Sex

So frei und ungezügelt sind die Berliner Nächte

Der Fotograf Jesús Pastor war sieben Jahre lang bei den wildesten Partys der Stadt dabei. Wir zeigen exklusiv seine Bilder einer hungrigen Stadt.

von Thomas Vorreyer
03 August 2017, 11:02am

Alle Fotos: Jesús Pastor

"Wir sind alle wilde Wölfe, unsere Seelen brauchen was zum Fressen." Wenn Jesús Pastor über seine Fotomodels spricht, dann wird schnell klar, dass er ihnen nicht nur mit seiner Kamera zu Leibe rückt. Die "Stämme der Stadt, die Tiere der Nacht", wie er sie nennt, haben den Spanier vor sieben Jahren aufgenommen – und seitdem nicht mehr freigegeben.

Auf seinen Fotos sind Fesselspiele und Kuchenorgien zu sehen, Schmutz und Koks, Clubgestalten mit majestätischen Kopfpanzern und lebendigen Alpakas. "In Berlin sind die Leute nachts wirklich wach: Sie wollen Sachen und sie brauchen die auch", sagt Jesús. Die Stadt sei für ihn absolut frei und wild. Es gebe immer weniger Tabus, überall in Berlin könne man die Freiheit riechen. Und je tiefer er eintaucht, je mehr er dokumentiert, desto mehr verstehe er sich dabei selbst.

Den Anfang machte 2010 ein Auftrag beim Filmfestival Berlinale, später durfte Jesús auch da fotografieren, wo ansonsten strenges Fotoverbot herrscht. Er war auf der "House of Red Doors" von Bad Bruises in der Wilden Renate unterwegs, auf den Partys der Modeblogger von Dandy Diary, in der King Size Bar, im Tausend, Prinzipal, Flamingo und in der Arena. An manche spontanen Privatpartys könnte er sich ohne die Fotos gar nicht mehr erinnern, sagt er.


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Ein Partyfotograf ist Jesús aber nicht: Manchmal macht er Modeshootings, hauptsächlich arbeitet er aber dokumentarisch. Zahlreiche Preise gab es dafür. Als er mal einen Totengräber porträtierte, verbrachte er sieben Monate lang jeden Tag mit ihm. Die Berliner Nächte hingegen sind voller Leben: "Hunger, der richtige Moment und die richtigen Leute – das macht eine gute Party aus." Er selbst gierig mittendrin, wird nass, bespritzt; fällt einmal beinahe auf die junge Frau, die sich lustvoll von ihrem Freund und dessen Kumpel begrapschen lässt. Immer sendet er allen Porträtierten die Fotos später zu.

In den sieben Jahren hat Jesús einige Veränderungen miterlebt, Clubs schlossen, andere machten neu auf. Die Serie "Wild Wolves", aus der VICE nun nachfolgend exklusive Auszüge zeigt, ist eine Dokumentation dieser Zeit, "dieser besonderen Art zu leben und zu denken", wie Jesús es beschreibt.

Seinem Lieblingsort, der King Size Bar, trauert er allerdings bis heute nach. Wer das echte Berliner Nachtleben kennenlernen wollte, habe es hier gefunden. Dessen Hochzeit ist für ihn noch lange nicht vorbei: "Wilder kann es eigentlich nicht mehr werden, aber du kannst nie wissen, was der Generation nach dir einfallen wird."

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