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Die Evolution des Dr. Dre

Dr. Dre ist eine der wichtigsten Figuren der Musikgeschichte, verantwortlich für die Karrieren von Snoop, Eminem und 50 Cent und ein paar der besten Rapsongs aller Zeiten.
8.11.13

llustration by Dan Evans

Andre Young, besser bekannt als Dr. Dre, veränderte HipHop für immer. Er ist einer der Urgroßväter des Gangsta-Raps und legte als Teil von N.W.A. den Grundstein für G-Fuck an der Westküste. Dre ist nicht nur einer der wichtigsten HipHop-Produzenten der Musikgeschichte, sondern auch Schöpfer und Vorantreiber der Karrieren von Snoop, Eminem und 50 Cent gewesen.

Weil er als Solo-Künstler eine Unmenge verschiedenster Entwicklungen im HipHop-Geschäft mitmachte, reicht seine Diskografie von Rap über R’n’B bis hin zu Filmmusik. Selbst das anhaltende Interesse an seinem berüchtigten, verspäteten Album Detox ist Beweis genug für den Respekt, der Dres Karriere über die letzten zwei Jahrzehnte gebührt.

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Es folgt eine chronologische Auflistung der wichtigsten Meilensteine aus Dr. Dres Karriere.

WORLD CLASS WRECKIN' CRU

Andre (ganz links im Bild, ich weiß!) erhielt seinen Namen „Dr. Dre“ nach einem Dj-Set im The Eve After Dark, einem Club in Los Angeles, als er sich selbst den „Master of Mixology“ nannte. Inspiriert durch den damals allgegenwärtigen Einfluss von Grandmaster Flash wurde die World Class Wrecklin’ Cru schnell zu den Stars des frühen 80er Jahre Elektro-Hop der Westküste. Der Track „Surgery“ kann als Ode an Dres DJ-Künste gesehen werden und verkaufte sich in seiner Heimatstadt Compton mehr als 50.000 Mal. Auch wenn die Band nur mäßigen Erfolg erreichte, Dre befreite sich spätestens zu dem Zeitpunkt aus den Zwängen des DJ-Daseins, als er einen Rapper namens O’Shea „Ice Cube“ Jackson traf.

N.W.A. UND DIE GEBURT VON GANGSTA-RAP

Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass das Album Straight Outta Compton von N.W.A. die komplette HipHop-Landschaft gravierend veränderte. 1986 tat sich Dre mir Ice Cube zusammen, der damals schon bis zum Hals in der aufkommenden Rap-Szene der Westcoast steckte. Die beiden begannen mit Eric „Eazy-E“ Wright unter dessen hauseigenen Label Ruthless Records zusammenzuarbeiten, einem Drogendealer aus Compton, der Dre schon einmal aus dem Gefängnis geholt hatte. Dres erste Produktion „Boyz in the Hood“ verkaufte sich gut und machte ihn schnell zu einer lokalen Berühmtheit in L.A.

Zusammen bildete das Trio den Kern von Niggaz With Attitude. Später kamen dann Arabien Prince, DJ Yella und Mc Ren dazu. Das ziemlich derbe Debütalbum Straight Outta Compton empörte einige Behörden, schockierte die komplette Musikpresse und begeisterte HipHop-Fans mit einer vulgären Ausdrucksweise, die ihres gleichen suchte und Tracks gegen das System wie „Straight Outta Compton“, „Fuck Tha Police“ und „Gangsta Gangsta“. Trotz der Bemühungen, das Album fern vom Mainstream zu halten, brachte es ungeahnten Erfolg ein und verkaufte sich über 500.000 Mal in nur zwei Monaten—und das ohne Radio- oder TV-Werbung. Außerdem reichte das FBI der Band eine Abmahnung aufgrund der Lyrics von „Fuck Tha Police“ ein.

