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6 Gründe den Teufel anzubeten

Der Teufel ist der Schutzpatron der Lust, der Freiheit und der Unterdrückten. Hier sind 6 Gründe ihn (oder sie) anzubeten.

von Till Rippmann
26 August 2014, 11:07am

Foto: abbilder | Flickr | CC BY 2.0

Wenn eine mythische Figur heute noch für so ziemlich alles Üble verantwortlich gemacht wird, dann ist es der Teufel. Der Teufel bringt uns in Versuchung, vom Teufel besessen machen die Menschen böse Dinge. Wegen dem Teufel oder um vor dem Teufel zu bewahren, hat man früher Leute verbrannt oder grausamen Exorzismen unterzogen. Früher war der gehörnte Gott etwa bei den Kelten eine Fruchtbarkeitsgottheit, ähnlich wie Pan, Venus, Bacchus oder Dionysos. Alle diese Götter sind in unseren guten Luzifer Morgenstern eingeflossen. Seine Bestandteile sind also viel eher „horny“ als böse.

Gleichzeitig fällt auf, dass z.B. der christliche Glaube gar nicht mehr so christlich ist wie ursprünglich gedacht: Was einmal eine kleine, pazifistische, jüdische Sekte im alten Rom war, ist heute eine weltumspannende Moral-Lobby, die einen Hauptteil ihrer Energie darin investiert, die Welt möglichst vom Fortschritt abzuhalten und Anderen vorzuschreiben, wie sie ihre Sexualität zu leben haben.

Diese Kernfunktion teilt sich der konservative Kern des Christentums übrigens mit seinen Äquivalenten in den anderen beiden Weltreligionen. Ja, Buddhismus und Hindusimus sind auch Weltreligionen, haben aber keine Teufelsfigur im Mythos und sind daher für diesen Text nicht relevant. Man darf natürlich trotzdem darüber nachdenken, wie es kommt, dass ausgerechnet die friedlichste aller Weltreligionen auf den Teufel verzichten kann und trotzdem überlebt.

Jedenfalls gibt es gute Gründe, den Prinzen der Dunkelheit anzubeten:

1. In der Hölle gibt es keine Montage
Weil du Facebook oder vielleicht sogar selbst einen Job hast, dürfte dir bewusst sein, wie die Menschen den wöchentlichen Start in die Arbeitswelt verabscheuen und sich ab Mittwoch wieder aufs Wochenende freuen. Das ist, weil Arbeit Disziplin und Disziplin das Gegenteil von Freude ist. Am Wochenende „müssen“ wir nicht, sondern dürfen. Darum mögen wir Wochenenden und finden Montage scheiße. Das Kernkonzept jeder antidiabolischen Religion ist Disziplin. Also die Fähigkeit, Dinge zu tun, die wir hassen, obwohl wir sie hassen oder Dinge nicht zu tun, obwohl wir sie gerne tun würden. Mephistopholes hingegen versteht es, Bedürfnisse zu wecken, statt sie zu unterdrücken.

2. Der Teufel ist tolerant
Ein wunderschöner Nebeneffekt der Abwesenheit von Disziplin ist Toleranz. So will auch dieser Artikel niemandem seinen Glauben faul reden, sondern mehr die Position Luzifer Morgensterns zugänglicher machen. Obwohl die Weltreligionen Shaitan andauernd niedermachen und regelrecht zu hassen scheinen, bleibt er entspannt und fährt weiter seinen Stil, ohne sich „gegen“ jemanden zu richten. Kurz: Alle hassen ihn, ihm ist es egal—er ist wahrscheinlich Münchner.

3. Sexualität
Laut einer aktuellen Studie macht Sex die Menschen am glücklichsten. Was für eine Überraschung. Das Verhältnis der (Welt-)Religion zur Sexualität ist eines des Zwangs und der Verneinung. Dass dabei insbesondere die weibliche Sexualität des Teufels ist, reicht eigentlich schon als Grund, ihn anzubeten.

4. Keine Schuld bedeutet Freiheit
Das wirklich perfide Element, das die Weltreligionen miteinander verbindet, ist die andauernde Schuldsuggestion: Du hast unzüchtige Gedanken? Gott ist sauer. Du hast dich in jemanden mit dem gleichen Geschlecht verliebt? Du kommst ins Fegefeuer. Schuld, vor allem diffuse, irrationale Schuld gegenüber einem Mythos, ist so ziemlich das unmenschlichste Gefühl, das man jemandem antun kann. Die Weltreligionen halten seit Jahrhunderten ganze Völker in diesem Zustand, um sie zu kontrollieren. Nur wer sein eigener Richter ist, kann wirklich frei sein.

5. Keine Kriege
Wer sich ab und zu einen politischen Redner mit Drohnen im Rücken oder Kalaschnikows im Anschlag zu Gemüte zieht, weiß, dass der Teufel eigentlich immer auf die Fresse kriegt. Weil alle für Gott und gegen den Teufel in den Krieg ziehen. Ob das US- oder IS-Truppen sind, macht keinen Unterschied: Kurz nach der beidseitigen Anrufung Gottes und der Verdammung als Teufel sterben für gewöhnlich eine Menge Menschen. Den Teufel oder alle Teufel erwischt derweil nie jemand, der ist nämlich schon in der nächsten Schlacht mit dabei. Gleichzeitig wurde noch nie ein Krieg im Namen der Hölle und zur Ehre Satans geführt. Für Gott, Jahwe und Allah starben Abertausende in Hunderten von Kriegen.

6. Erkenntnis

Der größte Trick, den der Teufel je abgezogen hat, ist es, die Welt glauben zu machen, er würde nicht existieren.

Adam und Eva wurden (gemäß Bibel) damals wegen des Apfels „der Erkennntnis“ aus dem Paradies geworfen. Für eigenständiges Denken ist in Gottes Paradies kein Platz. Das ist auch schon des Pudels Kern: Seit gut zweihundert Jahren leben wir in einem Zeitalter der rationalen Erkenntnis, der Empirie, der Wissenschaften. Von der Atombombe über Penicillin bis zum fließenden Wasser—alles vom Satan.

Ich hab z.B. vorhin eine Studie zum Thema Sex zitiert, um dich meine Aussage glauben zu machen und es hat funktioniert, oder? Das ist so, weil du die Erkenntnis und somit Prometheus, den Lichtbringer, anbetest. Du bist ein Satanist, weil du rational denkst. Gleichzeitig haben wir uns dem immer freier werdenden Kapitalismus unterworfen und somit dem satanischen Recht des Stärkeren. Ohne es zu akzeptieren, leben wir bereits in einer globalen Kirche Luzifers. Gott sei Dank und Amen.