Kunst im Krieg

Für den Großteil der letzten zehn Jahre war Michael Fay offizieller Kriegszeichner der U.S. Marines im Irak und in Afghanistan.

Ein Kriegszeichner ist – falls ihr es nicht wisst – jemand, der in Kriegsgebiete reist, um zu zeichnen, was er dort sieht. Das ist unglaublich gefährlich und sollte ein Gegenargument für jeden sein, der noch immer denkt, dass Künstler Weicheier sind.

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In den letzten Jahrzehnten ist Michael gleich mehrmals bei den Marines mit dabei gewesen. Er ist der Armee 1975 beigetreten, bevor er auf die Kunstakademie ging und dann noch einmal, als er 1982 seinen Abschluss gemacht hat. Im Jahr 2000 wurde er dann offiziell zum Kriegszeichner ernannt. Seine Zeichnungen und Malereien von Soldaten im Kampf haben einen altmodischen Flair, der den Bildern eine makabere Romantik verleiht, die man so nicht durch Kriegsfotografie erreichen kann.

Michael ist außerdem der Typ, der hinter dem Joe Bonham Project steckt, das Künstler dazu anregt, verwundete Veteranen in Krankenhäusern abzubilden, was dich daran erinnern soll, dass – Heilige Scheiße! – einige Kriege am Laufen sind und Leuten ihre Beine weggeschossen werden.

VICE: Lass uns mit den Grundlagen anfangen: Was ist ein Kriegszeichner?

Michael Fay: Ein Kriegszeichner ist einfach ein Künstler, der in den Krieg zieht. Die Leute verstehen Landschaftsmaler und Porträtzeichner, aber haben es schwer, nachzuvollziehen, dass es noch Künstler gibt, die in den Krieg ziehen, um Kunst zu schaffen. Früher begaben sich viele Künstler in den Krieg. Manet in den Deutsch-Französischem Krieg; Goya hat beobachtet, was die Franzosen in den Napoleonischen Kriegen in Spanien veranstaltet haben; John Singer Sargent zog im Dienste der Briten in den Ersten Weltkrieg. Viele bekannte amerikanische Künstler sind ausgerissen und haben während des Ersten und besonders des Zweiten Weltkriegs direkt oder indirekt Kunst gemacht. Alle militärischen Gruppen hatten bist zum Ende des Vietnamkriegs breite Kunstprogramme, die sich mit Gefechten und Schlachten beschäftigten.

Ziemlich jeder, der einen Kurs in Kunstgeschichte gemacht hat weiß, dass die Grundlage für Kunst Krieg ist – ob das nun die Römer, die Babylonier, die Griechen oder andere waren. Warum ist Kriegskunst seit dem Vietnamkrieg in den USA abgeflaut?

Ich weiß es nicht. Viele kulturelle Einrichtungen – ob es nun Universitäten oder Museen sind – begreifen jetzt erst, dass wir schon 10 Jahre in unserem am längsten andauernden Krieg sind und die Kultur es im Grunde einfach durchgesessen hat. Deshalb versuchen ich und einige Freunde von mir in der Society of War Artists, es mehr an die Öffentlichkeit zu tragen.

Deine Zeichnungen von verwundeten Soldaten sind definitiv kraftvoll genug, um das Leid des Kriegs publik zu machen.

Wenn du das erste Mal einen Typen skizzierst, dem ein großer Teil seines Gesichts oder Körpers fehlt, denkst du dir: „Wie soll ich darauf reagieren?” Aber sobald du mit diesen Typen unterwegs bist, wird dir klar: „Das ist kein Bild. Das ist eine echte Person“. Sie haben noch immer dieses Leuchten in ihren Augen. Sie sind noch immer im Kampf. Sie sind vollkommen lebendig und im Gefecht. Du kannst nicht anders, als den Raum zu verlassen und zu denken, dass diese Leute lebendiger sind als die viele andere Menschen. Diese Leute machen echtes Zeug. Sie betrachten das Leben nicht als selbstverständlich. Sie nehmen, was sie haben und schöpfen das voll aus. Manche von denen haben nur noch zwei Stummel, aber die setzen sie auf eine Weise ein, die dich umhauen wird.

Wie reagieren die verwundeten Soldaten, wenn sie deine Portraits von ihnen sehen?

Allgemein eher so: „Hey, ich bin froh, dass du da bist“. Sie verstecken sich nicht. Sie sind lange darüber hinaus, von Dingen abgeschreckt zu sein, von denen der Rest von uns noch abgeschreckt ist. Diese Leute sind besonders – und Teil dieser Besonderheit ist, dass sie sich nicht auf diese Art wahrnehmen. Diese Typen sind 23, vielleicht 25 Jahre alt. In unserer Kultur sehen wir Leute in ihren 30ern nicht als erwachsen an. Wie sind wir also an dem Punkt angelangt, an dem wir Leute in ihren 20ern als Kinder bezeichnen? Meine Generation hat dafür gekämpft, mit 18 wählen zu dürfen.

Sind es die Soldaten nach zehn Jahren Krieg leid, zu kämpfen.

Oh, nein. Typen die kämpfen, kämpfen. Das ist ein Teil der Entwicklung dieser Krieger-Kultur. Leute, die sich heutzutage verpflichten wissen, dass sie kämpfen werden. Da ist es egal, ob du in der Nationalgarde oder bei den regulären Marines bist, du wirst kämpfen. Und das öfter als einmal. Im Stamm des Militärs ist die Moral unglaublich hoch, selbst mit all den Wunden und Traumata.

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