Aaaaahh, Zombies!

Bruce LaBruce ist die Mutter von Queercore und hat schon Zines rausgebracht, als du noch ein Funkeln im Auge deines Vaters warst. Er ist grade zurück aus L.A. wo er einen schwulen Zombie Porno gemacht hat und jetzt arbeitet er an einem Theaterstück über Hysterie. Ist also ziemlich beschäftigt der Mann. Wir haben uns mit ihm getroffen um mit ihm über Kopftattoos und Doris Lessing zu reden.

Vice: Das hier ist unsere neue Ausgabe. Die Goat Demon Issue. Es geht diesmal hauptsächlich um die dunkle Seite.

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Bruce LaBruce: Oh schade, da hätte L.A. Zombie gut reingepasst. Andererseits ist es eher ein positiver Film. Es geht nämlich um einen außerirdischen Zombie, der auf die Erde kommt und Tote zurück ins Leben fickt.

Ah, ok. Und dann werden sie zu Zombies?

Nein, sie sind einfach wieder am Leben. Er gibt Leben, anstatt es zu nehmen. Er ist kein traditioneller Zombie. Eigentlich ist er auch obdachlos. Es ist eigentlich das Sequel zu dem letzten Film, den ich gemacht habe. Aber es ist viel mehr Porno. So sollte der andere eigentlich auch werden, aber dann hatte ich ein großes Budget und irgendwie ist dann ein Independent Kunstfilm draus geworden.

Weißt du, warum Francois Sagat, der Typ, der den Zombie spielt, das mit seinen Haaren gemacht hat?

Warum weiß ich auch nicht. Er hat mal gesagt, dass er es bereut hat, aber jetzt ist es sein Markenzeichen geworden. Wenn du in L.A. oder in Paris mit ihm über die Straße läuft, erkennen ihn die Leute auf der Straße sofort. Und er wollte auch, dass es im Film auf jeden Fall rauskommt. Er ist so identifizierbar. Er schafft es zwischen Kunst, Mode und Porno fließend hin und her zu wechseln.

Denkst du, dass es im Moment in der Welt und in der Kunst in Richtung Abgrund geht?

Ja, total. Aber hat wahrscheinlich auch was mit dieser ganzen 2012 Geschichte zu tun. Der Film, und das alles. Dann gibt es ja auch die Geschichte mit der globalen Erwärmung und die Umwelt.

Siehst du dich als Kommentator?

Ja, auf jeden Fall. In Otto ging es ja schon darum, dass Leute entweder so entfremdet sind, oder so abgestumpft durch Technologie…

Also eine Kritik am Konsum?

Ja, das waren Zombies ja schon immer, Romero hat damit angefangen. Und jetzt sprechen sie ja schon von Zombie Gebäuden diese alten Gebäude, die leer stehen, wegen der Krise.

Es ist krass, dass wir im Westen solange von der Globalisierung profitiert haben und jetzt alles bergab geht.

Naja, es ist ja die klassische Kritik am Kapitalismus.

Ja, aber niemand hat wirklich gedacht, dass es passiert.

Marcuse hat gesagt, dass der Kapitalismus Technologien und Kriegsmaschinen produziert, für die man dann wiederum einen künstlichen Bedarf schüren muss. Die Produzenten müssen ja irgendwie die Produktion und vor allem den Preis dieser Produkte rechtfertigen. Und dann werden diese ganzen Technologien produziert, die sich selbst irgendwann überflüssig machen und dann muss wieder was Neues gekauft werden. Und nicht nur, dass du ständig dazu gebracht wirst zu kaufen sondern man wird von den wichtigen Sachen abgelenkt, egal ob es dein tägliches Leben ist, oder deine Beziehungen.

Es ist ein bisschen wie in 1984, da muss ja auch ständig Krieg sein, damit das System weiter funktioniert.

Es gibt immer irgendjemanden, der gefährlich sein soll. Im Moment ist es der Iran, Nord Korea ist auch immer dabei. Und niemand wehrt sich dagegen. Aber das liegt auch an der Polizei, die ja mittlerweile paramilitärisch geworden ist. Jede Form von Protest wird sofort verhindert und die Medien interessiert es eigentlich auch nicht.

Denkst du, dass Facebook und dieses ganze Zeugs da helfen?

Ein Freund von mir, Leif Harmsen, ist komplett dagegen, er sagt, dass Facebook und das alles, zu dieser laissez-faire Einstellung beitragen. Man denkt, da gäbe es gütige, riesige Institutionen, die deine Sozialkontakte organisieren. Aber eigentlich zensieren sie dich, dann sammeln sie all deine persönlichen Informationen, die sie dann an Firmen verkaufen, damit die dich dann mit Werbung zuschütten können, die genau auf dich abgestimmt ist. Aber irgendwie kann man auch nichts dagegen machen. Oder ich wüsste jedenfalls nichts. McDonalds hatte vor ein paar Jahren eine Kampagne „Widerstand ist zwecklos.”

