Menschen

Dating-Horrorgeschichten aus dem Lockdown

"Ich nahm ihren Arm von mir runter, sie drehte sich um und fing an, mich vollzukotzen."
19.3.21
Zwei junge Frauen mit Regenschirmen auf einer Art Party, so ähnlich könnte es bei unseren Dating-Horrorgeschichten aus dem Lockdown ausgesehen haben
Symbolfoto: Sian Bradley

Masken, Mindestabstand und eine grassierende tödliche Pandemie sind die denkbar ungünstigsten Voraussetzungen für ein gutes Sexjahr. Und nein, 2020 war wirklich kein gutes Sexjahr. Viele Menschen, die Sex hätten haben können, haben darauf verzichtet.

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Ähnlich ungünstig waren die Voraussetzungen fürs Dating, was aber viele nicht davon abgehalten hat, es irgendwie zu versuchen. Für manche bedeutete das, dass sich ihre Beziehung ungewohnt schnell entwickelte. Andere Paare scheiterten an den komplizierten Umständen der Pandemie. Bei der Partnersuche taten sich Probleme auf, die ohne Virus wahrscheinlich nie ein Thema gewesen wären: Diskussionen über Impfungen, hustende Menschen, die trotzdem zum Date kommen, oder einfach sehr verschiedene Vorstellungen davon, wie ein erstes Date während einer Pandemie aussehen sollte.

Nach einem Jahr voller Lockdowns und Kontaktbeschränkungen haben wir Menschen gebeten, ihre Dating-Horrorstorys mit uns zu teilen.


VICE-Video: Die krassesten WG-Storys von Berlinern


Erst mit Corona angesteckt, dann geghostet – Hannah, 25 

Ich war auf ein paar Dates mit diesem Mädchen. Sie schien richtig nett zu sein und nichts ließ meine Alarmglocken angehen. Zu Beginn des November-Lockdowns besuchte ich sie für ein paar Drinks und wir machten miteinander rum. Ironischerweise wollte ich nicht weiter gehen, weil ich Angst hatte, mich mit dem Virus anzustecken. Ich habe auch nicht bei ihr übernachtet. Zwei Tage später habe ich ihr geschrieben und sie meinte, dass sie sich richtig krank fühlen würde. Sie hätte es noch nicht mal aus ihrem Bett geschafft.

Am nächsten Tag begann ich, selber zu husten, und hatte das Gefühl, schnell aus der Puste zu kommen. Ich schrieb ihr wieder und fragte, ob sie sich besser fühle. Nein, sie würde sich sogar noch viel schlimmer fühlen. Zwei Tage später bekamen wir beide unser Testergebnis: positiv. Das hat nichts an meinen Gefühlen für sie geändert. Ich fand sie immer noch toll und machte mir Sorgen um sie.

Alle paar Tage schrieb ich ihr eine Nachricht, um zu schauen, wie es ihr geht, aber seit unserem positiven Testergebnis kam nichts mehr von ihr zurück. Ich ging davon aus, dass sie zu krank war, sich zurückmelden. Vielleicht war ihr die ganze Sache auch zu unangenehm. Bald war ich selbst zu krank, um mir weiter darüber Gedanken zu machen. Ich habe ihr dann einen Monat später, als ich wieder gesund war und zur Arbeit ging, noch einmal geschrieben. Keine Antwort.

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Langsam habe ich wohl akzeptiert, dass sie mich mit Corona angesteckt und danach geghostet hat. Bis heute weiß ich nicht warum. War es Scham oder Schuldgefühle? Eine Woche später merkte ich, dass sie mich bei WhatsApp und Instagram blockiert hatte. Das hat definitiv meine Gefühle verletzt, aber ich kam dann auch recht schnell wieder darüber hinweg.  

Auf ein Date mit einem Coronaleugner – Charlie, 27 

Im Januar traf ich diesen Typen für ein Date. Weil wieder Lockdown war, schlug ich einen Spaziergang vor. Er hingegen lud mich direkt zum Abendessen bei sich ein. Vielleicht hätte ich da schon merken sollen, dass etwas nicht stimmt. Aber gut, gegen meinen Vorschlag hatte er auch nichts einzuwenden.

