Chinga Whatever – Ein Gespräch mit der bezaubernden Ines Estrada

Ines Estrada ist ein niedliches, 18 Jahre altes Mädchen, das in Mexico City lebt und ohne triftigen Grund ziemlich europäisch aussieht. Sie macht Comics, die ihr ziemlich ähnlich sind. Sie sind tollpatschig, hübsch und machen Spaß anzusehen. Wir haben euch gerade erst einen davon gezeigt. Sie erzählt den ganzen Tag, dass sie wie ein „Boom“ lebt, weil sie mit ihrem niedlichen Akzent des Wort Penner so ausspricht. Wenn sie lacht, klingt das ungefähr nach, „ha hrah hrah har!“, und ihr Englisch ist nicht nur beim Sprechen ziemlich gebrochen, sondern auch wenn sie etwas tippt. Sie ist eine Quelle der Kreativität und macht eine ganze Menge hübscher Zeichnungen, Bilder, animierter GIFs, Stofftiere, Aufkleber und Ohrringe. Sie ist pleite und glücklich und macht abgefahrenen Scheiß.

Vice: Du bist Mexikanerin mit blauen Augen und heller Haut, was ist denn da passiert?
Ines: ich weiß nicht. Jeder fragt mich das und alle denken, ich bin Ausländerin. Einmal war im anthropologischen Museum freier Eintritt für Mexikaner und sie wollten mich nicht reinlassen und mein Freund Emanuel hat mir auch nicht gerade geholfen, als er meinte, „Glaubt ihr bloß nicht, ich weiß, dass sie aus Belgien kommt.“ Ich musste ihnen meinen Pass zeigen. Meine Großeltern kommen aus unterschiedlichen Orten hier in der Nähe, Tlacotalpan, Campeche, Mexico City… Also denke ich, dass ich irgendwie altes spanisches Blut in mir haben muss oder so was.

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Mein Chefredakteur denkt, dass du aussiehst wie die alten Kinder in Akira. Was sagst du dazu?
Haaaa, das ist so coooooool. Ich will ein Riesenspielzeug sein, vor dem die Leute Angst haben, gruhugrh.


Wie ist Mexiko so?
Es ist wie ein riesiger, widerlich stinkender Pudding mit einer Menge bunter Streusel. Überall gibt es Straßenmärkte, Menschenmassen und Armutsviertel direkt gegenüber von gigantischen Bonzenvillen. Es ist schrecklich und schön zugleich. Alle sind faul und wir machen die ganze Zeit Party!!! Und essen leckere Sachen.


Was hältst du von Speedy Gonzalez?
Er ist ziemlich bescheuert. Slowpoke Rodriguez wusste, was Sache ist.


Erzähl mir von deinem Ausflug nach New York neulich.
Es war echt nett und immer, wenn ich in den Staaten bin, denke ich, dass ich in einem riesigen Freizeitpark gelandet bin, weil alles so geregelt und sauber ist. Alle, die etwas mit Essen arbeiten, sind Mexikaner, aber als ich etwas auf Spanisch zu ihnen gesagt habe, haben sie mir auf Englisch geantwortet und so getan, als würden sie keinen Mucks verstehen. Das war komisch, ich glaube sie fanden es doof, dass ich dort als Touristin unterwegs war, während sie sich in einem beschissenen Job den Arsch aufreißen müssen… Die ganze Zeit!!! Und leckere Sachen essen.

Ich habe außerdem eine kleine, niedliche Frau mit Flüsterstimme kennen gelernt, die Lauren Albert hieß und diesen haarigen Kerl namens Nick Gazin, mit dem ich Sachen gemalt habe und getanzt habe. Und wir haben ein Buch gemacht, das du dir hier ankucken kannst.

Es war cool mit anderen Leuten abzuhängen und zu malen, hier in Mexiko kann ich das nur mit meinem Freund machen.


Wenn du New York schon sauber findest, solltest du mal Deutschland sehen. Da ist es so sauber, dass du dich wie in Disneyland fühlen würdest.
…Fragst du mich denn gar nichts zu meinen Zeichnungen?


Gut! Erzähl mir was über deine Zeichnungen!
Ich zeichne die ganze Zeit mit allem, was mir in die Finger kommt und wenn ich nichts habe, dann laufe ich herum und suche nach lustigen Formen in den Dingen. Momentan stehe ich total auf Bücher drucken und Zines machen… und Aufkleber auf meine Zeichnungen zu kleben!


Was gefällt dir so an Katzen? Du malst ständig Katzen. Du hast sogar Katzen über meine Zeichnungen drüber gemalt. Ich stehe irgendwie gar nicht auf Katzen. Ich finde sie eklig.

Aawhhhhhh, ich liebe Katzen! Ich liebe Tiere im Allgemeinen. Immer, wenn ich an einem Hund oder einer Katze vorbeikomme, bin ich total hin und weg und schmelze vor dummer Begeisterung vor mich hin. Ich stehe echt total auf sie, obwohl ich mir niemals eine anschaffen würde. Ein Haustier zu haben ist so, als hättest du ein pelziges kleines Kind, das nie erwachsen wird und du musst immer seine Scheiße und seine Haare überall wegmachen. Statt mir eine zuzulegen, male ich sie lieber!


Wann verlässt du deinen Freund Roi für mich?
In absehbarer Zeit jedenfalls nicht.


Vielleicht sollen wir ihn zusammen aus dem Weg räumen und die Belohnung dann zwischen uns beiden fair aufteilen?

Gute Idee! Roi und ich sollten das stattdessen lieber mit dir machen.


Du bist so niedlich und alles, was du machst, ist auch niedlich. Meinst du, dass Mexiko das mit die anstellt? Du hast gesagt, dass Mexiko die ganze Zeit nach Scheiße, gebratenem Fleisch, Menschen und Benzin riecht. Ist Mexiko voller niedlicher Sachen oder flüchtest du dich nur in eine niedliche Welt?
Hehehe. Du denkst ich mache niedliche Sachen… Ich glaube es liegt an beidem. Ich zeichne Sachen, die ich jeden Tag sehe und Sachen, die ich in meinen Träumen sehe.

Ich würde gerne in einem Loch im Boden leben, umgeben von Schnee und nachts soll man die Sterne sehen können und nur ein paar Menschen oder lieber, gar keine Menschen. Eine arktische Höhle, um die leckere südamerikanische Früchte wachsen und die von innen mit Oaxaca-Decken ausgelegt ist und in der Chiapan-Wolltiere herumspringen, die sprechen.


Was hat es mit den Stofftieren auf sich, die du ständig machst?
Sie sind unsere Bastarde. Roi näht sie und wir stopfen sie zusammen aus und bemalen sie. Wir haben unheimlich viel Spaß daran und genauso wenn wir abhängen, um nach den richtigen Stoffen, Knöpfen und dem ganzen anderen Scheiß zu suchen, den wir brauchen, um sie zu nähen. Wir haben gerade erst diese bunten, großen Nummern gekauft, die man aufbügeln kann und ich kann es gar nicht mehr abwarten, sie auszuprobieren!

Das ist der Comic, den wir gestern featuren wollten, aber dann doch nicht gebracht haben.

Schaut euch hier ihren Blog auf ihrer offiziellen Homepage an.

NICK GAZIN

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