220 Lines Kokain

An diesem Wochenende war einiges los. Aber besonders interessant ist die Geschichte eines jungen, irischen Kokskuriers, der an einem Flughafen in Brasilien mit 72 daumengroßen Päckchen Koks, zusammengerechnet etwa 830 Gramm, erwischt wurde. Die Details darüber sind unklar, wie genau es von der Festnahme des Verdächtigen wegen „nervösen“ Verhaltens zu einer Untersuchung in einer Maschine kam, die diese erdrückenden Beweisbilder da oben produziert hat. Wie auch immer, unser Kurier ist Berichten zu Folge wohl auf, nachdem die Päckchen entfernt wurden. Ihn erwartet jetzt wohl eine 15-jährige Haftstrafe wegen internationalen Drogenhandels.

Das Entfernen selber wurde nicht näher beschrieben. Schmuggler, die keine Symptome von Verstopfung aufweisen, können in spezielle Einrichtungen gebracht werden, wo die Polizisten einfach darauf warten, bis die Verdächtigen scheißen müssen und die Haufen mit Hilfe einer speziellen Toilette mit eingebauten Handschuhen inspizieren. Bei diesem Typen waren das Risiko alleine schon auf Grund der Menge der Drogen und der Anzahl der Päckchen, die er in sich führte, sehr hoch. Eine Operation ist zwar nicht die beste Option, aber weil die Teile einfach überall waren, ist es möglicherweise so abgelaufen.

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Er hatte Glück. In einer Studie, die 1983 im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde, wurden 47 Bodypackers, wie diese Schmuggler genannt werden, untersucht. Und bei diesen 47 Fällen riss bei einem ein Beutel beim Austritt und bei zwölf waren die Päckchen in ihren Eingeweiden kurz davor. Das sind schlechte Neuigkeiten.

Wie schlecht? Die Vermutung liegt nahe, dass du, wenn ein Beutel Koks in deinem Magen oder deinem Darm kaputt geht, erledigt bist. Garantierte Überdosis, garantiert tödlich. Die Vermutung macht Sinn. Jedes der 72 Päckchen beinhaltete etwa 11 Gramm Kokain oder 220 durchschnittliche Lines. Das ist viel Kokain—und Kokain, unabhängig vom populären Irrglauben, erreicht die gleiche Konzentration im Blut, egal ob du es durch die Nase ziehst oder über deine Eingeweide aufnimmst. Letzteres braucht länger, um ins Blut zu gelangen, weshalb es sich wahrscheinlich nicht so stark anfühlt. Aber es kommt an.

Also sagen wir mal, ein Päckchen bricht irgendwo im Körper unseres Superkuriers auf. Das sind 220 Lines auf einen Schlag. Es dauert etwa dreißig Minuten bis es aufgenommen wird. So steht es zumindest in der Literatur, die ich gefunden habe. Allgemein wird die tödliche Dosis von Kokain beim Menschen auf etwa 1,5 Gramm geschätzt. Eines dieser Päckchen hatte elf.

Aber, es gibt Leute, die sich mehr als das reinziehen können und es auch tun. Zumindest sagen sie das. Googelt da einfach mal danach und ihr findet solche, die damit angeben, dass sie mehrere Gramm gekokst haben und solche, die der Meinung sind, schon nach ganz wenig sterben zu müssen.

Es fällt auf, dass die Autoren in allen Fällen noch am Leben sind. Tatsächlich kommen die meisten Überdosen von Koks nicht durch Schnupfen sondern durch Spritzen. Und in Anbetracht unseres unglücklichen Drogenkuriers interessiert uns das Schnupfen mehr, weil es vergleichbarer mit der Aufnahme über den Darm ist. Aber trotzdem, elf Gramm. Es muss irgendeinen Punkt geben, ab dem du einfach am Arsch bist. Kein hin oder her, du bist einfach tot.

Es zeigt sich, dass die Forscher nicht so viel Lust haben, die tödliche Dosis von Kokain am Menschen auszuprobieren; aber an Tieren wohl schon. Wenn es etwas wert ist—aber eigentlich ist es das nicht—könnte man sagen, dass die Menge Kokain, die 100% der Testsubjekte tötet, für einen Hund von der Größe eines Menschen etwa einem Eightball entspricht, also 3,5 Gramm. Bei einer Ratte sind es umgerechnet etwa 13,5 Gramm.

Also, wenn unser Drogenkurier eine gigantische Ratte ist, kann er wahrscheinlich eines dieser Päckchen aufnehmen, ohne einen Hirnschlag, Herzattacken, innere Blutungen, Hyperthermie zu erleiden oder in ein Delirium zu fallen.

Der medizinische Ausdruck dafür ist nebenbei gesagt „Bodypacker Syndrom“. Kokskurier Syndrom. Anscheinend kann man ein zerrissenes Päckchen mit medizinischer Hilfe überleben—speziell, wenn schnell Valium intravenös verabreicht wird, um die Effekte auf das zentrale Nervensystem abzuschwächen, und Kühlmaßnahmen wie Eis unternommen werden, um den Patienten vor dem Tod durch Überhitzung zu retten. Aber ja, viele Leute sterben einfach.

Ich konnte keine Zahlen über den Tod durch Bodypacking finden, aber ein paar Statistiken können Aufschluss geben: Zwischen 1990 und 2001 starben 50 Menschen in New York City. Und um eine Idee davon zu gewinnen, wie verbreitet es ist: Jeden Tag landen 5 Menschen weltweit wegen Drogen in ihren Innereien im Knast und das sind nur diejenigen die gefasst werden.

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