Der Spaziergang lief gut und ich mochte ihn. Er sah sehr gut aus und war genau mein Typ. Als wir irgendwann auf die Pandemie zu sprechen kamen, sagte er allerdings ein paar Sachen, die mich etwas fassungslos machten. Zuerst meinte er, dass er noch unsicher sei, ob er sich impfen lassen will. Er habe "da ein paar Sachen gelesen" und wolle sich nicht "irgendeine Chemie" spritzen lassen. Dann sagte er, die Lockdowns "haben offensichtlich nicht funktioniert und waren unnötig". Bei unserer dritten Runde durch den Park hatte ich genug. Ich habe mich entschuldigt und bin abgehauen.

Seitdem habe ich mich öfter gefragt, wie das Date wohl gelaufen wäre, wenn wir uns nicht in einer Pandemie befunden hätten. Vielleicht wären wir jetzt schon in einer Beziehung und ich hätte nie gemerkt, wie gegensätzlich unsere Ansichten doch sind. Vielleicht ist er aber obendrein noch ein Flat Earther oder glaubt an die Illuminaten, und es wäre so oder so nie etwas geworden. Na ja, wir werden es nie erfahren.

Zu betrunken für alles – Ria, 26 

Ich hatte mit diesem Typen auf einer Dating-App gematcht. Nachdem wir zwei oder drei Tage entspannt miteinander geschrieben hatten, verabredeten wir uns für ein Treffen. Draußen natürlich. Wir liefen stundenlang durch die Gegend, bis er vorschlug, zu ihm zu gehen und Essen zu bestellen. Ich mochte ihn, fühlte mich stark zu ihm hingezogen und sehnte mich nach Zuneigung. 

Wir sind also zu ihm und er machte eine Flasche Alkohol auf, dann noch eine. Ich fand ihn so heiß, dass ich wirklich viel getrunken habe. Irgendwann haben wir versucht, miteinander Sex zu haben, aber ich war zu betrunken. Anscheinend habe ich dann wohl irgendwann zu ihm gesagt, dass er arrogant und eingebildet sei, woraufhin ein Streit losbrach. Ich weiß nicht warum.

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Er bat mich mehrere Male, seine Wohnung zu verlassen. Ich bestellte dann ein Taxi, nachdem ich eine Stunde mit ihm verhandelt hatte. Als ich ging, trug ich nur meinen Mantel mit nichts darunter. Ich schaffte es noch irgendwie, ein paar Sachen einzupacken. Aus dem Taxi rief ich ihn noch ein paar Mal an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist und ich nie wieder mit ihm reden möchte.

Am nächsten Tag bin ich mit dem schlimmsten Kater aller Zeiten aufgewacht. Meine Erinnerungen waren mehr als lückenhaft, aber die ganze Sache war mir unfassbar peinlich. Ich hatte auch noch ein T-Shirt von ihm eingesteckt. Nach ein paar Stunden schrieb ich ihm eine Nachricht und entschuldigte mich für mein Verhalten. Er rief mich an und sagte, es sei alles OK. Vergeben und vergessen. Dann schlug er vor, dass wir uns wieder treffen könnten. Er würde was kochen und mir mein Zeug zurückgeben. Ich war erleichtert, bis ich merkte, dass er später nicht mehr auf meine Nachrichten antwortete. Also habe ich ihm sein T-Shirt per Post geschickt und dazu noch etwas Geld, damit er mir meine Sachen zurückschickt. Nach ein paar Wochen Stille antwortete er mir endlich. Er habe viel zu tun gehabt und werde mir meine Sachen schicken. Bis heute ist nichts angekommen.

