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Popkultur

Österreich hat eine neue Modelinie für Rechte

Neben Alpenromantik und Schilling-Nostalgie versteckt sich bei Heimatmode.at rechtsextreme Symbolik. Wir haben uns die Seite der rechten Fashionistas angesehen.

von Miriam Hübl
12 Jänner 2018, 9:34am

Foto: akante1776 | Flickr | CC 2.0

Wenn du dich in letzter Zeit über seltsame Trachtenwerbung von Heimatmode.at in deinem Facebook-Feed gewundert hast, dann bist du nicht alleine damit. Der Online-Shop, in dem sich Menschen mit rechter Gesinnung ideologiegerecht einkleiden können, wirbt derzeit massiv im Netz. Laut Impressum wird die Seite von dem einschlägig bekannten Rechten Stefan Magnet betrieben, über den wir hier schon einmal geschrieben haben.

Modetechnisch sind die Kollektionen absolut uninteressant: Fleece-Westen, Polohemden, bedruckte T-Shirts. Ästhetisch bedient sich Heimatmode.at auf den ersten Blick simpler Schilling-Nostalgie und Trachtenidylle. Auf den zweiten Blick verstecken sich hinter der ziemlich langweiligen Normcore-Optik im Alpenromantikstyle aber irritierend viele Hinweise auf rechtsextremes Gedankengut.

Die Seite bietet zwei unterschiedliche Kollektionen an: die "Kornblumen Edition", und die "Rot-weiß-rot Edition".

In der "Kornblumen-Edition" wird jedes Kleidungsstück auf Brusthöhe mit einer blauen Kornblume verziert. Die Kornblume war in den 1930er-Jahren das Erkennungszeichen der illegalen Nazis im Austrofaschismus. Einer breiten Öffentlichkeit wurde das Symbol vor allem deshalb bekannt, weil die FPÖ-Fraktion im Nationalrat von 2006 bis 2013 mit Kornblumen am Revers zur Angelobung erschien. Heimatmode.at geht zwar auf die Symbolik der Kornblume ein und beschreibt sie etwa als "Preußische Blume" oder als Symbol der "nationalen Bewegung in Österreich", die NS-Geschichte der Kornblume bleibt dabei allerdings unerwähnt.

Bei der "Rot-Weiß-Rot"-Kollektion wird mit weniger subtiler Symbolik gearbeitet: Neben eher platten Bekenntnissen wie "I schmus nur mit an Unsrigen", werden auch Messages auf die Oberteile gedruckt, die in rechtsextremen und sogar faschistischen Kreisen geläufig sind. Hier ein paar Beispiele:

"Tue recht und scheue niemand"

Die Phrase dürfte eine Abwandlung der Textzeile "Tue Recht und fürchte nichts" aus dem Gedicht "Teutscher Trost" von Ernst Moritz Arndt aus dem Jahr 1813 sein. Arndt gilt als einer der Gründerväter des deutschen Nationalismus. Er war offener Antisemit und Rassist und wurde von den Nationalsozialisten als einer ihrer Vordenker verherrlicht.

Die Verszeile dürfte überhaupt eine Art Motto der Nationalsozialisten gewesen sein: Der Spiegel erwähnt sie in einem 1965 erschienen Bericht über einen NS-Prozess gegen den Gebietskomissar Georg Marschall. Kronzeuge in dem Verfahren war Hermann Friedrich Gräbe, auf dessen Aussagen sich die Alliierten auch in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen stützten. Gräbe schreibt in einem als Beweisstück geführten Brief an einen NS-Funktionär: "Ihr Grundsatz, 'Tue Recht und scheue niemand' ist auch der meinige, wie überhaupt jedes echten Nationalsozialisten."

"Sturmfest und Erdverwachsen"

Diese Phrase stammt aus dem Niedersachsenlied, das sich in rechtsextremen und neonazistischen Kreisen großer Beliebtheit erfreut. So wollte etwa die NPD 2009 einen Aufmarsch unter diesem Motto in Hannover veranstalten. Auch die "Identitären Niedersachsen" drucken die Phrase gern auf Flyer und T-Shirts. Die ehemalige Direktorin des Norddeutschen Rundfunks Lea Rosh bezeichnete den Text des Niedersachsenliedes als "faschistoid" und ließ es im Fernsehen nur noch ohne Text ausstrahlen.

"Mens sana in corpore sano – Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper"

Dieser Satz wurde im Nationalsozialismus im Kontext der militärisch-kämpferischen Kindererziehung benutzt. Das körperbezogene Erziehungsideal stütze sich hierbei auf den "Turnvater" und Antisemiten Friedrich Ludwig Jahn und interpretiert den Körper als Teil eines gesunden und wehrhaften "Volkskörpers".

Adolf Hitler schreibt in "Mein Kampf" selbst einen irritierend ähnlichen Satz: "In der Masse genommen wird sich ein gesunder, kraftvoller Geist auch nur in einem gesunden und kraftvollen Körper finden." Die Glorifizierung des "gesunden" Körpers war im NS-Regime Teil des völkischen Denkens und führte in letzter Konsequenz zur Ausmerzung all dessen, was als "unwertes Leben" galt. Etwa 275.000 kranke oder behinderte Menschen wurden vom NS-Regime ermordet.

