Heute geht’s schon los mit dem ersten elektronischen Highlights des Frühsommers: dem Electric Spring im Wiener Museumsquartier. Ich habe mir—in alter Strebermanier—gleich den Timetable ausgedruckt und mir die 1:30, donnerstags, Hofstallungen, pink eingeringelt. Konea Ra sind da nämlich dran. Und das finde ich ganz besonders super. Um mal zu sehen, ob sie privat auch so smooth sind wie ihre Musik, habe ich Matthias und Stephanie im schönsten Wiener Bobo-Bezirk auf Ingwertee zum Gespräch über ihre natürlich unumstrittene Vorläufertätigkeit in der Elektro-Szene Österreichs, Drogenkartelle und Kendrick Lamar getroffen.
Noisey: Plant ihr etwas Besonderes für euren Auftritt im Museumsquartier?
Stephanie: Wir werden das erste Mal zu sechst auf der Bühne stehen. Ich finde das eigentlich toll, jetzt haben wir endlich eine Band—und das Ganze nimmt dann bei den Shows eine eigene Dynamik an. Ist einfach organischer und hat mehr Groove.
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Ich bin ja euer fleißiger Facebook-Stalker. Kurz bevor ich zum Interview aufgebrochen bin, habe ich noch ein Foto von Johann Domenicus Bass auf eurer Seite gesehen. Habt ihr ihn samt Pudel und Perücke abgeworben?
Stephanie: Mit Keys, aber ohne Pudel. Richtig, Domi wird uns jetzt bei unseren Live-Sets unterstützen, auch so eine Neuerung, die das neue Album mit sich gebracht hat.
Da muss ich auch schon wieder an den Songcontest denken. Verfolgt ihr das? Oder verweigert ihr das eher?
Stephanie: Ich muss ehrlich sagen, ich hab das nie gesehen. Noch gar nie! Also zuvor. Jetzt natürlich schon ein bisschen, durch den ganzen Hype. Aber so arg war’s doch noch nie, oder.
Matthias: Ich hab das jetzt auch nur am Rande mitverfolgt…manches war ja wirklich grauenhaft. Außerdem finde ich, Johann Sebastian Bass hätten gewinnen sollen. Die sind großartig.
Man kennt sich also in der österreichischen bzw. Wiener Szene. Ist ja fast schon wie eine große Familie.
Stephanie: Das stimmt. Raphael von Catastrophe & Cure ist ja zum Beispiel live auch bei uns dabei.
Ihr seid ja schon sehr schön. Optisch natürlich, aber auch musikalisch. Diese Ästhetik, bzw. die Verbindung von Visuals und Musik, wie hat sich das bei euch ergeben? Woher kommen die Ideen?
Stephanie: Im Grunde genommen machen das Meiste mittlerweile wir. Früher noch mehr in Zusammenarbeit mit den VJs luma.launisch, also Astrid Steiner und Florian Launisch, die uns da sehr unterstützt haben.
Matthias: Ja, also wenn wir visuals im Set dabei haben, sind die zwei eigentlich auch immer mit an Bord. Bei Videos haben wir uns von Andreas Waldschütz unterstützen lassen, zum Beispiel zur Single „Boy“.
Stephanie: Aber auch diverse heimische Modelabels haben uns schon auf gute Ideen gebracht.
Was haltet ihr privat eigentlich von elektronischen Live-Sets? Oder eher scheiß drauf—ich geh mal lieber zu den Rolling Stones? Elektro nur im Club?
Stephanie: Nein, natürlich schauen wir uns genau das an—um uns Inspirationen zu holen und zu sehen, was sich entwickelt in Österreich. Es ist eh ein Wahnsinn, was sich auf diesem Sektor gerade tut…
Schon, oder! Habt ihr eine Erklärung für diese momentane Flut an heimischen Elektro-Superacts?
Matthias: Also, das ist ganz einfach. Die haben alle vor zwei Jahren das erste Konea Ra Album gehört und sich gedacht: Verdammt, wir wollen auch so gute Musik produzieren. Deshalb: Gern geschehen.
Stephanie: Ja, ganz genau, so ist es, haha. Also mit Marco von Leyya zum Beispiel, weil die gerade erwähnt wurden, arbeiten wir ohnehin zusammen. Es sind auch jetzt am neuen Album zwei Features mit ihm drauf.
Matthias: Und einen Remix hat er ja auch schon für uns gemacht.
Marco ist ja ohnehin ein Wunderwuzzi mit beinahe unzähligen Sideprojects….