Auch wenn er mir gegenüber laut geworden ist, als ich bei ihm war, habe ich das Gefühl, die Sache total versaut zu haben, weil ich so beeindruckt von ihm war, dass ich zu viel getrunken habe. Ich habe mich während des Lockdowns unfassbar allein gefühlt und nach Zuneigung und Nähe gesehnt. Das alles hat dazu geführt, dass ich mich einem Fremden gegenüber so komisch verhalten habe. Ich habe deswegen viel darüber nachgedacht, was ich will oder brauche und wie ich damit während des Lockdowns umgehen kann

Er ließ mich im dunklen Flur warten, 25 Minuten lang – Nathan, 24

Im November traf ich diesen Typen, der wirklich süß war. Wir waren uns davor schon eine Zeit lang online gefolgt und irgendwann fragte ich ihn, ob wir uns draußen treffen und ein paar Bier trinken wollen.

Sieben Bier später haben wir auf einem Baumstamm rumgemacht. Dann fragte er mich, ob ich mit zu ihm kommen will. Allerdings, sagte er, seien seine Mitbewohner wirklich streng mit den Kontaktbeschränkungen – das bin ich übrigens auch, wenn ich nüchtern bin. Sie dürften auf keinen Fall etwas mitkriegen. Seine Wohnung war direkt um die Ecke, also sagte ich zu.

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Da wusste ich aber nicht, dass er mit vier anderen Leuten in dieser superkleinen Wohnung lebt. Natürlich waren alle zu Hause. Er ließ mich draußen im dunklen Flur vor der Wohnungstür warten, 25 Minuten lang. Das ist wirklich lange, wenn man nur rumsitzt und wartet. Als wir endlich in seinem Zimmer waren und zur Sache kamen, flüsterte er nur noch, so dass ich ihn kaum verstand. Dazu machte er ständig "Schhhh!", was mir mit der Zeit richtig auf die Nerven ging. Dann meinte er, ich könne die Nacht bleiben, aber um 7 Uhr morgens müsse ich abhauen, bevor irgendjemand aufsteht. Ich dachte mir nur: "Was für eine Scheiße, hier bleibe ich auf keinen Fall." Zum Glück waren alle in ihren Zimmern und ich konnte mich rausschleichen, ohne dass jemand was gemerkt hat.

Die ganze Geschichte hat ihn ziemlich unattraktiv gemacht. Wenn du schon die Regeln brichst, solltest du wenigstens dazu stehen, oder nicht? Es fühlte sich alles so unreif an – wie Teenager, die um ihre Eltern herumschleichen, aber nicht auf die heiße Art. Ich finde es generell einen Abturn, wenn jemand "Schhhh!" zu mir macht, egal unter welchen Umständen. Mir ist es egal, ob ich bei einer Beerdigung rumschreie oder so: "Schhhh!" mich nicht. Punkt.  

Kotze im Bett und in meinem BH – Redgi, 26

Während des Lockdowns hatte ich ein Tinder-Match mit diesem Mädchen. Sie fragte mich spontan, ob ich zu ihr kommen will. Ich hatte nicht damit gerechnet, aber bin dann zu ihr. Als ich ankam, war sie schon ein bisschen betrunken, und wir fingen an, miteinander rumzumachen. Plötzlich hatte sie Lust auf Drogen. Ich hatte nur Ketamin dabei, was eigentlich überhaupt keine gute Idee mit Alkohol ist. Sie ließ sich nicht abbringen, nahm etwas, und wir machten weiter.

Bald merkte ich, dass sie einschläft. Ich nahm ihren Arm von mir runter, sie drehte sich um und fing an, mich vollzukotzen. Nachdem ich die Situation etwas unter Kontrolle gebracht hatte, brachte ich sie zum Badezimmer. Sie konnte kaum laufen. Nach zehn Minuten ging ich in die Küche, um mich zu waschen, und kam zurück in ihr Zimmer. Das Bett war voller Kotze, genau wie der Teppich und mein BH. Ich nahm mir eine Einkaufstasche von ihr und verstaute meinen BH darin. Sie kam aus dem Badezimmer zurück und legte sich einfach ins vollgekotzte Bett.

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