Verbaler Missbrauch seines Gegenspielers gehört in der Tennis-Welt nicht zu einem alltäglichen Ereignis. Doch wenn es passiert, sorgt es (natürlich) für großen Aufruhr. Bestes Beispiel dafür war der Ausraster des Australiers Nick Kyrgios im Duell gegen den French-Open-Sieger Stan Wawrinka beim derzeitig stattfindenden Rogers Cup in Montreal. „Thanasi Kokkinakis hat deine Freundin gefickt, tut mir leid dir das sagen zu müssen Kumpel”, war die Aussage des 20-Jährigen, die vom Platzmikrofon aufgefangen wurde.

Foto: imago/icon SMI ; Nick Kyrgios
Natürlich hagelte es nach einem solchen Spruch schnell Kritik aus der gesamten Tennis-Welt. „Es gibt im Tennis Dinge, die sich einfach nicht gehören. Das war eines davon”, äußerte sich Olympiasieger Andy Murray über den Vorfall. Auch Novak Djokovic zeigte sich betroffen über den verbalen Angriff des ungestümen Jungstars. „Ich verstehe ja, dass jeder Spieler emotionale Höhen und Tiefen durchmacht, aber dass man seine Wut am Gegner auslässt, dafür gibt es keine Entschuldigung.”
Videos by VICE
Doch genau diese Emotionen zu kontrollieren, fällt vielen der großen Stars nicht so leicht. Wir haben uns einmal die bekanntesten Tennis-Ausraster der letzten Jahre angeschaut und festgestellt, dass auch die Größten nicht davor immun sind, richtig durchzuticken.
Roger Federer hasst seinen Schläger
Es ist wirklich selten, dass ein Roger Federer einmal die Beherrschung verliert, doch im Halbfinale von Miami 2009 ging es gegen Novak Djokovic und was gibt es besser als seinen Schläger zu zerfetzen, wenn es mal nicht so läuft.
Marcos Baghdatis – 4 zertrümmerte Rackets in 25 Sekunden
Wenn wir schon beim Thema Schläger zerfetzen sind, sollte man Marcos Baghdatis vier Schläger in 25 Sekunden nicht auslassen. In seinem Zweitrunden-Match der Australian Open gegen Stanislas Wawrika, (dessen Freundin laut Nick Kyrgios angeblich von Thanasi Kokkinakis gebangt worden sei), kassierte Baghdati im dritten Satz ein frühes Break. Als die Seiten gewechselt wurden, lies er seinen Frust herzlos an seinen vier, sich teilweise noch in der Hülle befindenden Schlägern aus. Doch in diesem Match reichte auch rüde Gewalt nicht. Baghdati verlor das Match und wurde dazu noch zu einer 800 Dollar Strafe verurteilt.
Mikhail Youzhny – Selbsthass
Man selbst ist sein härtester Kritiker. Das gilt auch im Tennis. Im Drittrunden-Match in Miami 2008 zwischen Mikhail Youzhny und Nicolas Almagro war Youzhny so unzufrieden mit seinem Spiel, dass er sich gleich drei Mal mit dem Schläger gegen den Kopf schlug. Und zwar so hart, dass er blutete. Während des Matches wischte er sich zwar das Blut mit einem Handtuch von der Stirn, doch seine Verletzung war so stark, dass er von einem Arzt behandelt werden musste. Und die Schläge scheinen geholfen zu haben. Nach der Verletzungspause schaffte er es tatsächlich, das Match für sich zu entscheiden.
John „beantworte die verdammte Frage, du Penner” McEnroe
Sieben Grand Slam Titel im Einzel kann er sein Eigen nennen. Doch die Tennis-Legende war vor allem bekannt für seine Konfrontationsfreude mit dem Schiedsrichter. Nachdem er auf einem Turnier in Stockholm eine Entscheidung des Umpires infrage stellte und der ihm keine Antwort gab, drehte er durch und schrie ihn an: „Beantworte meine verdammte Frage, du Penner!”. Dieser reagierte jedoch nur bedingt darauf und das Publikum dankte McEnroe mit Buhrufen.
Andy Roddick – Hasstiraden
Andy Roddick ist ein Hitzkopf. Seine Spiele waren geprägt von Emotionalität und Charakter und das bei seinen Ausrastern der Umpire Zielscheibe von Hasstiraden wurde, war keine Seltenheit.
Tennis ist und bleibt ein elitärer Sport, der in einem Umfeld angesiedelt ist, in dem die Zuschauer meist aus der hütetragenden Oberschicht stammen. Doch die Ausraster der Stars dieser Sportart sind auch schon in der Vergangenheit präsent gewesen. Letzten Endes ist es Leistungssport und da kann einem bei Misserfolg auch mal schnell die Hutschnur reißen. Diesen Fakt sollte man bei jeglicher Kritik immer bedenken, denn Erfolgsdruck und der eigene Anspruch eines jeden Spielers kann dazu führen, dass auch dunkle Seiten der Stars zum Vorschein kommen. Doch das ist ok, denn was wäre die Tennis-Welt ohne ihre Charaktäre, die auf höchstem Level ihr Bestes geben.