Ursprünglich stammt diese Phrase übrigens von Juvenal, einem römischen Dichter des ersten und zweiten Jahrhunderts, und ist richtig übersetzt auch wesentlich unproblematischer. Im Original heißt es: "Orandum est ut sit mens sana in corpore sano" – "Es wäre zu wünschen, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist steckte."

Um die Sprüche und Symbole einordnen zu können, ist es wichtig, den politischen Kontext zu kennen

Doch die Aufschriften und Logos, die Heimatmode.at verwendet, sind inhaltlich nie explizit. Das Niedersachsenlied wird in Hannover auch gern mal in Volksschulklassen gesungen und "Mens sana in corpore sano" könnte auch in fröhlichen Farben in einem Yogastudio an der Wand stehen. Um die Sprüche und Symbole einordnen zu können, ist es deshalb wichtig, den politischen Kontext der Menschen hinter Heimatmode.at zu kennen.

Das Impressum der Seite führt zum Medienunternehmen "Medienlogistik", des in der rechten Szene einschlägig bekannten Stefan Magnet. Dieser war vor mehr als 10 Jahren Mitglied der Jugendorganisation BfJ (Bund freier Jugend) in Oberösterreich, die laut einem Gutachten des Verfassungsjuristen Heinz Mayer nationalsozialistische Ideen verherrlicht.

Magnet produzierte laut Profil auch Werbefilme für den oberösterreichischen FPÖ-Politiker Manfred Haimbuchner. Insofern ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Stefan Magnet laut Standard an der Russland-Reise von Vizekanzler Strache und anderen FPÖ-Politikern teilnahm, wo unter anderem dieses berühmte Foto entstand.

Ein Mitarbeiter in Magnets Medienunternehmen ist Andre Taschner. Taschner war zuvor beim ehemaligen dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf angestellt und wurde 2011 aus der FPÖ ausgeschlossen, weil er "Blood and Honour"- Neonazis als Parteimitglieder anwerben wollte.

Wie sehr Heimatmode.at im Hintergrund mit der rechten Szene Österreichs vernetzt sein dürfte, zeigt sich auch daran, dass etwa Philipp Fehrerberger für die Modelinie Modell steht. Fehrerberger ist Redakteur bei der FPÖ-nahen Zeitung "Wochenblick". In der Onlineausgabe der Zeitung wird in redaktionellen Artikeln für Heimatmode.at geworben.

Weitere Werbeaktivitäten verzeichnet Heimatmode.at übrigens auf der Propagandaseite Unzensuriert.at und im rechten pro-russischen Medium Info-Direkt. Unzensuriert.at, das immer wieder wegen falscher Hetzartikel auffällt, wird vom Kommunikationschef Herbert Kickls geleitet. Die Werbebanner von Heimatmode.at stehen hier mitunter direkt neben jenen des "Identitären"-Versands "Phalanx".

Stefan Magnet selbst weist auf Nachfrage jegliche Verbindung zu rechtsextremem Gedankengut als "völlig falsch" zurück. Die oben dargestellten historischen Mehrdeutigkeiten bezeichnet er als "geschichts-paranoid" und sieht sie als Zeichen einer "bedenklichen Fixierung". Magnet weist außerdem darauf hin, dass der Oberste Gerichtshof 2008 festgestellt habe, dass es sich bei seinen politischen Aktivitäten nie um NS-Wiederbetätigung gehandelt habe.

Wiederbetätigung wurde ihm von unserer Seite nie unterstellt. Wo Heimatmode.at auf einer Skala zwischen bewusster Provokation und strahlender Unschuld also einzuordnen ist, darüber kann man schlussendlich nur informierte Vermutungen anstellen.

Einschlägige Symbole wie die blaue Kornblume werden in rechtsextremen Kreisen vielfach verwendet.

Bei Heimatmode.at geht es um mehr als mit ein paar T-Shirts und Westen die Unternehmensbilanz aufzupolieren. Laut der Rechtsextremismus-Expertin Judith Götz von der Forschungsgruppe FIPU werden durch die Verbreitung mehrdeutiger Messages über Kleidung gleich mehrere Ziele verfolgt:

"Einerseits kann es durch harmlos klingende Sprüche gelingen, 'stolze ÖsterreichInnen' anzusprechen, die noch nicht notwendigerweise in einem rechtsextremen Umfeld angedockt sind. Andererseits werden durch den Gebrauch von einschlägigen Symbolen wie der blauen Kornblume Codes verbreitet, die in rechtsextremen Kreisen vielfach verwendet werden. Dadurch werden das gruppeninterne Zugehörigkeitsgefühl verstärkt und Identitätsangebote geschaffen. Nicht zuletzt wird durch das Tragen entsprechender Kleidung auch 'Patriotismus' im Alltag und in der Öffentlichkeit sichtbar."

Die Weltanschauung des rechten Randes wird also unter dem Deckmantel harmloser Heimatliebe in die Bevölkerung getragen und dadurch normalisiert. Die Ideologie dahinter bleibt allerdings bestehen, so Götz.

"Gerade auch der Umstand, dass Heimatmode.at bislang vor allem auf rechtsextremen Internetmagazinen wie Info-Direkt oder auch Unzensuriert.at beworben wird, verdeutlicht nicht nur, dass der Online-Versand in diesen Kreisen auf große Zustimmung stößt, sondern auch, dass es sich bei dem Projekt um mehr handelt als um eine vermeintlich harmlose Bekleidungsmarke für Menschen, die 'Österreich im Herzen' haben."

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