Für meinen letzten Tag bei Dee war ursprünglich geplant, zu einem Dungeon im Stadtzentrum zu fahren, den sie manchmal anmietet, um einen Polizisten windelweich zu prügeln. Allerdings ist der Dungeon wegen eines nächtlichen Schneesturms geschlossen, sodass Dee die Sitzung in ihr Haus verlegt. Ich bin etwas enttäuscht, weil ich mich auf eine Sitzung in einem echten BDSM-Dungeon mit Folterbänken, Krankenzimmern und dergleichen gefreut hatte.
Als ich in Dees Wohnung ankomme, sitzt dort ein etwa 30-jähriger Typ in Windeln auf dem Boden, der an einem Schnuller nuckelt und weint (oder so tut als ob). Dee stellt ihn mir als ihren unartigen kleinen Jungen vor und warnt mich, dass er gleich böse den Hintern versohlt bekommt. Ich zucke mit den Schultern—von mir aus—und lege ich mich auf Dees Bett und lese meine E-Mails, während sie ihn wiederholt mit einem Holzpaddel züchtigt. Kurz darauf geht er, worauf Dee mir einen Leder-BH und einen dazu passenden Rock zuwirft und sagt: „Zieh das hier an. Der Cop kommt gleich und du arbeitest heute.“ Ich schlucke hörbar.
„Es ist völlig in Ordnung, nervös zu sein“, beruhigt sie mich, während sie in Hotpants aus Elastan schlüpft. „Vor meiner ersten Sitzung hatte ich auch total Schiss. Aber glaub mir, du wirst dich wundern, wie schnell dich das alles kalt lässt. Ich war am Anfang als Domse in einem Dungeon in Uptown. So fangen die meisten Mädels an. Zuerst musste ich eine Desensibilisierungsphase durchmachen. Weißt du, wie lange die gedauert hat? Drei Tage! Du hattest jetzt drei Tage, also zieh dir schon den verdammten BH an.“
Es ist kein Wunder, dass Dee so erfolgreich ist—sie hat eine instinktive sexuelle Macht. Seltsamerweise schafft sie es, komplett dominant und dabei zu 100 Prozent feminin zu sein. Und ich schätze, dass diese beiden Eigenschaften leider sehr selten Hand in Hand gehen. In diesem Moment bin ich ihr jedenfalls hörig. Ich würde alles tun, was sie will.
„Wir machen jetzt ein sogenanntes ,Beat down‘, erklärt sie aufgeregt. „Kannst du ordentlich zuschlagen?“
„Mach einfach eine Faust und hau zu. Aber nicht ins Gesicht schlagen, konzentriere dich auf den Bauch und Arsch. Wir dürfen keine Spuren hinterlassen, er ist verheiratet.“
„Und fang an, Wasser zu trinken, er kriegt nämlich eine Golden Shower von uns.“
„Oh, äh …“, stottere ich. „Ich weiß nicht … Was ist, wenn ich nicht
„Oh, keine Sorge“, sie zuckt mit den Schultern, „ich pinkel zuerst und wenn du das hörst, musst du bestimmt auch pinkeln.“ Ich nicke und sie wirft mir eine Flasche Evian zu. Und während ich dort mit weichen Knien stehe und das Wasser runterstürze, wird mir plötzlich klar, dass ich keine Angst vor dem Pinkeln und Prügeln usw. habe. Wovor ich wirklich Angst habe, ist, sie zu enttäuschen.
Ach, nur ein Sklave, der Wichse aus einem Napf schleckt. Nix besonderes. Als der Cop auftaucht, habe ich vor lauter Nervosität schon so viel Wasser getrunken, dass ich das Gefühl habe, mir gleich in die Hose zu machen. Er ist ungefähr 40 und hat einen roten Kopf, der direkt auf seinen breiten Schultern zu sitzen scheint. Der Kerl ist riesengroß. Sobald er durch die Tür gegangen ist, fängt Dee an, ihm die Klamotten vom Leib zu reißen und ihn gleichzeitig zu schlagen. Erst stehe ich wie angewachsen da, aber als Dee mir einen Blick zuwirft, der zu sagen scheint: „Äh, hallo, hilf mit!“, fange ich auch an ihn zu schlagen. Wir reißen seine Hose herunter und ich halte ihm die Arme hinter dem Rücken fest, während Dee ihm mit einer Schere die Unterwäsche zerschneidet. Er fährt total drauf ab. Zwischen den Schlägen schreit er übertrieben dramatisch: „Oh Gott, helft mir!“ und „Diese Frauen misshandeln mich!“ Ich fühle mich, als würde ich in einem echt miesen Porno mitspielen. Das ist ziemlich cool.
Nach ungefähr 15 Minuten ununterbrochener Prügel befiehlt Dee dem Sklaven, ins Badezimmer zu gehen. Erstaunlicherweise bin ich eher erleichtert als nervös. Wir quetschen uns zu dritt in die Dusche—der Sklave legt sich auf den Rücken, Dee grätscht über sein Gesicht und ich hocke über seinem Bauch. Ich ziehe meine Unterhose zur Seite und pinkel sofort los, worauf Dee mit leuchtenden Augen zu mir hoch sieht—sie ist beeindruckt. Sie ist wirklich unglaublich hübsch, wie eine nuttigere Version von Audrey aus
Twin Peaks. Ich verspüre plötzlich den Drang, sie zu küssen, aber dann wird mir klar, dass immer noch Pisse aus mir rausläuft, was ein spontanes Rummachen etwas seltsam oder unprofessionell erscheinen lassen könnte.
