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Sex

Drachenlord auf Pornhub: Jeder hat ein Recht auf Sexualität

Deutschlands liebstes Trolling-Opfer lädt jetzt Videos auf einer Pornoseite hoch – und muss sich von Hatern anhören, dass er selbst für Masturbation zu hässlich sei.

von VICE Staff
17 Dezember 2018, 3:00pm

Collage: VICE || Screenshots: Pornhub | YouTube

"Das ist mit das Widerlichste, das ich je gesehen habe", "Wie verzweifelt muss man sein, um an einen so widerlichen und vor allem UNGEWASCHENEN, stinkenden Körper Hand anzulegen" – die Kommentare unter dem Video "Wichsen Mit Penisring" sind selbst für Pornhub-Verhältnisse hart. Dabei zeigt der Clip etwas, das für die Pornoplattform nicht ungewöhnlich ist: einen dicken Mann, der sich vor laufender Kamera einen runterholt. Was ihn von anderen Amateurporno-Darstellern unterscheidet ist allerdings: Es handelt sich um den "Drachenlord", Deutschlands bekanntestes Mobbing-Opfer.

Drachenlord heißt eigentlich Rainer Winkler. Der 29-Jährige mag Videospiele und Metal – und scheint dazu bestimmt, Menschen im Internet gegen sich aufzubringen. Egal was er tut, Tausende Hater kommentieren es. Seit Jahren. Als Winkler in einem seiner Videos aus Versehen verrät, wo er wohnt, wird der Clip immer wieder neu hochgeladen und verbreitet. Regelmäßig stehen Fremde vor seiner Haustür, die ihr Lieblings-Opfer in echt sehen wollen. Als sich im August dieses Jahres rund 180 Personen im Heimatort des YouTubers zu einer "Demo" treffen, sorgte die Aktion für einen Großeinsatz der Polizei.


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Schon 2015 kursierte ein Video, in dem Winkler masturbierte. Aktuell zirkuliert ein Nacktfoto des 29-Jährigen in den sozialen Medien. Die Hater freut es. Ein weiteres Tool, mit dem sie den YouTuber demütigen können – glauben sie zumindest. Nur: Der Drachenlord hat einen Plan. Statt immer nur zu reagieren, kommt er den Trollen zuvor, und demontiert sich einfach selbst. Er habe schon überlegt, einen Kanal auf Pornhub zu machen, wo er "auf Pornos reacte", erklärte Drachenlord Ende November in einem Livestream. Jetzt macht er eben Pornos, auf die andere reacten.

Viele Leute würden sich darüber lustig machen, wie offen er mit dem Thema Sex und seinem Körper umgehe, erklärt der Streamer in seinem Pornhub-Vorstellungsvideo. "Klar, ich sehe definitiv nicht besonders geil aus, wenn ich nackt bin", aber: "Ich bin trotzdem ein ganz normaler Mensch wie jeder andere auch, und wie jeder andere Mensch auch habe ich Bedürfnisse." Wenn sowieso schon Aufnahmen von ihm kursieren, auf denen er nackt ist oder masturbiert, dann kann Winkler den Scheiß ja auch gleich selbst hochladen. Und damit womöglich sogar Leute erreichen, die ihn und seine sexuellen Wünsche nicht nur als Witz sehen, sondern vielleicht sogar erregend finden.

Darüber, ob das in diesem speziellen Fall eine gute Idee ist, kann man sich nun streiten. Definitiv keine gute Idee war es allerdings, den Account in seinem Live-Stream zu erwähnen und auf YouTube zu verlinken. Schließlich treiben sich da nicht nur Volljährige herum, sondern auch Kinder. Ein Vorwurf, der ihm nicht nur von Seiten seiner Trolle gemacht wird, sondern auch vom YouTuber Herr Newstime. "Ich persönlich bin der Meinung, dass ich keine Jugendlichen gefährde, weil ich in meiner Community so gut wie keine Jugendlichen habe", kontert Drachenlord in einem Antwortvideo. "99 Prozent der Leute, die mir zuschauen, sind Erwachsene. Das sehe ich sowohl von den Leuten, die bei mir vor der Haustür stehen, als auch bei den Leuten, die mich anquatschen, wenn ich unterwegs bin."

Unabhängig von etwaigen Jugendschutzfragen zu den anderen Portalen, die Winkler nutzt, zeigen die Reaktionen auf sein Pornhub-Projekt aber vor allem eines: Wer dick ist, darf sich nicht sexuell äußern und verhalten; er ist ein Witz, abstoßend, eklig. Vor allem aber darf er nicht selbstverständlich damit umgehen, wie er aussieht. Denn wenn sich selbst dicke Menschen nicht mehr selbst hassen, dann kapieren vielleicht auch die Personen, die dem allgemein akzeptierten Schönheitsideal deutlich näher kommen, dass dieser permanente Selbstoptimierungszwang ganz großer Quatsch ist. Und wo kommen wir denn dann hin?

So gesehen ist es ein radikaler Akt, als gemobbte Person der Internetöffentlichkeit diesen Schritt zu wagen. Sich in Situationen zu zeigen, die so persönlich und intim sind, dass für viele schon die Vorstellung ein absoluter Albtraum wäre, dabei von einem Familienmitglied oder Bekannten erwischt zu werden – geschweige denn von Tausenden Menschen, die schon in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie einem nur das Schlechteste wollen.

"Ich weiß, dass ich nicht besonders erotisch aussehe", sagt Drachenlord zu Beginn seines Videos "Rassiren [sic!] und Duschen mit Happy End", "aber ich bin auch ein Mensch". Und was auch immer man Deutschlands meistgehasstem YouTuber auch sonst so vorwerfen mag: damit hat er Recht.

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