Interviews

„Sace Sace RMX“—Juicy Gay und Lgoony machen den ersten Rap-Sommerhit 2016

Juicy Gay und Lgoony sind pünktlich zur Sonne mit einem „Sace Sace RMX“ zurück—Timo Milbredt hat erneut das Video dazu gedreht und mit uns über Rap, ästhetische Freiheit und die Arbeit mit Freunden gesprochen.

von Tristan Heming
06 Mai 2016, 11:59am

Timo Milbredt macht Musikvideos für deine Lieblings-Swag-Rapper (und deine Lieblings-Köln-Rapper). Beim Dreh zum ersten „Juicy Gay X LGoony-Track“ beschlossen wir daher, zur Premiere ein Interview zu machen, damit du erfährst, wer dieser neue Typ ist, der dir in Zukunft sicher noch häufiger begegnen wird. Wir treffen uns offiziell um 15 Uhr in einem Café in Essen—leider hat Timo aber verschlafen und kommt erst um fünf Uhr. Nicht so schlimm, in Cafés lässt es sich meist ganz gut aushalten. Ein Gespräch über Rap, Videos, ästhetische Freiheit und die Arbeit mit Freunden.

Noisey: Du machst Musikvideos. Wie hat das alles angefangen?
Timo Milbredt: Ich hatte nach dem Abi keine Ahnung, was ich studieren soll und habe dann durch Zufall Grafikdesign studiert. Eigentlich nur, damit das mit dem Kindergeld weiterläuft. Hab mich dann in allen Bereichen ausprobiert, da kann man ja alles machen: Grafik, Video, Foto, was weiß ich. Ich fand Video und Foto schon am Coolsten. Dann kam’s dazu, dass Gold Roger sich beim MoT [Moment of Truth, Online-Battle-Turnier vom splash! Mag] angemeldet hat und wir ab dem zweiten Video alles zusammen gemacht und das Ding 2014 gewonnen haben. Er ist quasi ein Jugendfreund. Dann sind wir eben aufm Splash aufgetreten und Melting Pot Music mit Olski [Chef von Melting Pot Music] kam auf uns zu. Da haben wir dann die anderen Kölner, Veedel Kaztro und so, kennengelernt. Als er Crack Ignaz gesignt hat, fing es an, in diese Swagrichtung zu gehen. Es war schnell klar, dass ich in die Richtung zukünftig mehr machen will.


Timo Milbredt

Es war auch ein nicer epischer Rap-Tag, als wir Ignaz und LGoony gleichzeitig zum ersten Mal getroffen haben. Ich bin mit Gold Roger nach Köln gefahren, weil wir das Ned Gescheid-Video mit Ignaz drehen wollten. Wir haben uns in Köln getroffen, haben angefangen zu drehen und kamen auf die Idee, dass wir das ganze Video einfach besoffen machen wollen, weil wir halt eh schon gesoffen hatten. Dann sind wir zu diesem REWE gegangen und haben drei oder vier Flaschen Gin gekauft und einfach vor dem Laden gedreht. Das ist auch total nice geworden weil es so völlig random ist. Wenn du die Leute kennst, kannst du sowas halt machen, wenn du ne professionelle Produktion hättest ginge das niemals.

Da hab ich direkt voll gecheckt, dass die auch denken wie ich und einfach nice Dudes sind.

Wie hat sich denn dein Schaffen von diesem ersten Swagrap-Video vor einem Jahr dahin entwickelt, wo du jetzt bist?
Durch das Video selbst hat sich weniger entwickelt. Der entscheidendere Punkt war die Sache mit MPM, weil dadurch viele Aufträge reinkamen und viele Connections entstanden sind. Die Sachen mit LGoony und Juicy Gay und so sind auch mehr ein Ding für die Selbstverwirklichung. Das würde ich auch so machen, einfach für lau, und mach ich auch manchmal. Insgesamt kann ich aber meinen Lebensunterhalt davon bestreiten, und das ist total schön.

Was planst du? Wie soll (oder kann) sich das entwickeln?
Ich hab auf jeden Fall die ganze Zeit das Gefühl, dass das grad noch der Anfang ist. Und dass es jetzt noch krass weitergehen wird. Aber ich glaube auch, dass jetzt viele Kopien rauskommen werden von den Leuten, die grade groß sind. Das klingt jetzt wieder so rapmäßig, aber so ist das ja meistens wenn was neues kommt. Wo es aber mit mir hingehen wird: Ich will in Zukunft mehr off-topic Videos machen, also keine Musikvideos. Making Ofs, Blogs oder so; und dann gibt’s halt noch die mysteriöse, ominöse Timo Milbredt Show, die vielleicht irgendwann droppen wird.

