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Muscheln auf antiken Nippeln: Die absurde Verhüllungstaktik von 'Assassin’s Creed'

Krokodile, Hyänen, Römer – Bedrohungen lauern in 'Assassin’s Creed Origins' überall. Im neuen, friedlichen Entdecker-Modus sehen die Entwickler aber eine andere Gefahr für Gamer: Nippel und Penisse antiker Statuen.

von Sebastian Meineck
23 Februar 2018, 12:50pm

Bild: Screenshot, YouTube, Ubisoft

Assassin’s Creed Origins erzählt eigentlich eine blutige Rachegeschichte, die sich im Jahr 47 v. Chr. während des ptolemäischen Bürgerkriegs in Ägypten abspielt. Viel Zeit, um die detaillierte Welt zu bestaunen, bleibt da nicht. Darum gibt es seit kurzem einen neuen Spielmodus: Discovery Tour. Hier gibt es keine Kämpfe und keine rachsüchtigen Charaktere. Stattdessen streifen die Spieler durchs alte Ägypten wie durch ein Freilichtmuseum.

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Begleitet werden sie dabei von einem Tourguide, der den friedlichen Spaziergang durch die Straßen von Alexandria und die Grabkammern der Pyramiden von Gizeh in eine interaktive Geschichtsstunde verwandelt. Der Modus ist kostenlos für alle, die Assassins Creed Origins schon besitzen, ansonsten kostet er rund 20 Euro. Das virtuelle Ägypten wirkt authentisch – wenn da nicht eine Sache wäre, die gerade für eine Kontroverse unter Gamern sorgt:

Es gibt keine nackten Statuen.

Große Jakobsmuscheln bedecken die Blöße der Statuen antiker Heldinnen und Helden, Göttinnen und Götter. Das zeigen Screenshots aus einem YouTube-Video des Kanals Censored Gaming. Zuerst aufgefallen ist das dem Magazin Rock, Paper, Shotgun.

Wie die Bikini-Cups der Disney-Meerjungfrau Arielle liegen die Muscheln auf marmornen Brüsten. Wie ungemütliche Slips kleben sie auf gemeißelten Penissen. In der realen Welt schleifen Lehrer müde Grundschulklassen durch Museen mit unverhüllten, antiken Statuen – bei Assassin's Creed ist die versteinerte Nacktheit offenbar nicht erwünscht.

Muscheln für den Schulunterricht

Zumindest sind die keuschen Statuen nur Teil der Kulisse und stehen bei den Touren des Entdeckermodus nicht im Mittelpunkt. Sie sind auch nicht historisch akkurat im engeren Sinn, sondern den antiken Statuen nachempfunden. Eine Option, die Muscheln auf Wunsch zu entfernen, gibt es aber offenbar nicht.

Das Gaming-Magazin Polygon hat bei Ubisoft nachgefragt, was das eigentlich soll. In einem Statement erklärt die Entwicklerfirma, der Entdecker-Modus richte sich an eine "maximale Menge an Leuten verschiedenen Alters und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen". Man habe dabei "kulturelle Empfindlichkeiten" einbezogen, die von Land zu Land unterschiedlich sein könnten.

Ubisoft wollte mit der Discovery Tour zudem Lehrern entgegenkommen, die Ausschnitte aus dem Spiel für ihren Unterricht einsetzen möchten. Auf seinem Blog schreibt Ubisoft, seit dem ersten Spiel der Assassin's-Creed-Reihe würden Lehrer fragen: "Könntet ihr eine Version ohne Konflikte, ohne Erzählung machen?"

Tatsächlich hat der neue Entdeckermodus das Zeug, aus einer Geschichtsstunde eine faszinierende Zeitreise zu machen. Fragt sich nur, ob die von Ubisoft zitierten Lehrer wirklich ein Spiel mit Statuen in Muschel-Bikinis haben wollten.

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