Wir glauben, Alexandra Citrin möchte insgeheim eine junge, geile Hausfrau der oberen oberen Mittelklasse mit unwahrscheinlichem Sexappeal sein. Aber das ist OK, denn anstatt einen langweiligen Artikel darüber zu schreiben, hat sie diese großartige stilanalytische Filmkritik verfasst.
Shining handelt von zwei Dingen: Jack Nicholson, der dazu gebracht wird, seine Familie umbringen zu wollen und Kord. Aber ich bin hier, um mich auf Kord zu konzentrieren und auf die sehr heiße Shelly Duvall.
Auf den ersten Blick sollte Duvalls Garderobe wohl zum Nachdenken anregen. Frühstück bei Tiffany’s ist es jedenfalls nicht. Zum Glück, denn ich möchte ernsthaft Flaschen auf den Köpfen der Menschen zerschlagen, die diesen Film als Modeinspiration sehen. Aber Shining ist ein Kubrick-Film, sodass ich gaube, die Aussage treffen zu können, dass alles in diesem Film gründlich durchdacht ist.
Der unbeabsichtigte Nebeneffekt dieser so sorgfältig angelegten Nachlässigkeit ist, dass Duval es durchzieht. Da sie nur knapp über 40 Kilo gewogen hat, lassen sie auch die vielen Schichten Kleidung nicht wie ein Festwagen aussehen. Mehr noch, was sie eigentlich farblos aussehen lassen sollte, minimalistisches Make-Up und Haarstyling in den späten, kosmetisch überbordenden 70ern, ergab den Anschein einer frischen, attraktiven Frau. Außerdem sollten wir nicht vergessen, wie Wendy es geschafft hat, dem jungen Jack in einer Art 45-schichtigen Unterwäschelage und einem Flannelmantel davonzulaufen. Unten findet ihr Wendys Schlüsseloutfits aus Shining.
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DAS FRÜHSTÜCKSOUTFIT
Dies ist eines der besten. Es ist die perfekte Mischung aus Vogelscheuche und Attraktivität, die goldene Mitte. Ich habe Stunden meines Lebens damit verschwendet, zu versuchen, den Naive-junge-Mutter-Look, den Duvall in dieser Szene draufhat, hinzubekommen. Sie trägt eine Schürze über roter langer Unterwäsche. Ihre Haut ist rosig und sie hat einen zotteligen Haarschnitt, der wie mit Messern geschnitten aussieht und so seine Schatten vorauswirft. Schön, nicht wahr? Es ist allgemein bekannt, dass Wendy nicht, auch nicht im unkonventionellen Sinne, als sexy rüberkommen sollte—all diese Schichten sollen sie quasi erdrücken. Ein hartes Stück Arbeit, wenn man bedenkt, dass ich die junge Shelly Duvall ziemlich heiß finde, aber meine Meinung zu diesem Thema ist natürlich durch persönliche Vorurteile und eine gesunde Dosis Stutenneid auf solch gelenkige, knochige Wesen verzerrt. Mode handelt vielleicht davon, glänzende, enge und überteuerte Teilchen zu kaufen, um gevögelt zu werden. Stil hingegeb bedeutet meiner Meinung nacht, so respektlos wie möglich zu sein und sich auch dementsprechend zu kleiden, aber trotzdem noch jemanden ins Bett zu bekommen, ganz egal, wie bescheuert man aussieht. Was ich sagen will, bei diesem Outfit ist die Grenze in Sachen Sexappeal ziemlich verschwommen. Egal, ich würde mir von ihr eine Kippe schnorren und mir eine Schüssel Cornflakes geben lassen, und ist das nicht eigentlich alles was zählt? Ich glaube sie reicht nach frischem Gras und Desinfektionsmittel.
DER VORRATSRAUM
Ich muss sagen, dass einfach alle in dieser Szene großartig aussehen, aber leider kann ich mich nicht wirklich eingehend mit Männermode beschäftigen— es ist wie mit Pornos, ich kann es nicht genau festmachen, aber ich spüre es, sobald ich es sehe. So, weiter: BRAUN. Schaut euch dieses ganze Braun an! Wendy legt eine sehr taktvolle Beherrschung des gesamten Schokoladenregenbogens an den Tag. Auch wenn sie keine Haut unter diesem rollkragenartigen Gewand zeigt, sie sieht dennoch ziemlich scharf aus. Das könnt ihr auch! Vergesst einfach nicht, den Blazer eng und den Rock etwas weiter zu tragen. Dies sieht in erster Linie wegen der Proportionen gut aus und es bringt auch nichts, den viel zu großen Blazer, den ihr von eurem vermeintlichen Freund geliehen habt, anzuziehen. Das könnt ihr vergessen. Jeder weiß doch, dass ihr den selber gekauft habt. Das Leben ist kein Quelle-Katalog, es sei denn ihr seid eine drittklassige Modebloggerin, in dem Fall: sorry. Nein. Es gibt eigentlich nur zwei Orte, wo man heutzutage einen anständigen mädchenhaft geschnittenen Blazer bekommt, und zwar entweder in einem Laden für Frauen nach den Wechseljahren oder aber in der Kinderabteilung bei Bloomingdales.
IN DER HALLE
Wenn ich wüsste, wo es genau diese Jacke gibt, würde ich es euch sagen. Ihr müsst diese Jacke selbst herstellen, so wie ich es getan habe, wenn ihr den Look wirklich durchziehen wollt. Der Nachteil an dieser Großartigkeit ist, dass das Wendy kitschigstes Outfit ist. Aber es ist aus einem herausragenden Grund so wundervoll: Kein Make-Up. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Make-Up und versuche so zu wirken, als ob ich schlafe, Gemüse esse und nicht rauche. Aber mal ernsthaft, es kann Stunden dauern, so auszusehen, als sei man nicht geschminkt. Ich erachte das als ein generelles Lebensmotto, das in Shining einfach perfekt umgesetzt wird. Also, hört auf meine Worte: Unmengen an Make-Up zu tragen, macht jede Lässigkeit und Eleganz zunichte. Deswegen sieht Wendy in ihrer geschmacklosen Jacke so schick aus und ihr wie Landeier in der Großstadt. Echt. Das unterscheidet euch von ihr. Verdammt, wascht euch die Gesichter.
VERÄNGSTIGTE WENDY
Wenn das Frühstücksoutfit mein persönlicher Favorit ist, dann gibt dieser Look Wendys Charakter am besten wider. Mutig widersetzt sie sich dem Rat, keine hellen Schichten zu tragen, setzt alles auf eine Karte und kleidet sich in Flannel und in meinem geliebten Cord. Apropos Cord, es dauerte ewig, um ein angemessenes Cordkleid im Internet aufzustöbern. Man hat mir gesagt, dass dieses spezielle Kleidungsstück in den Siebzigern unerlässlich für amerikanische Frauen in den wohlhabenden Gegenden der Ostküste war. Aber, um uns auch alle mal ein wenig aufzuheitern, grüner Baumwollstoff über einen Rollkragenpullover ebenso. Sicher, es ist ein wenig bescheuert, aber diese vielen Schichten ergeben doch irgendwo Sinn, wie ein Heuballen oder eine Essensskulptur von Claes Oldenburg —ja, ich bin nicht dumm!—etwas Weiches, was dennoch genug physische Masse besitzt, um dauerhaft zu wirken. Wie ich schon sagte, vollkommen Wendy eben.
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