Björn Höcke und seine Freunde fordern jetzt Artenschutz für Deutsche

Mein rechter, rechter Platz ist frei ... Mit wem der rechte AfD-Flügel heute in Hessen zusammenkommt, sollte nicht nur den Verfassungsschutz interessieren.

|
Mai 27 2016, 7:16am

Geht ihm am Arsch vorbei: Die Herkules-Statue in Kassel | Foto: James Steakley | Wikimedia | CC BY-SA 3.0

Um Björn Höcke ist es ein bisschen still geworden. Vielleicht waren seine Äußerungen über den naturgemäß fortpflanzungsfreudigen Afrikaner dann selbst der AfD etwas zu offen als Rassismus erkennbar, vielleicht gab es internen Streit—fest steht jedenfalls: Wenn die AfD auf Bundesebene darüber diskutieren will, welche Art von Flüchtlingen man an der Grenze erschießen darf und wie genau man den Islam am besten verbietet, dann machen das meistens Frauke Petry, Beatrix von Storch und manchmal Alexander Gauland.

Höcke, der eine Zeit lang fast auf Augenhöhe mit Petry zu stehen schien, konzentriert sich im Moment eher auf Regionalpolitik. Aber wer einmal gehört hat, mit welcher Begeisterung der ehemalige Geschichtslehrer sich in seine Reden von "tausend Jahren Deutschland" hineinsteigern kann, der wird nicht glauben können, dass Höcke auf dem Niveau bleiben will.

Tatsächlich arbeitet der thüringische AfD-Landeschef fleißig an seiner Rolle als Galionsfigur des rechten Flügels seiner Partei—und stärkt dafür auch seine Allianzen mit den schillerndsten Figuren des neurechten Lagers, Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer.

Dabei soll auch ein neuer Verein mit dem schönen Namen "Herkules-Verein" helfen, bei dessen erster öffentlichen Veranstaltung in einem hessischen Ort namens Friedlos Höcke heute den Hauptredner geben wird. Was genau das Thema seines Vortrags sein wird, ist den zahlreichen stolzen Ankündigungen nicht zu entnehmen, aber interessanter als der Vortrag ist vielleicht sowieso der Rahmen: Der "Herkules-Kreis" versteht sich nämlich offenbar als eine Art Forum, in dem sich AfD-Mitglieder ganz zwanglos mit "politisch Interessierten des freiheitlich-konservativen Milieus" austauschen sollen—im Zweifel Leute, die wahrscheinlich noch rechter unterwegs sind als sie selbst. "Ohne die Fesseln der Parteiraison", heißt es auf der Veranstaltungsseite. "Und unabhängig von tagespolitischen oder parteitaktischen Erwägungen wollen wir ein Forum für geistige Freiheit schaffen, die wir so dringend brauchen, um die relevanten Zukunftsfragen unseres Landes beantworten zu können."

Aber wer steckt hinter der Gruppe mit dem starken Namen? Zum einen der rechte AfD-Verband "Der Flügel", dem auch Höcke selbst angehört. Zum anderen aber auch eine Gruppe mit dem Namen "Ein Prozent". In einem auf blicknachrechts zitierten internen Schreiben heißt es zu dieser Gruppe: "'Ein Prozent' versteht sich dagegen als Bürgerbewegung zum Wohle unseres Landes—konkret, vor Ort, für jeden". Aha, eine Bürgerbewegung, aber was für eine?

Tatsächlich heißt die Bewegung mit vollem Namen "Ein Prozent für unser Land", und es handelt sich dabei um eine Art NGO, die Ende letzten Jahres unter anderem von dem rechten Publizisten Götz Kubitschek und dem Querfront-Verschwörungspublizisten und Herausgeber des Compact-Magazins Jürgen Elsässer gegründet wurde.

Und nur, falls ihr findet, dass es jetzt nach "Herkules-Kreis", "Der Flügel" und "Ein Prozent" langsam reicht mit ausgedachten Clubnamen: Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Offenbar macht neurechten "Denkern" wenig so viel Spaß, wie sich bedeutungsschwangere Namen für immer neue Vereine auszudenken, die dann alle bedeutungsschwangere Bündnisse miteinander eingehen.

