ich mir deshalb—god bless—keine Gedanken machen. Ob ich jemals studieren werde, weiß ich noch nicht. Aber gut, wer weiß schon, was in Zukunft passieren wird. Momentan nimmt die Musik einfach den größten Teil in meinem Leben ein, wenn ich mir zum Beispiel den Rest meines Jahres ansehe, besteht der eigentlich fast nur aus Tour, Tour, Tour.
Pause in Sicht?
Im Dezember mache ich mal ein paar Wochen frei, darauf freue ich mich auch schon ziemlich. Aber eigentlich sollte ich nicht meckern, ich war jetzt zwar gut ein Jahr unterwegs, um mein Album zu promoten und aufzutreten, habe aber dafür so viele verschiedene Plätze gesehen und kennengelernt.
Deine beste Tourerfahrung bis jetzt?
In Australien bin ich einem Koala begegnet. Das war schon ziemlich cool. Einer der besten Gigs, wenn ich einen auswählen müsste, wäre wohl jener auf der Other Stage am Glastonbury Festival.
Wenn du eine Stadt aussuchen könntest, in der du noch nicht gespielt hast—in der du aber unbedingt live auftreten willst, welche wäre das?
Wien natürlich!
Beste Antwort. Wir sehen uns in der Szene Wien am 12. Oktober! Danke, Bridie.
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