Ansonsten will ich vor allem meinen Youtube-Channel viel größer machen. Die Videos bisher kamen fast immer über Splash! Mag oder Juice, aber ich denke es wäre viel schlauer, mehr Videos auf meinem Kanal zu haben. Wär auch geil wenn ich da dann nur Videos hochlade, die ich total feier, um meinen eigenen Musikgeschmack zu verwirklichen. Portfolio plus eigener Geschmack.

Wie planst du denn deine Videos?
Ich mag's am liebsten, wenn es echt spontan ist. Ich kenn ja auch die meisten Leute mit denen ich drehe vorher schon ganz gut oder treffe mich ein, zwei Mal mit denen, um sie kennen zu lernen. Ich mach mir ein paar Notizen und wir überlegen uns drei, vier Locations, damit man nicht komplett planlos ist. Ein paar Gimmicks sind auch wichtig. Kommt aber auch auf den Song an. Bei klassischen Rapsongs geht das. Ich hab ja aber auch schon ein paar Beat-Videos gemacht, für die Betty Ford Boys zum Beispiel, und da brauchst du schon nen Plan. Da gibt’s halt einfach keine Performance-Parts, weil keiner rappt.

Dein Stil ist ja ein ganz anderer als der von Kurt Prödel. Hi-Fi, Full HD, Spiegelreflex-Ästhetik. Gewollte Unschärfe, Griesel-Effekte. Viele rhythmische Schnitte. Was sind ästhetische Mittel, die du bewusst einsetzt?
Was ich fast immer mache ist, auf die Snare zu schneiden. Die ist bei Rap einfach wichtig, und wenn man das anders macht, finde ich es nie so geil. Wichtig ist mir auch, dass die Farben stimmen, das macht das Grund-Ding aus. Wenn die Farben scheiße sind finde ich das Video meistens auch direkt kacke. Ich emulier gerne alte Kodak- und Fuji-Filme von den Farben her. Das sind meine Haupt-Stil-Elemente. Ansonsten einfach machen worauf man gerade Bock hat. Intuition.

Manche Sachen entstehen auch einfach dadurch, dass ich Premiere (Video-Bearbeitungs-Programm von Adobe, Anm.) immer weiter auschecke und neue Funktionen kennen lerne. Und dann setze ich die Sachen intuitiv ein, und Leute finden das auf einmal cool.

Willst du das dauerhaft zum Beruf machen?
Auf jeden. Ich will jetzt erstmal das Studium fertig machen und werde mich dann noch intensiver damit auseinandersetzen, wie das irgendwie Geld abwerfen kann, ohne meinen Arsch zu verkaufen oder alles mit Werbung voll zu ballern. Ich will das auf eine coole Art und Weise machen, die auch zu den Künstlern passt, die ich filme. Das ist alles noch am Anfang.

Was unterscheidet denn deine Arbeit jetzt davon, in einer Agentur zu arbeiten und Auftragsarbeiten auszuführen? Wo siehst du deine Vorteile dadurch?
Einerseits such ich mir die Leute, mit denen ich drehe, größtenteils aus. Ich mach ja auch viel für MPM und Olski hat da auch das Vertrauen, dass wir erstmal irgendwas machen und er das dann immer cool findet und absegnet. Ist halt keiner, der uns irgendwas vorschreiben will. Das ist das Geile, es ist immer mehr wie mit Freunden einen guten Abend zu haben und dabei irgendwas Cooles machen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Kurt Prödel zu „Wie kann man sich nur so hart gönnen“?
Wir haben schon länger gesagt, dass wir auf jeden Fall mal zusammen was machen wollen. Das kam dann ganz spontan, und ich hab vor allem gemerkt, dass ich gerne andere coole Leuten finden möchte, die das selbe machen. Man kann das alleine machen, aber es ist schon stressig. Gleichzeitig Kamera zu machen, Anweisungen zu geben und so weiter. Es ist ja nicht ohne Grund so, dass es sonst immer Filmteams sind und nicht einer alleine. Deswegen klappt’s auch nur, wenn man die Leute gut kennt und die einem vertrauen.

Kurt war halt mehr einfach dabei und hat sich ein bisschen eingebracht. Das war auf keinen Fall das erste offizielle „Timo Milbredt X Kurt Prödel“-Video, aber das wird auf jeden Fall noch kommen.

Eine kurze Abschlussfrage: Du hast ab und zu selber kurze Cameo-Auftritte in deinen Videos. Machst du das bewusst, und willst du das fortsetzen?
Das ist eine kleine Hommage an Hitchcock, weil ich Fan bin. Er fing ja damals an, weil sie zu wenige Schauspieler und Statisten hatten, selber in seinen Filmen mitzuspielen. Viele Leute haben dann später auch den ganzen Film nur darauf gewartet, wann und wo er auftaucht. Ich will das auch ein bisschen einstreuen in meine Videos. Ich hab’s nicht ganz konsequent durchgesetzt, aber für die Zukunft will ich das auf jeden Fall öfter machen. Timo Milbredt starring Timo Milbredt.