Kwabs hat die schönste Telefonstimme der Musikwelt

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Wenn man manche Sänger sprechen hört, kann man sich nicht zusammenreimen, warum ihre Stimme bei Songs so dermaßen anders klingt—zumindest bis man sie dann wirklich mal live hört und merkt, dass alles nur ein Hoax ist. Dann gibt es Sänger, deren Stimme alleine beim Sprechen Musik ist. Bei Kwabs ist das definitiv der Fall. Wenn Kwabena Adjepong spricht, vergisst man für einen kurzen Moment, dass es auf dieser Welt schlechte Dinge wie Coldplay gibt. Wenn man mit dem Londoner spricht, verliert man endgültig den Glauben daran, dass der Hochzeitstag der schönste Tag des Lebens sein soll—außer natürlich Kwabs ist derjenige, der dir den Ring ansteckt.

Aber genug der unrealistischen Träume. Kwabs blendet klare, traditionelle Techniken in ein experimentelles Non-Genre, das manchmal durch Soul, manchmal Pop und manchmal Elektronik dominiert. Anfang des Jahres hat er seine Debüt-EP Wrong Or Right herausgebracht, auf der auch unser Lieblings-Wahlwiener Sohn seine Finger im Spiel hatte. Und obwohl der Brite eher in die Kategorie „jungfräulicher Musiker“ angesiedelt ist, hat er sich durch seine Liveshows und bisherigen Releases schon einen Namen in der Musikszene gemacht. Anlässlich seines Konzertes im Rahmen des Waves Festivals haben wir mit ihm telefoniert. Und ich gebe es ungern zu, aber seine Stimme hat mich teilweise so sehr aus dem Konzept gebracht, dass ich ganz vergessen habe wer ich bin, auf welchem Planeten ich die meiste Zeit so bin und welche Fragen ich dem Herren eigentlich stellen wollte. Ach, Kwabs.

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Noisey: Hey, wie geht’s dir?
Kwabs: Mir geht´s sehr gut, danke. Dir auch?

Ab diesem Moment konnte ich nicht mehr klar denken (Anm. der verliebten Autorin)

Ja. Ich hoffe mein österreichische Akzent ist nicht allzu weird für dich. (Das sagte ich natürlich in der Hoffnung, dass er ihn unfassbar süß findet)
Haha, keine Sorge. Ich bin mit dem österreichischen Akzent schon vertraut.

Stimmt, da sind wir auch schon beim Thema Österreich. Du hast mit Sohn gearbeitet. Wie kam es zu der Kollaboration?
Ich mochte seine Musik schon bevor ich ihn getroffen habe und ich wollte wissen wie es ist mit ihm im Studio zu sein. Ich hatte großes Glück, dass ich ein paar Leute um mich hatte, die mir geholfen haben mit ihm in Kontakt zu treten. Wir haben uns dann in London getroffen. Das war letztes Jahr. Im Herbst letzten Jahres war ich dann das erste Mal in Wien. Dort haben wir dann gemeinsam gearbeitet.

Was war dein erster Eindruck von Wien und wie wars hier zu arbeiten?
Ich liebe Wien. Eine sehr schöne Stadt, sehr sauber und ein perfekter Ort um zu arbeiten. Es fühlte sich an, als gäbe es einen Grund warum ich genau dort arbeite.

Du kommst fürs Waves zurück nach Wien. Freust du dich schon?
Absolut! Ich war ja jetzt schon länger nicht mehr dort, also freue ich mich schon sehr. Ich würde auch gerne ein paar Tage bleiben, aber ich vermute, dass ich nur einen Tag arbeiten kann. Ich bin immer busy, weißt du. Es gibt immer etwas, was gemacht werden muss.

Ich bin schon gespannt auf deine Show—was kann man sich erwarten?
Rechne damit bewegt zu sein—sowohl körperlich als auch im Herzen. Sie wird Leute zum Tanzen bringen und es wird sie Dinge fühlen lassen. Hoffentlich—du musst einfach kommen und es dir selbst ansehen.

Beschreibe mal wie es sich für dich anfühlt, auf einer Bühne zu stehen.
Man kann dieses Gefühl mit nichts vergleichen, was du dir vorstellen kannst. Elektrisierend.

Bist du vor einem Konzert eher der Typ der Backstage im Kreis läuft oder bist du eher gechillt?
Ich versuche immer ganz ruhig zu bleiben, bei mir zu sein, einen Tee oder sowas trinken aber letztendlich brauche ich einfach einen Ort an dem es ruhig ist, um dann rauszugehen und mein Ding durchzuziehen. Nach einem Konzert muss ich immer erstmal realisieren was da eigentlich gerade passiert ist.

Wann kommt dein Debüt-Album raus?
Nächstes Jahr. Das Album wird eine Kombination aus Sounds, die Leute schon gehört haben und einem anderen Twist—man muss die Dinge ja frisch halten, nicht? Der Sound wird zwar neu sein, aber immer wieder Dinge aufgreifen, mit denen sich die Leute identifizieren können, zu denen sie einen Bezug haben und die sie von mir schon kennen. Es wird also einige Überraschungen geben.

