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Einige Menschen bluten aus der Vagina, auch wenn Instagram das nicht gefällt

Rupi Kaur ist eine Künstlerin aus Kanada, die mit ihrer Schwester eine Fotoserie über den Prozess der Menstruation gemacht habt. Eines ihrer Bilder wurde nun von Instagram gelöscht.

von Lisa Wölfl
30 März 2015, 9:00am

Foto von Ropi Kaur, Screenshot von VICE Media

Update: Nach der Veröffentlichung dieses Artikels wurden wir von Instagram kontaktiert und man teilte uns mit, dass es sich bei der Löschung um einen Fehler gehandelt habe. Das offizielle Statement von Instagram:

„Manchmal passieren Fehler, wenn unser Team Meldungen von Mitgliedern der Instagram Community bearbeitet. In diesem Fall haben wir fälschlicherweise Inhalte gelöscht und haben unseren Irrtum behoben, sobald wir darauf aufmerksam gemacht wurden. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten."

Lasst uns über Menstruationsblut reden. Viele von uns sind schon mal damit in Kontakt gekommen, egal ob es eigenes oder fremdes Blut war. Trotzdem reagieren sehr viele Menschen—darunter gefühlt vor allem Männer—angeekelt und schockiert auf einen Prozess, der ihre eigene Existenz überhaupt erst möglich macht.

Rupi Kaur ist eine Künstlerin aus Kanada. Sie schreibt Gedichte und Prosa. Und sie hat mit ihrer Schwester eine Fotoserie über den Prozess der Menstruation gemacht. Eines ihrer Bilder postete Kaur auf Instagram. Es wurde gelöscht.

In ihrer Stellungnahme fühlt sich Rupi Kaur bestätigt. Sie merkt an, dass sexualisierte Bilder—auch von minderjährigen—Frauen auf Instagram toleriert werden. In einem Bikini könnte sie sich ohne Probleme zeigen, aber komplett angezogen mit einem kleinen Blutfleck am Schritt, das ist anscheinend zu viel. Durch Proteste auf Instagram wurden die Fotos schlussendlich wieder freigeschaltet—ein kleiner Sieg.

Obwohl die unterstützenden Stimmen überwiegen, regt sich auch Protest in den Kommentarspalten. Einige verstehen nicht, warum man sich so in der Öffentlichkeit zeigen muss. Andere wiederum finden, dass Regelblutungen circa so sind, als würde man sich anscheißen. Und davon würde man ja auch keine Fotos machen. (Außer ein paar Jungs aus meinem Jahrgang, die eine Kackgruppe auf WhatsApp gegründet haben und ihre größten Erfolge miteinander teilen. Laut ihnen nichts Ungewöhnliches.)

Eine Studentin aus Karlsruhe bekam vor Kurzem weltweit Aufmerksamkeit, weil sie feministische Statements auf Binden klebte und diese in der Stadt verteilte. Ein Spruch war: „Imagine if men were as disgusted with rape as they are with periods". Ich habe oft mitbekommen, wie angeekelt Männer vom Gedanken einer blutenden Vagina sind.

Screenshot von Kaurs Facebook-Seite via VICE Media

Natürlich finden die meisten, dass Vergewaltigungen furchtbar sind. Allerdings bin ich noch keinem Mann begegnet, der mir das ungefragt unter die Nase gerieben hätte. Wie wäähh die Monatsblutung oder auch unbenutzte Tampons und Binden seien, allerdings schon.

Menstruation und alles, was dazugehört, sind in der Popkultur kaum präsent. Vergewaltigungen kommen hingegen öfters vor. Oder zumindest Vergewaltigungswitze. Eine Ausnahme ist der absolut originelle Scherz, schlecht gelaunte Menschen zu fragen, ob sie denn ihre Tage hätten.

Ich bin weder Advokatin noch Gegnerin von Free-Bleeding. Ich mag meine Periode auch nicht sonderlich. Sie ist halt da. Früher hatte ich während der Periode so starke Krämpfe, dass ich durchschnittlich zwei Tage pro Monat zu Hause bleiben musste, während ich manchmal schrie, manchmal kotzte. Da konnte und kann ich die zusätzliche Scham echt nicht gebrauchen.

Bis ich 15 war, habe ich mich nicht getraut, mit meinen Freundinnen darüber zu reden, weil ich mich selbst so eklig fand. Und das obwohl meine Mutter eine von denen ist, die die erste Periode feiern. Warum wollen wir Mädchen einreden, dass ihr Körper beschämend ist? Was zur Hölle spricht dagegen, das Thema zu normalisieren? Machen wir einen Deal: Ihr flippt nicht aus, wenn mir ein ungebrauchtes Tampon aus der Tasche fällt und ich schmier euch mein Menstruationsblut nicht ins Gesicht.


Titelbild von Ropi Kaur

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