Die Krawalle in Tottenham

Wenn du in einer medienfreien Blase lebst, dann kannst du hier rausfinden, warum London mit zerbrochenem Glas übersät ist. Dieser Bericht enthält Fotos, Videos und Anekdoten vom ersten Ausbruch von Gewalt am Samstag in Tottenham.

Ich bin um 11 Uhr morgens am Ort des Geschehens angekommen, circa zwei Stunden nachdem das erste Geschoss geworfen wurde. Ich habe ein paar Polizeipferde auf die Tottenham High Road verfolgt, wo eine Absperrung die ganze Straße blockiert hat. Von meinem Standpunkt aus konnte ich mehrere brennende Häuser erkennen. Ein Doppeldeckerbus hat auch gebrannt. Ich bin mit einem Anwohner ins Gespräch gekommen, der mich durch die Absperrung an einer Zweigstelle von William Hill vorbei auf eine Seitenstraße geführt hat. Die hat auch gebrannt.

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Wir sind weiter über ein paar Grundstücke gelaufen und haben es schließlich geschafft, auf die Tottenham High Road zu kommen. Eine große Gruppe Krawallmacher hatte sich um den brennenden Bus versammelt, während andere angefangen haben, Läden zu plündern; einen Iceland-Laden, einen Juwelier und ein Postamt. Die Leute im Postamt haben Kippenschachteln wie Konfetti rumgeworfen. Danach war ein Wettbüro dran. Der Safe wurde aufgeschlagen und rasch geleert.

Nach ungefähr einer halben Stunde wurde die Menge unruhig, ein paar Fotografen wurden angegriffen und Schaulustige ausgeraubt, bevor die Polizei eingegriffen und die Demonstranten zurückgedrängt hat. Der Mob hat darauf reagiert, indem er Barrikaden errichtet und ein Polizeirevier angezündet hat. Es folgte ein stundenlanger Stillstand, zu diesem Zeitpunkt wäre es für mich selbstmörderisch gewesen, mit meiner Kamera in der Hand rumzulaufen. Während des Stillstands sind hin und wieder Demonstranten, die mutigsten, die ich je gesehen habe, auf die Polizeilinien zugerannt, mit nichts bewaffnet ausser mit ihren Fäusten, währen es über ihren Köpfen Flaschen, Ziegelsteine und Feuerwerk hagelte.

Als es die berittene Polizei langsam schaffte, die Protestanten zurückzudrängen, wurden ein Aldi und ein angrenzendes Gebäude angezündet. An diesem Punkt wurden die Demonstranten sogar noch dreister und sind nicht mal mehr geflohen, wenn die Polizei sie angegriffen hat. Also haben die Polizisten ihre Taktik geändert und einen Helikopter eingesetzt, der nahe am Boden schwebte und so Schutt und Glut auf die Demonstranten gestreut hat.

Demonstranten haben ein Pub namens The Pride of Tottenham geplündert und die Pint-Gläser und Bierflaschen als Wurfgeschosse benutzt. Dann haben sie einen Carpetright angezündet und die Flammen haben sich auf die Wohnungen darüber ausgebreitet. Ein makaberes Gerücht ging rum, dass eine eingeschlossene Person an die Fenster geschlagen und um Hilfe gefleht hat. Als nächstes wurden ein Jobcenter und einige Verwaltungsgebäude geplündert, bevor die Menge ein paar Paletten Obst und Gemüse von einem Supermarkt geklaut und angefangen hat, die Polizisten damit zu bewerfen. Die Polizei hat mit ihren Kampfhunden zurückgeschlagen. Als die vorgedrängt sind bin ich hinter den Polizeilinien stecken geblieben und habe mich auf dem Heimweg gemacht, als die Polizisten wieder Kontrolle über das Gebiet erlangten.

Am Sonntagmorgen sah die Tottenham High Road wie ein Kriegsgebiet aus, um die 20 Läden und Häuser wurden geplündert und angezündet. Die Straße war von Schutt und verbrannten Autos übersät, als erstaunte und verzweifelte Anwohner sich die Sache anschauten. Was in Tottenham passiert ist, lässt die Studentenkrawalle von letzten Jahr dastehen wie ein Theologieseminar. Es wird interessant (und wahrscheinlich erschreckend) sein, zu sehen, was als nächstes passiert.

TEXT, FOTOS & FILM: HENRY LANGSTON
IPHONE VIDEOS: EIN ANWOHNER

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