Don’t Call Me Urban

Erinnerst du dich an Grime? Wenn du dich Ahnung hattest, konntest du die dicke Avirex-Jacke, das Mixed Martial Arts-Ecko-T-Shirt, die Damani Dada-Mütze und die Akademiks-Jeans aus einer Meile Entfernung erkennen und diese als frühen 2000er Grime Style identifizieren. Allerdings kostete das Zeug ein eine Menge Geld, also war es nicht gerade das, was die Mehrheit der Fans trug. Der Fotograf und Regisseur Simon Wheatley verbrachte sieben Jahre damit, den Style für sein Buch Don’t Call Me Urban zu fotografieren, was eine visuelle Dokumentation der Grime-Szene darstellt. Auch wenn er reichlich Typen dem originalen Stil fotogfierte, konzentrierte sich Simon mehr auf die Jüngeren, sich sich keine der aus Amerika importierten Marken oder das exklusivere Streetwear-Zeug leisten konnten, und deshalb auf New Era, Nike und Samuraischwerter abgingen.

VICE: Hey Simon. Wann hast du angefangen, für das Buch zu fotografieren?

Videos by VICE

Simon Wheatley: Die frühesten Fotos sind von 1998, als ich in der Gegend um Lambeth Walk herumlief.

Wie bist du mit der Szene in Kontakt gekommen? Die muss zu der Zeit ziemlich abgeschottet gewesen sein.

Ich bin mit Grime in Kontakt gekommen, nachdem ich bei den alten RWD Magazine-Büros in der Nähe der London Bridge gewesen war. Ich habe ein paar alte Freunde, die ihr Geschäft im selben Gebäude hatten, besucht. Ich hatte Flyer für eine meiner Ausstellungen dabei und gab dem Art Director einen. Etwas später rief er mich an und ich machte das Porträt von Fumin, von dem ich immer noch glaube, dass es das Beste ist, das ich für sie gemacht habe. Innerhalb eines Monats wurde ich RWDs Haus- und Hoffotograf und machte Porträts von den bedeutendsten Leuten der Grime-Szene. Es war nicht unbedingt abgeriegelt, auch andere Leute fotografierten Grime, aber nicht mit der selben Hingabe für die sozialen Probleme hinter dem Genre und das ist, was mich wirklich motiviert hat. Sicher hatte ich auch Spaß, aber ich war an der authentischen Stimme einer urbanen Unterschicht interessiert. Die Youngers, die Grime wirklich lebten, interessierten mich am meisten, und die Verbindungen, die ich mit den etablierten Crews hatte, haben mir Türen geöffnet.

Was haben die Jugendlichen getragen, als du angefangen hast, zu fotografieren?

Das kannst du auf den Bildern sehen. Hauptsächlich die übliche Sportkleidung und ab und zu ein bisschen Bling.

Hat sich der Look in der Zeit, während du Fotos gemacht hast, entwickelt? Haben sich die Jugendlichen beispielsweise für neue Marken oder so etwas interessiert?

Darauf habe ich nicht geachtet, wirklich. Ich denke, du kannst Nike und adidas als Basis betrachten. Es gab dann natürlich auch kleinere Marken und seltene Klamotten. Ich kann mich wirklich an keine Namen erinnern, aber ich weiß, dass New Era durchweg sehr groß war. Jeder hatte und hat eine New Era.

Es gab da also nichts Auffälliges?

Nein, nicht wirklich. Was ich von Grime als Mode gesehen habe, darüber bin ich enttäuscht. Das war nicht sehr einfallsreich. Darauf verweise ich immer, wenn Leute Grime mit Punk vergleichen—Punk war wirklich etwas Gewagtes, wogegen Grime sehr konformistisch ist, echt. Nicht nur im Sinne von Sportunternehmen, die ihr Zeug den großen Crews gegeben haben, sondern auch die meisten der „Designer”, die T-Shirts und Hoodies mit variierenden Slogans und Mustern gemacht haben. Wie wäre es, das alles zu vermischen? Ich würde lieber ein paar richtige, afrikanische Kleider und so sehen, als dieses dogmatischen Nacheifern von Mode aus den USA.

Ja, ich würde gerne Footsie in einem Dashiki sehen. Wie hat, während du fotografiert hast, ein durchschnittlicher Tag für dich ausgesehen?

Manchmal musste ich sehr viel warten. Für viele der Jugendlichen hatte die Zeit von anderen Leuten keinen Wert, aber wenn sie kamen, hingen sie echt nur ab. Ich mag es nicht, das Leben anderer zu verallgemeinern. Es wäre einfach, weiter über die negativen Dinge, die ich gesehen habe, zu erzählen. Einige der Jugendlichen hatten echt ein schwieriges Leben und Musik gab ihnen nicht nur etwas zum Beschäftigen, sondern auch etwas, von dem sie träumen konnten.

Ich schätze, Grime ist in gewissermaßen wie HipHop—alle reden darüber, wie sie die Besten sind und das meiste Geld machen etc. Sind die Leute überhaupt auf Sachen von Designern abgefahren?

Ja, ein bisschen. Aber mittlerweile ist es noch alberner. Mein Buch bezieht sich auf diese Absurdität, wie zügellos das materielle Bestreben mit der düsteren Realität kollidiert.

Hast du irgendwelche Anzeichen von Gangzugehörigkeiten oder so etwas in der Art bemerkt?

Ja, klar. Dieses ganze Bandana-Zeug. Es gibt eine Menge Bilder aus Lewisham, dem „Blue Borough“, gegen Ende des Buches.

Cool. Ich liebe das Foto von dem Jungen, der sich direkt neben der Polizistin über den Zaun schwingt. Was ist die Geschichte dahiner?

Oh, sie sind mit gestohlenen Rädern auf einem Parkplatz auf der anderen Seite des Gebäudes gefahren. Jemand hat „Bullen“ geschrien, also haben sie die Räder in die Büsche geschmissen und sind die Treppe hoch gerannt. Ich bin mit dem Typen auf dem Bild mitgegangen und dann ist er aus einem Fenster im ersten Stock gesprungen, um abzuhauen, aber gerade als er gelandet ist, ist ein Polizeiwagen aufgetaucht. Ich bin runter, aber zu dem Zeitpunkt wurde er schon befragt. Es war lustig, er hatte sein Gras in den Büschen versteckt und als die Polizei ihn gefragt hat, was er da gemacht habe, sagte er, dass er seine Schlüssel gesucht hat. Dann wollten sie wissen, warum er einen Motorradhelm trägt und er hat geantwortet, dass er es einfach mag, mit einem Helm herumzulaufen, aber sie haben ihn gehen gelassen, weil es keine Beweise für ein Fehlverhalten gab. Ich war überrascht, dass sie kein bisschen ermittelten, aber es waren andere Zeiten. Die Polizistin trägt keine Schutzweste, wie es heute üblich ist. Und das ist kein Modestatement!

Thank for your puchase!
You have successfully purchased.