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Paare, so kriegt ihr mich zu einem Dreier: die Anleitung einer Bisexuellen

Dreier sind die Standard-Sexfantasie. Wenn Paare sich nicht so blöd anstellen würden, könnte es auch klappen.

von Lena Warmen
18 Oktober 2016, 6:00am

Foto: imago | BM&W

Pornos zu gucken, um etwas über Dreier zu lernen, ist ungefähr so sinnvoll, wie Mad Max zu schauen, um ein besserer Fahrer zu werden. Auf dem Computerbildschirm sieht das so aus: Es gibt immer diese eine heiße Freundin, die zufällig ins Pärchenschlafzimmer platzt und einfach mitmacht oder sich lasziv am Pool des Paares räkelt, weil sie so heiß darauf ist, den Ehemann ihrer besten Freundin im Team zu beglücken.

Der Anteil der Paare, die so jemanden getroffen haben, ist wahrscheinlich so groß wie die Zahl jener, die einen eigenen Pool in Berlin-Mitte besitzen. Aber es gibt sie nicht, die perfekten Wunscherfüllungsroboter, die nur darauf gewartet haben, das Liebesleben eines Paares aufzuwärmen. (Oder höchstens gegen Geld.) Aber bisexuelle Frauen, die manchmal Bock haben, das Bett mit einem Paar zu teilen, existieren tatsächlich.

Ich kenne welche. Ich habe selbst das Bett mit Paaren geteilt. Glaubt man den Zahlen, sind Dreier, vor allem in der Ausführung Frau-Frau-Mann, eine der Standard-Sexfantasien der Deutschen. Oder zumindest der deutschen Männer. "Für Männer ist es dieFantasie schlechthin", sagt Jakob Pastötter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung. An deren Umsetzung hapert es allerdings: Laut einer Studie zum Sexualverhalten in Deutschland, an der Pastötter mitgewirkt hat, hatten gerade einmal 12,5 Prozent der Deutschen einen Dreier.

Ich bin generell skeptisch, was Sexstatistiken angeht, aber auch allein anhand der Gespräche, bei denen man sich eine gewisse Ehrlichkeit angetrunken hat, weiß ich, dass viele diese Fantasie haben. Die App Feeldfrüher bekannt als 3ndr (ausgesprochen: Thrinder)—gilt als die Dreier-App schlechthin. Weltweit wurde sie fast schon zwei Millionen Mal runtergeladen, in Deutschland hat sie etwa 40.000 Mitglieder. Ein Drittel von ihnen seien Paare, schreibt mir Dimo Trifonov, der Gründer der App. Die meisten von ihnen suchten nach einer dritten Frau. Und die suchen sie nicht nur bei Feeld: Auch auf etwas aufgeschlosseneren Datingseiten sieht man zig Paare, die nach einer "experimentierfreudigen Dritten" fahnden.

Und zwar nicht nur solche Pärchen, die nach Orion-, sondern auch jene, die nach Otto-Katalog aussehen. Wer bei Datingplattformen angibt, single und bisexuell zu sein, wird ein paar Mal täglich auf Drinks eingeladen, bei denen man dann "schaut, was passiert". Klickt man auf die Profile dahinter, zieht eine Parade von gut ausgeleuchtetem Pärchenglück vorbei, noch viel mehr geheimnisvoll-beschämt verdeckte Gesichter und eine Fülle von animateurerotischen Aufnahmen von Strapsen und Waschbrettbäuchen.

Bei so einem Überangebot sollte ein Dreier für mich nur ein paar Klicks entfernt sein. Es könnte so einfach sein. Wenn Paare sich nicht so blöd anstellen würden. Hier eine Anleitung, wie man es besser macht:

Seid keine Arschlöscher

"Hallo du, mein Freund und ich lieben uns und finden dich echt heiß. Bock auf Sex?" Zu zweit eine Frau aufzureißen, ist nicht so anders, als würde man alleine versuchen, jemanden klarzumachen. Man wirbt nicht um ein Set von Genitalien, sondern um den Menschen, der da dran hängt. Und der hat Persönlichkeit, Humor, ein Eigenleben—oder na ja: minimale Höflichkeitsanforderungen. Direkte Sexanfragen, auch wenn sie vom weiblichen Teil des Paars kommen, sind taktlos. Noch seltsamer ist, wenn man halbe pornografische Romane von einem Profil zugeschickt bekommt, auf dem nur verschwommene Oberkörper oder Hintern in allen Ausführungen zu sehen sind. Wie beim normalen Daten gilt: Sei kein Arsch. Ich bin ein Mensch und will Menschen begegnen.

Keine Überraschungen

"Hey, ich bin Sarah, dein Musikgeschmack ist toll und wir haben dasselbe Lieblingsbuch. Lass uns beide Gin Tonic trinken und über den Sinn des Lebens sinnieren."

30 Nachrichten später, nachdem man sich mit der schönen Sarah verabredet hat: "Hast du eigentlich was dagegen, wenn mein Freund auch mitkommt?"