Dieses neue Bündnis namens "Ein Prozent" jedenfalls wurde ins Leben gerufen, um der "Auflösung der Rechtsordnung und der Staatlichkeit unseres Landes" entgegenzutreten, die durch die "Flüchtlingsinvasion" ausgelöst wurde—durch eine "wirkmächtige Gegenbewegung". Es geht dabei also ausschließlich um die Asylpolitik, die die Initiatoren für "eine Katastrophe für Deutschland und Europa" halten. Besonders schön erklärt Jürgen Elsässer das in einem Video: Das ganze soll so etwas wie ein "Greenpeace für Deutschland" werden. "Was Greenpeace gemacht hat, alle an der Ökologie Interessierten zusammenzubringen ..., das macht Ein Prozent für die patriotischen Kräfte, für alle, die sich gegen den Asylwahnsinn wehren."

Das Schlagwort vom "Greenpeace für Deutsche" hat sich eigentlich Götz Kubitschek auf einer Compact-Konferenz ausgedacht, aber Elsässer gefällt es offenbar sehr gut. (Uns gefällt es auch, weil es eigenartige Assoziationen von Deutschen als dicke weiße Wale hervorruft, die sich hilflos an Stränden herumwälzen oder von skrupellosen Japanern mit Harpunen gejagt werden.)

Die Wahl des Namens "Ein Prozent" soll übrigens bedeuten, dass die Initiatoren glauben, dass sie Deutschland schon verändern können, wenn ihnen nur ein Prozent aller Deutschen nachfolgt. Das wären immerhin 800.000 Menschen, haben sie ausgerechnet—mehr als die SPD, das echte Greenpeace oder der Verein Bayern München hat. "Ein Prozent für Deutschland? Machbar!", heißt es auf der Seite. "Laßt uns beginnen—kreativ, finanzstark und so groß, daß wir nicht mehr ignoriert werden können!"

Die Formel vom einen Prozent hat allerdings eine etwas durchmischte Tradition: Zum einen bezeichnen sich kriminelle Rocker gerne als "Einprozenter", um ihre Gewaltbereitschaft zu signalisieren. Und zum anderen steht das in der Sprache der Occupy-Bewegung auch für das eine Prozent der Menschen, die sich fast den gesamten Wohlstand der Gesellschaft teilen—zum Nachteil der 99 Prozent, denen sie natürlich nichts abgeben wollen. Unklar, ob die Köpfe der neuen Initiative das wussten, aber zumindest dem die Elite liebenden Kubitschek würde man zutrauen, dass er sich gerne bewusst zu dem einen Prozent zählt.

"Ein Prozent" soll also eine übergreifende Vernetzungsplattform werden, in der sich Asylkritiker deutschlandweit organisieren können. Gleichzeitig liefert das Projekt auch das ideologisches Futter, um regionale, teils auch sehr kleine Initiativen zu stärken. Zum Beispiel das Altenburger "Bürgerforum", in dem sich nicht nur mehrere bekannte Neonazis engagieren, sondern dessen Sprecher sogar offener NPD-Sympathisant ist. Überhaupt scheint niemand bei "Ein Prozent" ein Problem damit zu haben, dass bei den unterstützten Initiativen neben besorgten Bürgern auch regelmäßig rechte Hooligans, NPD-Anhänger, Identitäre, bekannte Neonazis und ehemalige NSU-Unterstützer mitmischen.

Andererseits haben Kubitschek und Elsässer schon oft genug bewiesen, dass sie so gut wie gar keine Berührungsängste nach Rechtsaußen haben. Im Verein mit diesen und anderen feinen Herren will Björn Höcke jetzt also "ein Forum für geistige Freiheit schaffen", in dem interessierte AfDler sich gedanklich mal so richtig austoben können. Heute Friedlos in Osthessen, morgen vielleicht schon im Bundestag! Immerhin geht es um den Arterhalt.


Mehr VICE
VICE-Kanäle