AfD-Mitglieder wechseln zu den Republikanern, weil ihnen die AfD zu rechts ist

Doch die Republikaner sind bei Neu-Mitgliedern wählerisch: "Wir prüfen jeden Einzelnen genau. Wir wollen uns ja keine skurrilen Gestalten reinholen."

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31 Juli 2018, 12:07pm

Foto: imago | Allover

Es wird ja immer noch darüber gestritten, ob die AfD nun rechtsextrem, rechtspopulistisch oder einfach nur rechts der Mitte ist. Vielleicht wissen ja die Menschen im Saarland eine Antwort. Dort sollen in den vergangenen Wochen mehrere Mitglieder der AfD zu der rechten Splitterpartei "Die Republikaner" gewechselt sein. Darüber berichtete zuerst die Saarbrücker Zeitung. Der Vize-Bundesvorsitzende der Republikaner, André Maniera, sagte VICE, "sieben oder acht" Ex-AfDler hätten sich ihnen angeschlossen, genau kann er es nicht sagen. Einer der von Maniera angegeben Gründe dürfte vielen die Kinnlade runterfallen lassen. Die AfD sei "in manchen Positionen zu weit nach rechts abgedriftet". Die Republikaner, die jahrelang wie die NPD vom Verfassungsschutz beobachten wurden, scheinen für sie noch links der AfD zu liegen.


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Welche Positionen das genau sind, bei denen die AfD die Republikaner rechts überholt hat, will Maniera nicht im einzelnen ausführen, nennt aber Beispiele für einen seiner Meinung nach allzu schrillen Ton: "Wenn Gauland sagt, dass die Menschen in Deutschland einen Boateng nicht als Nachbar haben wollen, frage ich mich schon: 'Haben wir keine anderen Probleme?'" Auch die Aussagen des thüringischen Scharfmachers Bernd Höcke zum Holocaust-Mahnmal in Berlin, das Höcke als "Denkmal der Schande" bezeichnet hatte, findet Maniera "zu polemisch". Überdies hält er die rechte Konkurrenz von der AfD für "manchmal schwer zu verorten". Seine neuen Parteifreunde haben zuvor auch unter der "mangelnden innerparteiliche Mitbestimmung" innerhalb der AfD gelitten.

Die frischen Kameraden lassen die wandelnde politische Leiche "Republikaner" wieder aufleben. Anders als die AfD ist die Partei in keinem einzigen deutschen oder europäischen Parlament vertreten. Bei der vergangenen Landtagswahl in Baden-Württemberg im Jahr 2016 verloren die Reps mit 0,3 % ihren letzten Anspruch auf staatliche Parteienfinanzierung. Auf der Website der Partei ist nicht einmal ein direkter Kontakt zum Landesverband Saarland zu finden, als wäre die Partei ein Fake-Account bei Facebook. Als einzige Veranstaltung der gesamten Partei ist dort eine Kundgebung gegen Europa in Göttingen aufgelistet. Traurige Tage sind das für die Anhänger und Anhängerinnen einer Partei, deren Vorsitzender den unerschrockenen Namen Kevin Krieger trägt.

Die Partei beschreibt sich heute auf ihrer eigenen Website so: "Wir sind freiheitlich-konservative Patrioten, die sich für den Erhalt unserer Kultur und Identität einsetzen. […] Während die regierenden Altparteien den Rest der Welt retten wollen, sehen wir uns der eigenen Bevölkerung gegenüber verpflichtet." Zumindest in ihrer Außendarstellung unterscheidet sie sich damit kaum von der AfD oder anderen rechten Parteien.

Dabei zieht sich die Ablösung der Altparteien im Fall der Republikaner schon etwas länger hin. 1989 schockierten sie Deutschland, als sie ins Berliner Abgeordnetenhaus einzogen. 1992 erzielten sie in Baden-Württemberg sogar 10,9 Prozent der Stimmen. In Artikeln aus den 90er Jahren ist zu lesen, dass "die Republikaner nunmehr fest im demokratischen Parteienspektrum verankert sind". Auf die Mandatszahlen der heutigen AfD kamen die Republikaner allerdings nie, bei Bundestagswahlen erreichten sie nie mehr als 2,1 Prozent.

Dennoch erfolgten laut Partei-Vize Maniera derzeit in ganz Deutschland Wechsel von der AfD zu rechten Konkurrenz, auch wenn er erneut keine genauen Zahlen anbieten kann. Im Saarland, traditionell einer der kleinsten Landesverbände, würden die Reps jetzt aber insgesamt 60 statt zuvor nur 20 Mitglieder verzeichnen. Außer den den AfD-Leuten sollen also noch andere neue Rechte hinzugekommen sein. Es gebe dazu weitere Anträge Interessierter.

Trotzdem macht Maniera klar, dass bei den Republikanern nicht einfach jeder ankommen könne, auch nicht jeder von der AfD: "Wir prüfen jeden Einzelnen genau. Wir wollen uns ja keine skurrilen Gestalten reinholen."

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