Ich habe gelesen, dass sie ihr Logo ändern möchten. Der Hintergrund wird jetzt grün.

Um zu betonen wie gesund sie sind. Und dafür haben sie vermutlich hunderte von Millionen Dollar ausgegeben. Aber diese Social Netzworks sind einfach abstoßend, vor ein paar Jahren hatte ich einen Otto Trailer online, und der hatte 60.000 Hits und er wurde einfach so, ohne irgendeine Nachricht gelöscht. Es gab keine Erklärung, und man konnte sich auch nicht beschweren. Es wird einfach so gemacht. Es ist ein faschistisches System. Man muss versuchen es als Werkzeug zu nutzen, weil es leider das einzige ist, das existiert.

Gegenüber von unserem Büro wurde diese Woche ein besetztes Haus geräumt. Angeblich will der Besitzer so eine Art Mehrgenerationenhaus daraus machen, aber ein paar andere Leute sagen, dass ein Joop Laden eröffnet werden soll.

Vielleicht macht er es mit seiner Tochter zusammen, dann ist es ja auch ein Mehrgenerationenhaus. Aber das wollen diese Konzerne ja auch erreichen. Sie wollen so politisch korrekt wie möglich erscheinen.

Bist du immer noch ein Punk?

Eigentlich schon seit 20 Jahren nicht mehr, die Szene ist nicht mehr effektiv. Ich habe mich nie mit einer festen Gruppe von Leuten assoziiert. Ich war immer eher allein. Ich wollte eben irgendwann ein Künstler sein. Aber ich stehe der Kunstwelt sehr kritisch gegenüber. Man muss sich so oft entscheiden. Bei Pornos ist es genauso. Früher waren Pornos in die Kunstszene integriert, zusammen mit Kunstfilmen. Heute hat sich das Ganze getrennt und es ist nicht mehr wirklich interessant.

Ok, hast du dir jemals überlegt etwas Kommerzielleres zu machen?

Naja, ich hatte eigentlich keine Wahl. Wenn du einmal Pornos gemacht hast, kannst du nur bis zu einem bestimmten Punkt aufsteigen. Es gibt Leute, die unheimlich erfolgreich wurden mit Pornos, und trotzdem dürfen sie nie ganz oben mitspielen.

Aber hast du richtige Pornos gemacht?

Am Anfang hab ich sowas gemacht wie explizite Kunstfilme. Naja und dann habe ich aber auch richtige Pornos gemacht. Skin Flick zum Beispiel.

Ah ok, mit Slava Mogutin.

Genau. Davon gab es zwei Versionen. Eine als Kunstfilm und die andere wurde als richtiger Porno vermarktet. Sowas ähnliches will ich auch mit L.A. Zombie machen. Mir sind die Sexszenen jedesmal ein bisschen peinlich. Es ist meiner Meinung aber die letzte Möglichkeit schwul und radikal zu sein.

Denkst du, dass man noch woanders subversive Sachen machen kann? in der Literatur zum Beispiel?

Literatur? Moderne? Also ich kann eigentlich fast nicht mehr lesen. Ich bin ein Opfer der modernen Technologie. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Gestern Abend habe ich zum ersten mal seit Ewigkeiten wieder gelesen. Ein Buch das ich als Kind mochte. Das Goldene Notizbuch.

Ah von Lessing.

Ja, ich benutze es als Inspiration für das Theaterstück. Es wurde 1957 geschrieben, aber es ist immer noch so aktuell. Sie hat dann später Science Fiction gemacht.

Sie ist ja auch irgendwann ziemlich religiös geworden.

Ja, sie hat eigentlich als Kommunistin angefangen.

Kennst du Dennis Cooper, den hatten wir auch mal im Magazin?

Ja, von ihm habe ich ziemlich viel gelesen.

Ich habe gesehen, dass ein Stück von ihm hier gespielt wird. Jerk. Das ist so ein Monolog mit Puppen. Er macht jetzt aber was Neues mit Stephen O’Mailey von Sunn O))).

Oh, der Name ist ein Symbol. Wie modern. Man weiß also nicht, wie man es ausspricht, das ist wie bei SSION die heute vor The Gossip spielen.

Kannst du eigentlich Deutsch?

Nein, kein Wort. Abe ich kann auch kein Spanisch und mein Mann ist aus Kuba.

Bad Breast hat am 10.12. Premiere und L.A. Zombie wird am 30.01. bei Peres Pojects gezeigt.

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