Die beklopptesten Stellen aus dem bekloppten "Hitler-Interview" der Bild

"Hitler trägt kurze Hose"!

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Okt. 8 2018, 10:07am

Foto: VICE Media

Endlich, endlich, endlich, die Bild hat es geschafft. Der größte Traum des deutschen Journalismus, für sie ist er in Erfüllung gegangen: Die Bild hat Hitler interviewt.

DIE BILD HAT HITLER INTERVIEWT!

Also, nicht wirklich. Adolf Hitler haben sie nämlich doch nicht interviewt, denn dessen Tod hat auch die Bild widerwillig zur Kenntnis genommen. Stattdessen fanden sie einen US-Amerikaner, der ein Nachkomme von Hitlers Halbneffen ist, aber nicht mal mehr Hitler heißt, weil sein Vater den Namen schon vor seiner Geburt geändert hatte. Und eigentlich haben sie ihn auch nicht interviewt, sondern ihm einfach wahllos Fragen durch das Fliegengitter vor seiner Tür zugerufen.

Weil der Bild-Reporter Timo Lokoschat aber nun so weit geflogen war, um mit Hitler zu reden, hat die Zeitung das "Interview" mit dem Mann, der nicht Hitler heißt, trotzdem veröffentlicht.

Das Ergebnis ist einer der bizarrsten Texte, die je in der deutschen Sprache verfasst wurden – und das will etwas heißen bei der Zeitung, die auch Franz-Josef Wagner abdruckt. Die Highlights:

"Hitler trägt kurze Hose"

Zunächst dröselt der Autor die verworrene Familiengeschichte der Hitlers auf. Ergebnis: In den USA leben noch drei Söhne des Halbneffen von Hitler – und die Bild hat herausgefunden, wo. Nun muss man wissen, dass keiner der drei Brüder je irgendeinem Medium ein Interview gegeben hat – möglicherweise einfach aus dem Grund, dass sie absolut gar nichts zu ihrem Halbgroßonkel, den sie nie getroffen haben, zu sagen haben. Und vielleicht auch, weil sie einfach ihre Ruhe haben wollen.


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Was dem Bild-Reporter Lokoschat natürlich völlig egal ist. Zuerst fährt er deshalb zum Haus der beiden jüngeren Brüder und klingelt an der Tür. Weil ihm niemand aufmacht, schaut er sich ausführlich auf dem Grundstück um und beschreibt, was er hört und sieht: die Klingel-Melodie (einfach). Ein Hund in der Nachbarschaft (bellt). Der Baum im Garten (ein knorriger Amberbaum). Lokoschat entgeht nichts.

Und dann, nach dem zweiten Klingeln, öffnet sich endlich die Tür. Es erscheint ein 50-jähriger Mann in kurzer Hose. "Hitler trägt kurze Hose", meldet der Reporter sofort, auch wenn der Mann eben nicht Hitler heißt und nicht Hitler ist. Sonst bleibt dem Bild-Journalisten aber auch kaum etwas zu melden, denn der Mann schlägt ihm mit einem "Sorry" die Tür vor der Nase zu – und schaltet dann von innen die Rasensprenger ein. "Alle acht", bemerkt der Reporter, "das Signal ist klar." Lokoschat tritt den Rückzug an, spricht erfolglos ein paar Nachbarn an und zieht dann weiter – zum nächsten Hitler.

"Herr Hitler fährt Hyundai"

Der dritte Bruder, Alexander, lebt nur 45 Minuten entfernt. Weil er aber gerade nicht zu Hause ist, wird auch sein Grundstück erstmal einer gründlichen Bestandsaufnahme unterzogen: "Der Rasen ist verwilderter als bei seinen Brüdern", notiert der Reporter. "Gepflegt sind dafür die vielen Topfpflanzen, die hier stehen. Fleißiges Lieschen, Bartnelken, Eisbegonien, Funkien. Die amerikanischen Hitlers haben einen grünen Daumen."

Gut zu wissen.

Während der Reporter ein bisschen vor dem Haus rumlungert und auch hier wehrlose Nachbarn anquatscht, kommt der Besitzer dann doch nach Hause – "Herr Hitler fährt Hyundai", berichtet Lokoschat. Und macht sich auf, das "exklusive" Interview zu führen.

"Hitler – ein Merkel-Fan!"

Das klappt zunächst nicht so gut, weil auch dieser Bruder zwar die Tür aufmacht, aber genauso wenig Bock auf ein Interview hat. Der Journalist muss sich was einfallen lassen – und reagiert blitzschnell: Er fragt ihn nach seiner Meinung zu deutscher Politik. Zack, Querschläger, aus der Fassung gebracht! Alexander ist überrumpelt – und erlaubt dem Reporter schließlich, ihm durch das Fliegengitter ein paar Fragen zu stellen.

Lokoschat schießt los. Was er von Angela Merkel halte? Mag er. "Alexander Hitler – ein Merkel-Fan!" Und ihre Rolle in der Flüchtlingskrise? "Alexander Hitler, der mit zweitem Namen Adolf heißt, nimmt einen Schluck Kaffee und blickt in die Ferne." Lokoschat nutzt die Zeit, um dem Mann genau ins Gesicht zu schauen und eine Ähnlichkeit zu Bruno Ganz zu erkennen.

Wir erfahren dann noch, dass Alexander Trump nicht leiden kann ("Ich mag einfach keine Lügner"), und dann – Ende! Der Artikel bricht in der Mitte ab, weil die Bild so begeistert von dem eigenen Scoop ist, dass sie das Ding gleich in zwei Teile geteilt hat. Im zweiten Teil, also am Dienstag, werden wir erfahren, "wie Alexander Hitler mit dem Fluch des Familiennamens lebt". Außerdem: "das Drama um seinen Bruder".

Hat Hitler das verdient?

Das Bekloppte an dieser Geschichte ist natürlich, dass die Bild das für eine Geschichte hält. Wen soll interessieren, was die Nachkommen von Hitlers Halbneffen aus den USA über deutsche Politik zu sagen haben? Sind sie genetisch dazu prädestiniert, besonders tiefe Einblicke in die deutsche Seele zu haben? Oder ging es den Bild-Leuten doch nur darum, sich den Traum eines Interviews mit Hitler zu erfüllen?

Offensichtlich. Anders lässt sich gar nicht rechtfertigen, was Lokoschat da abgezogen hat. Vor allem die ersten beiden Brüder hatten offensichtlich keinen Bock auf ihn – oder darauf, in ihrer Nachbarschaft als die Hitler-Boys bekannt zu werden. Trotzdem hat die Bild Fotos von ihrem Haus veröffentlicht.

Dem dritten Bruder, der den Fehler gemacht hat, mit Lokoschat zu reden, hat die Zeitung sogar noch übler mitgespielt: Sie haben ein Foto von ihm veröffentlicht, das offensichtlich heimlich und ohne dessen Einverständnis geschossen wurde.

Aber so kann's gehen. Egal, wie deutlich du machst, dass du einfach nur in Ruhe gelassen werden und nichts mit deinem unsäglichen Halb-Vorfahren zu tun haben willst – die Bild scheißt drauf. Genauso, wie sie auch drauf scheißt, dass du nicht "Hitler" heißt und auch nie "Hitler" geheißen hast – sie wird dich einfach "Hitler" nennen.

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