Das Album von N.W.A. wurde zwar einerseits wegen der Thematisierung von Verbrechen unter Schwarzen kritisiert und zum anderen aber von den Fans und Kritikern für die unerbittliche Ehrlichkeit bezüglich der Gangs an der Westküste gelobt. Aber unter all den aussagekräftigen Tracks auf der LP, war es der Track „Express Yourself“, auf dem Dre sowohl die Produktion als auch die Texte übernahm und Charles Wright & the Watts 103rd Street Rhythm Bands Song mit dem gleichen Titel sampelte, der die Bedeutung der Meinungsfreiheit in den Vordergrund stellte und—erstaunlicherweise—keinerlei Kraftausdrücke enthielt.

Im Jahr 1990 verließ Cube die Gruppe nicht wirklich im Guten und obwohl N.W.A. weiter Musik machte, klang die Begeisterung der Kritiker nach und nach ab. 1991 schrieben sie allerdings noch einmal mit EFIL4ZAGGIN, ihrem zweiten Studioalbum, Geschichte. Allerdings führte Dres schwindendes Interesse an N.W.A. dazu, dass er und Eazy irgendwann getrennte Wege gingen.

DEATH ROW RECORDS UND SNOOP DOGG

Dre trennte sich von N.W.A. und Ruthless, um zusammen mit Marion „Suge Knight“ Death Row Records ins Leben zu rufen. Im Jahr 1992 veröffentlichte Death Row eine erste Single. Es war Dres „Deep Cover“, das den Namen eines Films trug. Dre machte den Track zusammen mit einem Rapper, der zu dieser Zeit größere Bekanntheit durch seinen Stiefbruder Warren G und an der Seite von Nate Dogg erlange. Es war niemand Geringeres als Snoop Doggy Dogg.

Obwohl sich jedes Mitglied von 213 als wichtig für Dre erwies, war es Snoop, der eine große Rolle für das Debütalbum spielte, das letztendlich den Grundstein zu Dres Solokarriere legte. 1993 fand man Snoop auf neun Tracks des Albums und sein Markenzeichen, die laissez-faire Interpunktion, hatte eine verheerende Wirkung auf Dres Funk, nicht zuletzt auf Singles wie „Nuthing’ But a ‚G’ Than“, die Leon Haywoods sanftes „I Wanna Do Something Freaky To You“ sampelte.

The Cronic übertraf alle Erwartungen, brachte dreifach Platin ein. Das Album verschaffte Dre seinen ersten Grammy für die beste Rap-Solo-Performance mit „Let Me Ride“. Im Interview mit VIBE erinnert sich Dre daran:

„Bevor ich zu Interscope ging, hatte ich bereits das komplette Album aufgenommen, das Artwork und alles andere gemacht. Ich ging damit zu so gut wie jedem Label. Alle anderen haben mir die Tür vor der Nase zugeschlagen und meinten: ‚Das ist kein HipHop, du benutzt ja Live-Instrumente.’ Das brachte mich dazu die ganze Sache zu überdenken. Ich erinnere mich, dass ich mit Nate Dogg auf meinem Balkon saß und mir meine Aufnahmen angehört habe. Wir waren uns nicht mehr sicher ob der Scheiß jetzt gut oder schlecht ist.“

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Später im selben Jahr veröffentlichte Snoop sein Solo-Debütalbum DoggyStyle, mit Dre in der Produktion. DoggyStyle folgte The Chronic mit über vier Millionen verkauften Exemplaren, Nummer-Eins-Chartplatzierung und der Geburt von Dre-Klassikern wie „Who Am I? (What’s My Name)“ oder „Gin and Juice“.

Dres Erfolg nahm seinen Lauf als er Chefproduzent von Death Row wurde, die Differenzen mit Ice Cube weitgehend beseitigte, um „Natural Born Killaz“ zu produzieren und einen Nummer Eins Hit mit Tupac Shakurs „California Love“ (das eigentlich ein Solo-Track von Dre sein sollte) hatte. Außerdem produzierte er den Soundtrack zu Murder Was the Case, Above the Rim sowie den Titelsong von Friday, „Keep Their Heads Ringing”.

