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Interview

Nimo, warum tragen Rapper Fußball-Trikots?

Das Fußball-Trikot hat das Basketball-Jersey im HipHop abgelöst. Rapper Nimo erklärte uns, warum Fußballer sich in Sachen Style bei Rappern bedienen.

von Toni Lukic
09 Juni 2017, 2:09pm

Alle Bilder von Marco Michalzik/Bootsblog

Es ist eine leicht surreale Gruppe, die hier durch das unübersichtliche Raumschiff Allianz Arena geführt wird. Youtuber, Instagrammer, Blogger und eine Handvoll Musik-Menschen traben schnellen Schrittes in Richtung adidas-Loge. Der Sportartikel-Hersteller hat zum Saisonabschluss der Bayern eingeladen und will uns den neuen Bayern-Dress vorstellen. Chef-Trikotdesigner Jürgen Rank, im Nebenjob wandelndes Fußballlexikon, erklärt, dass rund zwei Jahre Arbeit in die Produktion eines neuen Trikot-Designs fließen. Recherche zu Geschichte von Stadt und Verein, Umfragen bei Spielern, Fans, Kit-Managern, erste Entwürfe, Absprache mit Vorstand und und und.

Einer der wichtigsten Punkte: Fokus-Gruppen. Also: "Jungs und Mädels, die in den sogenannten Key-Citys shoppen gehen, um zu schauen: Was kaufen sie sich und warum kaufen sie es sich? In London gehen wir mit den Jungs kicken und gucken, was sie anhaben", erklärt Jürgen Rank. "Das sind weniger Trainingsklamotten, sondern Sachen, mit denen sie in der U-Bahn fahren, zur Schule gehen und die sie abends zum Kicken anziehen."

Jürgen Rank präsentiert Nimo ein paar Entwürfe

Bei all den Schilderungen steht Nimo neben mir und lauscht gespannt. Der 21-jährige Rapper könnte ebenso in diese Fokus-Gruppe passen. Nimo gehört zur neuen Generation Straßenrappern, die verstanden haben, dass Stilsicherheit und die Auslotung neuer Grenzen gefragter sind als formelhafte Rhyme-Patterns. Nimo singt, tanzt, rappt, nuschelt und weiß schlicht und ergreifend, was gut aussieht – und ankommt. Zeugnis dafür sind seine 452k Instagram-Follower oder 10 Millionen Views seines Hits "LFR". In seinen Videos trägt er häufig Trikots und Fußball-Trainingsanzüge. In einer ganzen Generation sportaffiner Rap-Hörer haben sie das Basketball-Jersey abgelöst.

Wir sprachen mit ihm darüber, warum die Verbindung zwischen Fußball und Rap derzeit so lebendig ist und ob Fußballer seinen Style kopieren.

VICE Sports: Du hast gerade bei der Präsentation von Trikotdesigner Jürgen Rank viele Fragen gestellt. Vor allem die Liebe fürs Detail scheinen dich beeindruckt zu haben. Ärgert es dich, wenn die Zuhörer die Details in deiner Musik überhören?
Nimo: Naja, der Zuhörer nimmt das Produkt nie komplett so auf, wie du es dir ausgedacht hast. Aber die Leute sollten wissen, was sie da zu sich nehmen. Ich kann in Interviews drüber sprechen, was ich mit manchen Zeilen genau gemeint habe, und am Ende kommt es vielleicht bei den Leuten an. Aber wann spricht ein Trikot-Designer über seine Kunst in der Öffentlichkeit? Leute, die Fußball und ihren Verein lieben, sollten wissen, was sie tragen.

Du trägst auch Fußball-Trikots und -Jogginganzüge in deinen Videos. Hat das Fußball-Trikot das Basketball-Jersey im Rap abgelöst?
Amerikanische Rapper wollten Basketballer werden, bevor sie angefangen haben zu rappen. Deutschrapper wollten meistens Fußballer werden, weil sie auf dem Bolzplatz groß wurden. Viele von uns hatten kein Geld für originale Trikots. Doch wenn du mal eins hattest, dann hast du es wie ein normales Kleidungsstück angezogen, auch zu Jeans.

Hast du früher Fußball gespielt?
Auf dem Bolzplatz als ich klein war, aber nie im Verein.

Aber trotzdem hattest du Trikots?
Die waren für uns damals zu teuer, mein Vater hat mir nie welche gekauft. Der musste erst in die Türkei fliegen, um mir ein gefälschtes mitzubringen. Ich habe mein erstes Original-Trikot bekommen, als ich schon mit Adidas connected habe. Das war das dunkelblaue FC Bayern-Champions-League-Trikot von letzter Saison mit den neonfarbenen Streifen.

Gab es ein Trikot, das du dir gerne geholt hättest, wenn Papa die Kohle gehabt hätte?
Ganz ehrlich, als Junge hast du in jeder Mannschaft ein, zwei Lieblingsspieler, und für die würdest du das Trikot tragen. Cristiano Ronaldo spielt bei Real Madrid, also lieben die Kids Real und wünschen sich das Trikot. Bei der WM sind sie auf einmal Fan von Portugal, obwohl sie wahrscheinlich nicht mal wissen, wo das Land liegt.

Du meinst also für die Kids sind Stars wichtiger als ein Verein?
Natürlich identifizieren sie sich eher mit Stars, weil sie greifbarer sind. Die Fußballer müssen Humor und Style in ihrem Spiel und ihrem Auftreten haben.

Was bedeutet denn Style beim Fußball? Spieler tragen ja eigentlich eine Uniform mit dem Trikot.
Früher hast du einen Fußballer nur auf dem Feld gesehen, mittlerweile kannst du die Facebook- und Instagram-Seiten der Leute verfolgen. Und wenn du wirklicher Fan bist, dann kannst du auch sehen, was er in seiner Freizeit anzieht. Das färbt natürlich auch auf die Jugend ab.

Kann es sein, dass Fußballer sich viel von Rappern abschauen, was Style und Attitüde angeht?
Die hören sich die Musik an, weil Rap grade die populärste Musikrichtung ist. Dementsprechend gucken sie sich auch was vom Style ab. Aber ey, Fußballer sind einfach viel größere Stars. Mich kennen vielleicht einige Leute im deutschsprachigen Raum, aber frag mal ein Kind in Indonesien. Die wissen dort alle, wer Thomas Müller ist.

Du hast gesagt, dass das Krasseste wäre, wenn du Uli Hoeneß treffen würdest.
Junge, Uli Hoeneß ist der Baba von Bayern.

Was würdest du ihn fragen?
Ich würde ihn nach paar Ratschlägen fragen. Aber vielleicht würde er mich sofort rausschmeißen lassen. Ich weiß ja, wie das ist, wenn man andauernd gelöchert wird mit Fragen. Eine tiefgründige Antwort könnte er mir wahrscheinlich sowieso nicht geben, außer wir verbringen viel Zeit miteinander. Vielleicht klappt das ja mal.

Kannst du mir sagen, warum so viele Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund die Bayern feiern?
Die Bayern sind auch Kanacks. Guck mal, wie durchmischt die Mannschaft ist. Jeder Spieler verkörpert seinen eigenen Style und hat eine Attitüde. Bei Dortmund feiern die Kids nur Aubameyang.

Was ist mit Reus?
Weil der auf dem FIFA-Cover ist? Ne Mann, Bayern ist die 1.

Dieser Inhalt wurde von der VICE-Sports-Redaktion ohne Einflussnahme von außen erstellt.