Ein geisteskranker Computer

Das Human Brain Project versucht das menschliche Gehirn in einem Computer zu simulieren, um uns alle—und vor allem wie wir ticken—ein wenig besser zu verstehen. Bei einem ähnlichen Projekt wurde dafür sogar ein Computer in die Schizophrenie getrieben. Wie bitte?

Der Computer trägt den Namen DISCERN und wurde extra dafür gebaut, die neuronalen Verbindungen im Gehirn zu simulieren—und was passiert, wenn man diese Vernetzungen unterbricht. In diesem Fall mit einer massiven Dosis Dopamin. Wissenschaftler aus Amerika haben dazu eine Studie angefertigt, die besagt, dass dabei ein Zustand namens „hyperlearning“ eintritt. Anders ausgedrückt verliert das Gehirn die Fähigkeit, etwas zu vergessen.

Videos by VICE

Das Ganze ist ziemlich faszinierend, denn es wird zudem angenommen, dass Dopamin als Neurotransmitter für eine Reihe psychischer Erkrankungen verantwortlich ist und dem Gehirn dabei hilft, zu unterscheiden, was wichtig und was unwichtig ist. „Wenn zuviel Dopamin vorhanden ist, führt das zu einer übersteigerten Wahrnehmung und das Gehirn nimmt Informationen wahr, die es eigentlich nicht wahrnehmen sollte.“ Sagt der Wissenschaftler Uli Grasemann.

Das Gehirn nimmt andauernd tonnenweise Informationen wahr und eine Menge davon sind entweder unbrauchbar oder irrelevant. Was ich in der vergangenen Stunde wahrgenommen habe, ist nicht das, was ich erlebt habe, stattdessen hat mir mein Gehirn dabei geholfen, das Erlebte durch Dopamin zu konstruieren und selektieren. Und nun stellt euch vor, dass ihr diese Fähigkeit verliert und alle Wahrnehmungen gleichzeitig auf euch einprasseln. ihr wärt nicht in der Lage alles zu verarbeiten und eure Fähigkeit Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, wäre im Arsch.

„Es ist ein wichtiger Mechanismus, verschiedene Dinge einfach ignorieren zu können“ sagt Grasemann. „Was wir herausgefunden haben, indem wir die Lernquote von DISCERN hochgedreht haben, war, dass der Computer Sprachanomalien generierte, die auf Schizophrenie schließen lassen.“

Am Ende hat DISCERN also seinen „Verstand“ verloren und konstruierte fantastische und gestörte Geschichten, die er aus anderen Geschichten zusammenbaute, die man dem Computer beigebracht hat. Zum Beispiel übernahm er die Verantwortung für einen terroristischen Bombenanschlag.

Skeptiker meinen jedoch, dass DISCERN keinesfalls eine perfekte Simulation sei, da sie auf einem System namens „Connectivismus“ basiert und diese Systeme dem menschlichen Gehirn nachempfunden sein sollen. Ein wenig zumindest. Sie sind natürlich um einiges simpler konstruiert als das Gehirn, aber trotzdem in der Lage, einige sehr komplizierte Dinge auszuführen. Man kann ihnen zum Beispiel beibringen Gesichter und sowas zu erkennen, was nicht unbedingt eine einfache Sache ist.

Wie dem auch sei, DISCERN ist dazu gebaut worden, Sprache zu verarbeiten, aber erlernt Sprache eben keineswegs wie ein Mensch. Das liegt vor allem daran, dass wir einfach keinen blassen Schimmer davon haben, wie das Gehirn das überhaupt anstellt. Wir können uns nicht einmal sicher sein, dass unseren Gehirnen, abgesehen von der biologischen Struktur, ein connectivistisches Prinzip zu Grunde liegt. Manche Wissenschaftler sind der Ansicht, dass dem so sei, andere hingegen meinen aber, dass der anderen Gruppe der Mund an ihren Anus genäht wurde. Wie dem auch sei, eigentlich wollte ich euch auf die Diskussion über Menschenrechte für künstliche Intelligenzen aufmerksam machen.

Thank for your puchase!
You have successfully purchased.