Die Beziehung zu Death Row Mitbegründer Suge Knight stand unter keinem besonders guten Stern mehr und Dre entfernte sich aus dem Getümmel der ansteigenden Spannungen mit der Eastcoast, denn Bad Boy Records hatten begonnen, die Musikszene zu überschatten und Knights dubiose Vorgehensweisen brachte dem Label einen schlechten Ruf ein.

Als Shakur 1996 ermordet wurde, führte das zu einer massenartigen Flucht von Künstlern, die dem Label ihre Rücken kehrten und dem Ende von Death Row Records. Zu dieser Zeit hatte Dre bereits seine Entlassung von Death Row ausgehandelt um Aftermath zu gründen.

DIE FRÜHEN TAGE VON AFTERMATH

Das Album Dr. Dre Presents the Aftermath, das in Kollaboration mit vielen anderen entstand, wurde im November 1996 veröffentlicht und enthielt sowohl Songs von Dr. Dre höchstpersönlich, als auch einer Reihe neuer Künstler, die bei Aftermath unterzeichnet hatten. Das Album fand Zuspruch aber vor allem der herausragende Track „Been There, Done That“ stellte einen sehr reflektierten Dre und stellte eine klare Abkehr des Gangsta-Raps dar.

Dre baute das Label immer weiter aus, stellte Produzent Mel-Man ein, Dawn Robinson, der früher bei En Vogue sang und Eve—später bekannt als „Eve of Destruction". Dre nutzte sein neues Leben bei Aftermath außerdem, um mit dem New Yorker Nas auf „Nas is Coming“ zusammenzuarbeiten. Es war genau diese unerwartete Vereinigung von East- und Westcoast, die zum Label-Projekt The Firm an der Seite von Rapper Foxy Brown führte. Dres scharfsinnige Produktion wurde vor allem auf Tracks wie „Phone Tab“ sehr gelobt, aber wie schon wie Dr. Dre Presents: The Aftermath blieb das Projekt eher hinter den Erwartungen zurück.

Bis dahin enttäuschte Aftermath, was die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens betraf und die Zukunft schien eher ungewiss. Aber 1998 tauchte auf einmal Jimmy Lovine auf der Platte eines jungen Nachwuchsrappers aus Detroit auf. Der Rapper hieß Eminem. Dieser Schritt änderte Dres Karriere schlagartig

EMINEM

Nachdem sie sich kennengelernt hatten, begannen Eminem und Dr. Dre sofort zusammenzuarbeiten und Dre steckte all seine Kräfte in Eminems Major Label-Debüt. 1999 wurde The Slim Shady LP veröffentlicht. Die Reaktionen waren eine Flut aus Kontroversen und Kritikerlob. Der von Dre produzierte Track „My Name Is“ trug das komplette Album. Dank seiner Abkehr von früheren Produktionen, seines unermüdlichen Ehrgeizes und den richtigen Beats, wurde The Slim Shady LP zu einem der außergewöhnlichsten Debüts der HipHop-Geschichte.

Über seine Beziehung zu Em, sagte Dre gegenüber XXL Folgendes:

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„Ich glaube, auch wenn ich Em nicht getroffen hätte oder wir nicht zusammen geendet wären, er hätte so oder so Erfolg gehabt. Weil er einfach so talentiert ist. Ich hatte einfach das Glück ihn als erster zu treffen und ihm einige Türen zu öffnen. Wie weit auch der Rassenkonflikt gehen mag, als ich Em das erste Mal hörte, wusste ich nicht mal, dass er weiß ist. Ich wusste nur, dass ich unbedingt mit ihm arbeiten wollte.“

DRES COMEBACK

Beflügelt durch den Erfolg von Eminem, veröffentlichte Dre sein zweites Solo-Album 2001 zum Ende des Jahres 1999. 2001 markierte nicht nur eine Rückkehr zu G-Funk und The Chronic, sondern sah Dre auch wieder an der Seite von Hittman, Kurupt, Snoop und Nate Dogg, genauso wie den Neuzugängen Em und Xzibit. Die unfassbar kostspielige Leadsingle „Still D.R.E.“ setzte einen Stempel unter die nun viel bessere Zukunft von Aftermath. Dre zeigte eine gerade zu übernatürliche Begabung seine bedrohliche Seite mit einem Revival der dreisten Lyrics seines N.W.A. Stil zu kombinieren. G-Funk war zurück.

