Hier sind unsere Reviews zu SNAILHOUSE, SOUND OF RUM, POLLYESTER und SOUTH CENTRAL.
SNAILHOUSE
Sentimental Gentleman
Mi Amante/Cargo
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Es ist recht einfach, aus ‚sentimental’ das Wort ‚senil’ herauszufiltern und ich mache jede Wette, diesem Typen hier wird die Aufgabe einmal in Rekordzeit gelingen. Wir können von ihm sicher noch beeindruckende Platten erwarten, wenn es darum geht, sein coming-of-great-age-Werk aufzunehmen. Momentan dürfte er sich in seinen Dreißigern befinden und er klingt schon jetzt als wäre er ohne die Selbstverwirklichung in diesem schönen, nur mit Mühe hoffenden Album von seiner Midlife-Crisis verschluckt worden.
PHILIP ROTHKEHLCHEN
SOUND OF RUM
Balance
Sunday Best / PIAS
Regel: Je schneller gerappt wird, desto geiler. Wird allerdings zu schnell gerappt, passiert das, was niemand will, nämlich ein verfrühter Abfall der Hornyness und die damit einhergehende Erschlaffung der Geduld. Kate Tempest, Chefin von Sound Of Rum, weiß aber zum Glück sehr genau, wie sie mit ihrem präzise arbeitenden Chattermouth die Aufwärmphase auf Plattenlänge bringt.
IZEAR LUSTER TURNER JR.
POLLYESTER
Earthly Powers
Permanent Vacation / Groove Attack
Ich will mich nicht wie die Kreativpolizei aufführen (schließlich stinkt auch mein eigener Name irgendwie), aber mich würde doch interessieren, wie es bloß zu der großen Beliebtheit der Namenskombination von Polly und Esther kommen konnte? Es existieren diverse Modeagenturen namens Pollyesther, auf Facebook sind hunderte Debile auf die gleiche Idee gekommen, und in den Ghettos von Mumbai steht das Polly Esther’s, eine schlecht ausgeleuchtete Touristenfalle mit Horden von infizierten Amateurnutten. Nun bedient auch noch eine Band diesen flachen Witz. Dass es sich bei “Earthly Powers” um sowas wie Plastikpunk handelt, ist allerdings Pointe genug.
ZELLO FAHN
SOUTH CENTRAL
Society of the Spectacle
Egregore/Alive
Wäre ich bei der Spex, müsste ich anlässlich dieses Albums wohl einen Kurzessay über die Aktualität von Guy Debords antikapitalistischem Meisterwerk „Die Gesellschaft des Spektakels“ verfassen. Ich würde zu dem Schluss kommen, dass South Central vermutlich irgendwas mit Medien studiert und abgebrochen haben, und dass sie mit ihrem Ed-Banger-Memorial-Rave-Rock Debords fatalistische Thesen präzise bestätigen, ohne sie auch nur im Ansatz verstanden zu haben. Zum Glück schreibe ich für Vice, wo derartige Musik schon längst nicht mehr ernst genommen wird. Schönen Feierabend.
NICK NOSS
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