Stephanie: Ja, das stimmt. Ich habe ihn erst unlängst beim Karma Art Release auch live gesanglich unterstützt, es war super.
Matthias: Also ich muss sagen, bezüglich der Frage nach dem, ob wir uns elektronische Sets ansehen: Ich schau mir selten DJ-Sets live an. Wahrscheinlich würde ich mir auch kein Klangkarussell-Konzert ansehen. Aber Kwabs zum Beispiel.
Der hat ja aufgespielt am Wiener Waves Festival. Großartig.
Matthias: Ja, das war super. Also ich bin da, was meinen persönlichen Konzertgeschmack angeht, mehr song- denn trackorientiert.
Zwischen eurem ersten und dem aktuellen Album sind zwei Jahre vergangen. Wie würdet ihr den Weg dahin zeichnen, was war an Einflüssen wichtig für euch?
Matthias: Es war uns vor allem wichtig, die Stimme in den Vordergrund zu rücken, alles andere zu reduzieren, bzw. aufzuräumen. Der Sound soll klar, straight und einfach ein. Was natürlich auch sehr wichtig für unsere Musik war, waren die Liveerfahrungen, die wir in diesen zwei Jahren gesammelt haben. Wir sind ja sogar bis nach Mexico gekommen, um dort zu touren.
Gebt’s zu, ihr wolltet eigentlich nur Breaking Bad nachstellen.
Matthias: Nicht nur! Über die Soundframe-Connection sind wir dorthin gekommen. Wir wurden dann eingeladen, eine Show in Mexico zu spielen. Weil die das Augenmerk zwar schon auf Elektro gelegt haben, aber auch sehr auf die Band-Idee, sind wir offenbar gut angekommen. Und wurden dann auf dem Festival direkt weitergebucht. Sehr cool.
Stephanie: Obwohl es schon teilweise gruselig war. Bei einem Auftritt dachten wir uns, na, da sind aber heute weniger Leute als sonst! Und dann haben wir in der Zeitung gelesen, dass es am Vortag genau in dieser Stadt eine Schießerei gegeben hat.
Matthias: Ja, Schießereien gibt’s in Österreich halt nicht so oft. Und ich dacht’ mir noch, da fährt immer so ein komischer Bus vor uns, was macht der da verdammt!
Lest unten weiter…
Das ist ja nun unser erstes Date. Darf man ganz dilettantisch nach der Entstehung eures Bandnamens fragen?
Matthias: Sorry, das haben wir leider vergessen.
Stephanie: Hahahaha. Ja, fast. Also würden wir da jetzt anknüpfen, das zu erklären, es würde ganz am Anfang ansetzen… und hätte ehrlich gesagt mit dem, was wir jetzt machen, fast keine Verbindung mehr.
Matthias: Es gibt nicht einmal mehr den Wikipedia-Eintrag, auf den sich die Geschichte bezogen hat, wie der Name entstanden ist.
Es ist also alles ganz mystisch!
Matthias: Total. Streng geheim. Er ist wirklich verschwunden! Die Geschichte ist halt einfach weg!
Na wenigstens kann man den Namen gut googeln. Matthias, du spielst eh gerade auf deinem Monstergerät von einem Mobiltelefon herum. Hast du da mp3s drauf? Was hörst du gerade?
Matthias: Ja, es ist wirklich ein überdimensioniertes Monster. Also: Ich höre gerade unter anderem das neue Album von Kendrick Lamar.
Und? Fazit?
Matthias: Ich find es ja mutig, was er mit dem Sound macht. Weiß nur noch nicht so ganz genau, ob es meiner ist. Aber ich glaube, ich kann das Wichtigste daran eigentlich gar nicht beurteilen. Die Rap-Geschichte. Ich bin einfach nicht der Experte auf diesem Gebiet, wahrscheinlich halten ihn viele für den Rap-Gott, der er ja wahrscheinlich auch ist. In Amerika geht das sicher noch besser ab. So, wenn man hier Tante Ceccarelli hört. Läuft.
So, Hosen runter: Was darf man 2015 noch von Konea Ra erwarten? Wo liegen die höchsten Ziele?
Matthias: Ja, wir basteln natürlich schon weiter am nächsten Album. Bzw. es wird wohl eher eine EP werden. Und dann geht’s mal ab nach Wiesen aufs Urban Arts, aufs Linz Fest auch.
Merci beaucoup. Wir sehen uns in den Hofstallungen.
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