„Next Episode“, das David McCallums Song „The Edge“ aus dem Jahr 1967 sampelte, und „Forgot About Dre“ folgten mit ähnlichem Charterfolg und brachten Dr. Dre den Titel Producer of the Year sein. Außerdem waren sie der Einstieg zur hoch gelobten Up in the Smoke Tour.

THE MARSHALL MATHERS LP UND DER WEG IN DIE CHARTS

Dre ruhte sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern setzte seine Arbeit leidenschaftlich fort, indem er sich nach der Veröffentlichung von 2001 erneut auf Produktionen für andere Künstler konzentrierte. Er kehrte zu Em zurück und sie produzierten sein zweites Album The Marshall Mathers LP. „The Real Slim Shady“ gewann erneut einen Grammy und das Album wurde das am schnellsten verkaufte Rap-Album aller Zeiten.

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Dres Siegesritt setzte sich in den frühen 00er Jahren fort, als Sängerin Truth Hurts bei Aftermath unterzeichnete. Es folgte eine lange Liste von Produktionserfolgen wie „Let Me Blow Ya Mind“, „Family Affair“ oder Busta Rhymes „Break Ya Neck“. Außerdem klassische Der Songs wie „Bad Intentions“, eine Single für den Soundtrack zum Film The Wash, in dem Dre mitspielte.

50 CENT UND DETOX

Bevor Kopfhörer seine neue Leidenschaft wurden, spielte er noch einmal den Schöpfer eines großartigen Debütalbums, nämlich dem von Rapper 50 Cent aus Queens. Eminem stellte sie einander vor und der von Dre produzierte Song „ In Da Club“ brachte Kritiken ein, die „My Name Is“ ähnelten und Dre einen großen Schritt vom Sampeln entfernten. Allein die LP Get Rich or Die Tryin’ verkaufte sich über 800.000 Mal in der ersten Woche.

Obwohl das Beats by Dre-Imperium ihn jetzt sehr stark einnimmt, hat es Dr. Dre noch nicht ganz aus der Musikbranche verbannt. 2009 arbeitete er mit Raekwon für Only Built 4 Cuban Linx…Pt. II zusammen und schloss eine enge Freundschaft mit dem neuen Wächter der Westcoast, Black Hippy. Die Frage, die die komplette HipHop-Welt nun bewegt, ist allerdings wann endlich Dres neues Soloalbum Detox erscheinen wird.

Die Pläne dafür gehen bis ins Jahr 2001 zurück. Anfangs war es für 2005 geplant. 2008 behauptete Snoop, dass es fertig wäre. Es würde sich nur etwas verspäten—wegen Dres Arbeit auf Eminems Album Relapse und 50's Before I Self Destruct. Daraufhin wurde das Release bis 2010 aufgeschoben. 2009 beschloss Dre komischerweise einen kleinen Ausschnitt aus Detox in einer Dr. Pepper Werbung zu spielen, in der Eminem sagte, dass mindestens ein Dutzend der Songs fertig wären. Im April 2010 fand „Under Pressure“, das er zusammen mit Jay aufgenommen hatte, eher minderen Anklang. Songs wie „Kush“ mit Snoop und „I Need a Doctor“ mit Eminem lösten weitaus bessere Reaktionen in diesem Jahr aus. „I Need a Doctor“ erreichte sogar Platz vier der Billboard 100.

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Aber es gibt immer noch kein Release für Detox.

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