Wenn ihr als Paar nach Bettgesellschaft sucht, müsst ihr das gleich deutlich machen. Wenn ihr die heiße Frau als Köder vorschickt, fühle ich mich verarscht. Und das führt auch nirgendwohin. Das Szenario, in denen sich zwei Freundinnen so gut verstehen, dass sie alles miteinander teilen—Lippenstift, Sorgen, einen Schwanz—ist genau so realistisch wie der Plot von Warum liegt hier eigentlich Stroh?

Wollt ihr das wirklich beide?

Noch blöder ist es, wenn die Frau das Interesse nur vortäuscht, um ihrem Liebsten ein "Geschenk" zu machen. "Der Dreier ist eher eine Männerfantasie", sagt Experte Pastötter. "Man kann das evolutionsbedingt erklären: Wenn es darum geht, seine Gene zu verbreiten, ist es besser, zwei Frauen gleichzeitig zu beglücken." Es macht allerdings keinen Spaß, in einem Bett zu sein, in dem ein Drittel der Belegschaft keinen Bock auf einen hat.

Es ist in Ordnung, wenn eine Lady noch nie etwas mit einer Frau hatte und neugierig ist. "Viele gehen auf ein Dreierdate, weil sie Bereiche ihrer Sexualität erkunden wollen, die ansonsten nicht zum Ausdruck kämen", sagt Patrick vom The Threeway Dating Club, der professionell Dreier vermittelt, zu VICE. Aber ich merke ziemlich schnell, wenn die Dame nicht an Bettgesellschaft interessiert ist, sondern nur die Fantasie ihres Liebsten befriedigt.

Erwartet keinen Porno

In Pornos sieht der Dreier so aus: Zwei Frauen beschäftigen sich mit dem Prachtstück des Mannes und küssen sich zwischendurch vielleicht ein bisschen. Aber überlegt euch mal: Warum sollte eine zweite Frau Bock auf einen halben Schwanz haben, wenn es in der Welt eher ein Überschuss von willigen ganzen Penissen gibt? Und erwartet bloß nicht, dass alles so mühelos läuft wie auf Pornhub. "Bei Dreiern dreht sich viel um Inszenierung: Man wird vom Szenario angetörnt", sagt Pastötter. "Es reicht nicht, Körper zusammenzuwerfen, sondern da muss eine Anziehung da sein."

Nicht mit dem Alk übertreiben

Ein Dreier so ganz ohne hochprozentige soziale Schmiermittel ist so gut wie unmöglich. Aber was ist schlimmer als ein One-Night-Stand mit einem Besoffenen? Richtig, ein One-Night-Stand mit zwei Besoffenen. Vor allem, wenn sie dazu tendieren, sich im Rausch zu streiten.

Klärt vorher ab, was geht und was nicht

Klar ist es heiß, darüber zu fantasieren, dass da jemand Fremdes in der gemeinsam gekauften Bettwäsche liegt. Aber kommt ihr auch im echten Leben damit klar, das Gesicht eures Partners zwischen fremden Beinen zu sehen? Und was tut ihr, wenn nicht? "Es ist wichtig, für Paare vorher darüber reden, was ihre Grenzen sind", sagt Pastötter. "Ist Penetration in Ordnung? Wie verhütet man?" Keine Fremde will sich plötzlich nackt inmitten eines Pärchendramas wiederfinden und die Taschentücher neben dem Bett nicht zur Spermabeseitigung verwenden, sondern um geflossene Tränen abzuwischen.

Apropos Verhütung

Sollte eigentlich klar sein, ist es aber überraschend oft nicht: Nie dasselbe Spielzeug in unterschiedliche Menschen stecken, Kondome zwischen Partnerinnen wechseln. Und diese sollten besser gut sein: Stellt euch mal vor, ihr müsst einem Kind erklären, dass es bei einer Orgie entstanden ist.

Überlegt euch vorher, ob die Dreier-Fantasie vielleicht lieber doch eine Fantasie bleiben soll

Sex zwischen zwei Menschen ist kompliziert. Fügt man noch einen dritten hinzu, wird es zu einem Meisterwerk der Koordination: organisatorisch (drei Menschen müssen gleichzeitig Bock auf Sex haben und in der Nähe eines Bettes sein), logistisch (zwölf Extremitäten, vier Brüste, drei Zungen müssen miteinander abgestimmt werden werden) und emotional.

"Beziehungen zwischen drei Menschen sind natürlich eine größere Herausforderung als solche zwischen nur zwei Menschen", sagt Patrick vom Threeway Dating Club. "Dreier sind kein Sex, der einfach so passiert", sagt auch Pastötter. "Vor allem die Männer bekommen weiche Knie. Sie haben ja schon bei einer Frau Angst davor, nicht zu genügen, oder keinen hochzubekommen." Dreier sind immer eine Herausforderung. Sie können super sein. Aber überlegt euch, ob euch all die Mühe für ein paar Extrahände und Extragenitalien wert ist.

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