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Willenloses Sexting

Beziehungen sind eine komplizierte Angelegenheit. Manchmal tun wir Dinge für unsere Partner, auf die wir eigentlich keine Lust haben – sei es der Abwasch, Shoppen von Schuhen oder Motorradzubehör und eben auch mal Sex. Es gibt eine Menge Studien zu dem Thema „unerwünschte, aber einvernehmliche” sexuelle Aktivität. Ein verstörend weites Forschungsfeld, das sich jetzt auch dem Sexting gewidmet hat.

Forscher aus Indiana und Purdue haben herausgefunden, dass eine Menge Leute mit ihren Partnern intime Fotos austauschen, nicht weil sie das so toll finden, sondern weil sie sich verpflichtet fühlen. In einer Umfrage unter 155 Sextern im Studentenalter, die alle in einer festen Beziehung sind, gaben 52,3 Prozent an, sich zumindest einmal dazu verpflichtet fühlten zu sexten. Laut der Studie die meisten mitgemacht, “um zu flirten, fürs Vorspiel oder um auf die Bedürfnisse des Partners einzugehen”.

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Die Studie umfasste 93 Frauen und 62 Männer, wobei erstere häufiger unerwünschte als einvernehmliche „Sexts” sendeten. Die Forscher vermuteten als möglichen Grund hierfür Geschlechternormen, da es für Männer vielleicht nicht so eine große Sache sei, wie für Frauen, die eher nach konservativen Normen trainiert seien.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass „unsichere Bindungen stark zur Häufigkeit von Sexting bei Frauen beitragen”. Manchmal reicht es als Grund aber auch nur, wenn man einem Streit aus dem Weg gehen will. Ein Dreieck von Sexting-Emotionen erklärt diese Wahrscheinlichkeit:

Das Prinzip von unerwünschter, aber doch einvernehmlicher sexueller Aktivität wurde bereits ausreichend dokumentiert. Es ist also nicht verwunderlich, dass dies auch beim Sexting geschieht. Aufsehenerregend ist aber, wie weit verbreitet das Phänomen ist. Eine Umfrage aus dem Jahr 1997 unter 80 weiblichen und 80 männlichen Studenten ergab, dass insgesamt 38 Prozent über einen Zeitraum von zwei Wochen unerwünschtem Sex zustimmten, während ein Bericht aus dem Jahr 1994 hervorhob, dass „55 Prozent amerikanischer Frauen und 35 Prozent amerikanischer Männer einvernehmlichen aber unerwünschten Sex hatten.”

Die jüngste Studie, die in Computers in Human Behavior veröffentlich wurde, stellte fest, dass die Befragten mit höherer Angst ihren Partner zu verlieren, eher zum Sexting neigten. Einige gaben aber auch an, dass sie aus reiner Langeweile mitmachen. Diese Befunde werden durch frühere Forschungsarbeiten gestützt.

Der emotionale Aspekt der Studie bietet interessante Einblicke darin, wie menschliche Beziehungen funktionieren und zeigt, warum unerwünschter aber einvernehmlicher Sex ein wichtiges Thema der Forschung ist. Wie eine Studie aus dem Jahr 2004 belegt, wird das Ganze häufig von einer Mischung aus ängstlichem und vermeidendem Verhalten angeheizt, was unter anderem von geringem Selbstwertgefühl kommen kann. All dies sind wesentliche Aspekte emotionaler und sexueller Gesundheit.

Diese aktuelle Untersuchung ist auch deshalb interessant, weil sie die Sexting Gewohnheiten von Erwachsenen analysiert, was nicht besonders häufig vorkommt. Das ebenfalls wichtige Thema Sexting unter Jugendlichen ist dagegen schon häufig beschrieben worden, aber die Frage wie weit das Phänomen in Beziehungen von Erwachsenen vorgedrungen ist, wurde bisher kaum beleuchtet. Und das trotz der regelmäßigen Politkerskandale und den Bedenken bezüglich der Privatsphäre. Auch wenn die neuste Studie nicht auf die quantitative Verbreitung von Sexting eingeeht, so zeigt sie dennoch, dass das Zusammenspiel von Sex und die emotionalen Aspekte unserer Beziehung bis hinein in die digitalen Schlüpfrigkeiten und Intimbilder wirkt.

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