Klingt gut! Gibt es etwas, was du vor deiner Zeit als Musiker noch nicht kanntest?
Durch Musik habe ich ihre Macht kennen gelernt. Sie schafft es auf so wunderbare Art und Weise Menschen miteinander zu verbinden. Es ist keine Überraschung dass es niemanden gibt der Musik nicht mag—zumindest kenne ich niemanden. Musik ist eine dieser Dinge, die einen mit Anderen verbinden.

Jeder Musiker hat ja einen anderen Zugang zum Songwriting. Wie ist deiner?
Ich habe meistens eine Melodie im Kopf, die einfach nicht mehr weg geht. Manchmal ist es nur ein Wort, manchmal ist es ein Satz, die der erste Teil des Puzzles sind, das dann nach und nach zusammengesetzt wird. Dieser Prozess ist essentiell. Du musst einfach realisieren, was du mit den Sätzen in deinem Kopf erschaffen kannst.

Als jemand der schwer in ein Genre einzuordnen ist, würde mich interessieren was du denn selbst für Musik hörst.
Ich höre alles mögliche. Derzeit höre ich ne Menge FKA Twigs. Ich stehe auch sehr auf Robyn und Royksopp. Die sind großartig. Ich mochte Robyns Songwriting schon immer. Ich versuche meine Ohren für neue Musik offen zu halten.

Willst du mit deiner Musik etwas verändern oder ist es mehr etwas, was du einfach tun musst?
Ich will schon etwas bewirken und beeinflussen. Ich will dieses Album rausbringen und sehen was damit passiert. Ich mochte diesen Gedanken schon immer, etwas zu machen und zu sehen wohin es einen damit verschlägt.

Was war die größte Lüge die jemals über dich geschrieben wurde?
Die Leute schreiben immer, dass ich in Ghana geboren wurde. Das stimmt nicht. Ich liebe das. Das ist ganz großartig. Ghana ist zwar ein toller Ort, aber ich wurde in London geboren. Ich werde aber trotzdem bald mal nach Afrika reisen.

Ich habe das sogar gelesen, dass du in Ghana geboren seist.
Haha. Das ist lustig.

Welchen Ort muss ich unbedingt besuchen wenn ich das nächste Mal in London bin?
Brixton! Es ist großartig dort. Dort gibt es tolles Essen, großartige Leute—es ist ein sehr pulsierender Ort.

Wie ist die Musikszene in London?
Sehr kreativ! Die Leute hier riskieren was. Sie gehen die Dinge ein bisschen anders an, das finde ich sehr bemerkenswert. Es gibt hier so viele Leute die bereit sind aus der Masse zu stechen.

Das klingt nach einem guten Nährboden. Sag mal, fühlst du dich eigentlich geehrt, dass The Guardian dich den neuen Seal nennt? Ich meine…
Haha, ich glaube Vergleiche sind eine nette Sache. Besonders wenn du mit Leuten verglichen wirst, die viel erfolgreicher sind als man selbst. Aber ich möchte trotzdem lieber meinen eigenen Weg gehen und mein eigenes Ding durchziehen. Ich glaube ich kann Vergleiche sowohl annehmen, als auch auf meine Art weiter machen ohne mich beeinflussen zu lassen—wenn du verstehst was ich meine.

Versuche mal deine Stimme zu beschreiben.
Oh wow. Ich würde sie als sehr soulig beschreiben, du weißt schon, aus dem Bauch heraus. Und aus dem Herz.

London ist ja auch für Fußball bekannt. Bist du ein Fußball-Fan?
Haha, nein. Die Leute in meiner Band sind große Fußball-Fans, aber leider bin ich der Musik verschrieben—24/7.

Also fällt Fußball als Inspiration schon mal weg. Nein, im Ernst, woher nimmst du die Ideen für deine Musik.
Ha, ja. Ganz simpel: Das Leben ist meine Inspiration. Solange ich lebe werden alle Erfahrungen die ich bisher gesammelt habe Inspiration sein und bleiben. Dinge die ich im Alltag höre und sehe.

Du hast ja gerade erst in Hamburg beim Reeperbahnfestival gespielt. Wie hat dir Hamburg gefallen?
Ich mag es dort. Es war das erste Mal, das ich dort war. Ich hatte ein Zimmer in einem sehr hohen Gebäude und kann mich noch erinnern, dass ich den Ausblick sehr genossen habe. Ich fühlte mich sehr willkommen.

Ich muss es fragen: War es komisch in einer Stadt zu sein, die den gleichen Namen wie Essen hat?
Haha, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber jetzt wo du es sagst habe ich ein breites Grinsen im Gesicht.

Was hast du auf Tour immer dabei?
Ein Paar sehr weite und bequeme Jogginghosen. Eine Art Dampfgerät für meine Stimme und eine große Portion Enthusiasmus.

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