Konzentrier dich, denke ich. Kurz darauf beginnt auch Dee zu pinkeln, und als der Sklave mit unserer Pisse gurgelt, geben wir uns einen heimlichen High Five. Ich bin stolz.
Der Rest der Sitzung ist verschwommen. Ich habe solche Adrenalinschübe, dass ich immer erst weiß, was ich getan habe, wenn es schon vorbei ist. Der Sklave beschäftigt sich damit, wie ein Hund zu bellen und zu hecheln und mit seinem unsichtbaren Schwanz zu wedeln. Wenn er brav ist, füttern wir ihn mit Hundekeksen. Wenn er unartig ist, muss er an unseren Strap-ons lutschen. Für das Finale spritzt er in einen Hundenapf ab, den er dann sauber leckt (natürlich).
Während sich der Cop anzieht, kommentiert er scherzhaft, wie er jetzt die zerrissenen Klamotten vor seiner Frau verstecken müsse. Sie würde nie ahnen, was er hier täte und dächte, dass er gerade „Schnee schaufelt“. Dee nickt nur lächelnd und lässt ihn reden. Während er Dampf ablässt und in so einer Art kathartischer Explosion losplappert, wird mir plötzlich klar, wie unglaublich wichtig Dee diesen ganzen Leuten ist. Sie ist nicht nur bloß eine heiße Mieze, die dafür bezahlt wird, dass sie Leute herumkommandiert; sie ist ihre einzige Zuflucht. Sie sieht sie, wenn sie am verletzbarsten sind, sie weiß Dinge über sie, die ihre Frauen, Mitarbeiter und Freunde nie wissen werden, nie wissen
dürften. Sie brauchen Dee dringend. Es ist, als ob sie Gott wäre oder so. Jedenfalls wenn Gott eine Latexmieze wäre.
„Hat’s dir gefallen?“, fragt sie, als wir wieder alleine sind.
„Ja“, lächle ich, „es hat mich nicht wirklich angetörnt. Ich war einfach, keine Ahnung,
high, schätze ich.“
„Ich weiß, was du meinst“, sagt sie und zieht ihre normalen Klamotten an—Jeans und T-Shirt. „Ich finde es auch nicht sexuell erregend. Es ist eher eine mentale Erregung—eine Erregung des Egos. Ich stehe drauf, Männer zu erniedrigen.“
Sie greift mit jeder Hand eine Brust und knetet sie. „Es ist
besser als ein verdammter Orgasmus. Weibliche Überlegenheit vom Feinsten.“
„Ja …“, sage ich und starre auf die Hundekekse in meiner Hand, „ich würde es am liebsten gleich noch mal machen. Aber ich schätze, dass ich in meinem Inneren noch ein bisschen, keine Ahnung, Schiss habe. Aber auf eine gute Art.“
„Die Sache ist, dass ich mein Leben lang die Dominante in Beziehungen war—das Alphaweibchen. Also war es nur ein kleiner Schritt zur Domina. Und ja, ich hatte auch erst Schiss, aber dann dachte ich: ,Scheiß drauf, habe schon gruseligere Sachen für umsonst gemacht!‘ Im Grunde finde ich, dass jeder das tun sollte, was er am Besten kann—und ich kann das hier am Besten. Und du auch“, sagt sie und legt mir die Hand aufs Knie, „du bist ein Naturtalent.“ Und für den Bruchteil einer Sekunde liebe ich sie.
Kleines Domina-ABC:
BDSM
setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe
Bondage & Discipline (B&D),
Dominance & Submission (D&S) und
Sadism & Masochism (S&M) zusammen und beschreibt die Praxis einvernehmlicher erotischer Machtspiele.
DOMINA, DOMME ODER DOMINATRIX
eine dominante Frau, die bei sadomasochistischen sexuellen Aktivitäten die sadistische Rolle einnimmt. Wird auch als Herrin oder Mistress bezeichnet.
PRODOMME
eine Domina, die im Gegensatz zur Femdom oder Domse Geld damit verdient, ihre Klienten zu dominieren SUB
eine Person, die sich freiwillig in die Position des Machtlosen begibt und eine andere Person ihn oder sie kontrollieren lässt.
SISSY
ein männlicher Sub, der sich verweiblichen lässt, indem er zum Beispiel Frauenkleidung tragen muss usw.
CASH PIG
ein Geldsklave; jemand, der seiner oder ihrer Domme als Zeichen finanzieller Unterwürfigkeit Geld überreicht.
KEUSCHHALTUNG
das Verbot jeglicher sexueller Aktivität des Sklaven durch eine Domina, zum Beispiel mit Hilfe eines Keuschheitsgürtels um den Penis des Subs.
SKLAVE
ein Sub, der einer Domina freiwillig auf unbestimmte Zeit dient.
LIFESTYLE-SKLAVE
ein Sklave, der seiner Domina auf Wunsch zu Diensten steht, aber nicht dafür bezahlt. Ein Livestyle-Sklave kann von seiner Domina zu allem Möglichen herangezogen werden—von einer Fußmassage bis hin zum Installieren der Klimaanlage oder der Erledigung von nervigem Papierkram, wie zum Beispiel der Steuererklärung.
GOLDEN SHOWER ODER NATURSEKT
jemanden bepinkeln. (Nicht auf die BDSM-Szene beschränkt.)