Die Gebrüder Teichmann kann man getrost als alte Eisen der Elektroszene und Vollzeit-Künstler bezeichnen. Nach Anfängen in der Punkband Totalschaden, Jahren bei Beige GT, der Gründung ihres Labels Festplatten Records und jeweiligen Soloalben veröffentlichen die Regensburger nun ihr zweites Album. Ganz nebenbei arbeiten sie für ein Künstlerprojekt in Nairobi, reisen mit ihrer Musik durch Indien, veranstalten Workshops in Kabul. Und geben VICE ein Interview. Andi Teichmann über Maschinen und Piraten und Römer. Und Musik.
VICE: Eure Platte heißt „They Made Us Do It“. In der Beschreibung dazu heißt es: „Die Maschinen leben! Kommen sie in Frieden? Wer weiß…“ Wie kam es zu dieser Geschichte?
Andi Teichmann: Das ist keine Geschichte, es ist genau so passiert! Nein, Quatsch, natürlich haben wir uns das ausgedacht. Man sagt, Synthesizer seien keine Computer. Ihr Sound hängt von vielen Faktoren ab. Zum Teil müssen die Röhren zwei Stunden warm werden, dann klingen sie anders als am Anfang. Sie haben ein Eigenleben—dabei sind wir doch die Musiker. Gebrüder Teichmann spielen alles selbst. Das ist eine unserer Eigenheiten, die es im elektronischen Bereich nicht so häufig gibt. Inzwischen treten viele mit Laptops auf. Wir machen es uns wohl komplizierter—aber bewusst!
Ihr habt bei eurem Album mit vielen verschiedenen Künstlern zusammen gearbeitet. Euer Vater ist Jazzmusiker und wirkt ebenfalls mit.
Mit dem wollen wir seit ungefähr zehn Jahren aufnehmen, aber irgendwie klappte es nie. Im Endeffekt hat es dieses Mal auch nur hingehauen, weil sich der Abgabetermin um zwei Wochen verschob.
Versteht er, was ihr da macht?
Wir können uns schon verständigen. Er kommt aus dem sehr experimentellen Jazzbereich und hat daher schon einen Link dazu. Trotzdem würde er sicher nie sagen: „Och super, ich hör von jetzt an nur noch Techno.“ Zwischen uns liegt eben eine Generation. Aber er gibt sich redlich Mühe.
Wie war das zu euren Anfangszeiten?
Am Anfang haben eigentlich eher wir uns abgegrenzt. Wir spielten in einer Punkband und fanden Jazz ultradoof—vielleicht auch nur, weil unser Papa das machte. Als Pubertierender muss man wohl einfach dagegen sein. Ich würde mich noch immer nicht als Jazzliebhaber oder Jazzfachmann bezeichnen, aber es geht.
Will ein Vater seine Söhne nicht häufig verbessern und belehren?
Wir sind zwei Brüder, es gibt also sowieso schon immer dieses Getue: Wer sagt den Ton an? Wie gehen wir vor? Wo geht es hin? Es ist natürlich schwieriger, wenn man als Familie zusammen aufnimmt. Ich hatte im Voraus ziemliche Sorge, aber es lief überraschend gut.
Gibt es noch mehr Familienmitglieder, die ihr ins Boot holen könnt?
Unsere Mama, aber die macht nicht wirklich Musik. Sie hat allerdings schon mal ein Foto für ein Plattencover beigesteuert.
Eine Familienbande. Ihr heißt schließlich Gebrüder Teichmann. Mir kommen da sofort die Gebrüder Grimm in den Kopf und ihr erzählt eine Geschichte von Maschinen.
Oh, daran hab ich gar nicht gedacht, als wir die Platte aufgenommen haben. Ich besitze sogar die Gesamtausgabe der Gebrüder Grimm, muss aber zugeben, dass ich noch nicht reingelesen habe. Ich weiß auch gar nicht mehr, warum ich die haben wollte.
Kindheitserinnerungen?
Nee nee, das hatte einen aktuellen Grund. Irgendwas mit Mechanismen war das.
Warst du als Kind eine Leseratte?
Ja, aber nicht der Märchentyp. Ich war der Schifftyp, alles mit Seeräubern, ganz klar. Piraten sind super. Und Römer!
Und jetzt seid ihr bei Maschinen angekommen.
Wir nutzen alte Sachen wie Schallplatten und Synthesizer, deswegen spielt das gesamte Album und seine Geschichte mit dem Thema Science Fiction. An den alten Filmen aus den 60ern und B-Movies gefällt mir, dass sie mit einer Idee von Zukunft spielen, die jetzt schon wieder total abstrus und augenscheinlich überholt ist. Es ist ein bisschen selbstironisch, weil wir eigentlich mit unseren Platten und unseren Synthesizern zum Schnee von gestern gehören. Jetzt macht man in Remakes alles anders. Krieg der Welten zum Beispiel wurde mit dem Riesen-Hollywood-Budget und Tom Cruise und Special-Effects nachgedreht, aber dem Film fehlt etwas: die Seele, der Charme. Das wird dann gerne kaschiert durch Mega-Szenarien und Special Effects. Aber auf die Seele kommt es an!
Heute geben die Gebrüder Teichmann eine “They Made Us Do It”-Record Release Revue im Ritter Butzke, Berlin. Mit dabei sind ebenfalls Alex Smoke (Soma, Vakant, Glasgow), Tijana T (ADR, Festplatten, Belgrade), Daniel Meteo (Meteo Sound, Shitkatapult, Berlin), CGB-1 (Wax Treatment, Berlin) und als Special Guest Transistors Of Mercy (19Zoll Stammtisch, Berlin). VICE verlost 2×2 Gästelistenplätze für dieses Event. Wenn du dabei sein willst, schick eine Mail mit dem Betreff „Gebrüder Teichmann“ an win@viceland.de.