NEW YORK – THE PSYCHIC PARAMOUNT

Die Psychic Paramount ist eine der Bands, deren Musik etwas auslösen soll. Was sie von all den anderen Bands unterscheidet, die das Gleiche von sich behaupten, nur um selbst besonders geheimnisvoll und experimentell zu wirken, ist, dass ihre Musik wirklich etwas auslöst. Es ist, als ob du dein Gesicht zerkratzen willst, weil dich ihre Sounds heillos überfordern. Das ist wahrscheinlich die Beschreibung für Musik zu einem guten Trip, aber ehrlich, wenn ich auf Acid wäre, würde ich niemals mit diesem Grad der Intensität umgehen können. Sie geben eine durchaus faire Anzahl an Konzerten außerhalb New Yorks, aber wenn du in der City lebst, sind deine Chancen wesentlich höher, ein Einhorn während einer Sonnenfinsternis zu sehen, als diese Band live.

Vice: Leute, ihr lebt alle in New York, oder? Wieso spielt ihr da denn nur zwei Konzerte innerhalb eines Jahres?

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Drew St. Ivany (Gitarre): Der Grund, warum wir allgemein nicht in der Gegend spielen ist, dass es einfacher ist, sich auf 30 Konzerte vorzubereiten, als nur ein einziges zu geben. Wir machen immer lange Pausen, in denen wir nicht wirklich zusammen spielen. Sind wir erst mal eine Weile aus der Tour Routine raus, müssen wir uns da wieder langsam reinarbeiten. Die ersten Konzerte sind immer ein bisschen heikel, denn die Hälfte des Materials, das wir spielen, ist frei komponiert und darauf bauen wir dann die Improvisation auf. Anfang bist du noch nicht so im Groove, wie nach 15 Konzerten innerhalb von ein paar Wochen.

Kann es nicht auch in das genaue Gegenteil umschlagen, dass ihr zu viel Groove bekommt und sich eine Routine einstellt?

Es ist eigentlich irgendwie cool, wenn es nach ein paar Auftritten routnierter wird, denn dann bist du selbst nicht der totale Psycho, bevor du anfängst, zu spielen. Anfang versuchst du nur irgendwie alles zusammenzuhalten, sodass du es zum nächsten Teil des Sets schaffst, aber wenn das Ganze erstmal ein alter Hut ist, dann kannst du höhere Risiken in Kauf nehmen und deshalb macht es soviel Spaß, ein live Konzert zu spielen. Die meisten Bands spielen ihre Songs die ganze Zeit mehr oder weniger auf die gleiche Art und ich finde das wird langsam echt langweilig. Ich denke auch, dass das Publikum merkt, ob etwas spontan ist oder nicht, und das macht die Sache energiereicher.

Die Musik auf der Doppel-CD, die gerade rauskam, das sind alles Sachen, die ihr gemacht habt, bevor ihr euch wirklich als Band gefunden habt. Was ist eure Technik, die Sachen zusammenzustellen?

Die Musik wurde mit quasi automatisch komponiert. Keiner der Tracks auf den zwei CDs war geplant im Grunde haben wir nur ein Tape angemacht und dann geschaut, was passiert.

Einfach nur drauflos? Musstet ihr die Sachen nicht an unterschiedlichen Stellen überarbeiten?

Alle Sachen wurden sofort genommen. Auf der zweiten CD hat jedes Stück viele verschiedene Gitarren-Elemente, die habe ich reingemixt, damit sie sich genau richtig anhören. Aber eigentlich waren es alles first takes. Das war so was wie unsere Prämisse bei der CD – ein Versuch, etwas im richtigen Moment einzufangen, statt erste Ideen zu überarbeiten.

Also ist genau das auf der CD, was ihr beim ersten Mal improvisiert habt?

Ich denke, dass es einen Unterschied zwischen unserem und dem klassischen Verständnis von Improvisation gibt. Zu improvisieren schließt ein, dass man in einen Sack voller Tricks greift, wobei das eher forschende Züge hat und in Kompositionen endet, statt in leerem, endlosem Gedudel. Du spielst eine einzelne Note, dann spielst du die Note, von der du fühlst, dass sie danach kommen soll und auf einmal hast du eine einzigartige akustische Atmosphäre kreiert.

Ein paar eurer Töne wiederholen sich, fast bis zu einem Punkt, an dem man hypnotisiert wird. Habt ihr das mit Absicht gemacht, um Leute auszuschalten oder ist das nur die unvermeidbare Konsequenz eurer Arbeit?

Überall wo mit repetitiver Musik gearbeitet wird, erreichst du einen bestimmten Effekt im Gehirn. Wo der Effekt herkommt, hängt von der Art der Musik ab, aber ich kann definitiv sagen, unsere Musik führt zu einer Erweiterung des Geistes. Ich hoffe, dass die Musik ähnlich wirkt, wie eine Droge. Außerdem haben wir versucht, unsere Musik so biologisch wie möglich zu halten: Es ist leichter, Transzendenz zu erlangen, wenn es keine plötzlichen Stopps gibt und auch Änderungen stören dich nur. Das ist auch der Grund, warum wir so laut spielen — eine hohe Lautstärke hat auch einen Effekt auf das Gehirn. Ich denke, allgemein kann man sagen, dass wir mit unserer Musik eine Art high Gefühl auslösen.

Wie meinst du das genau?

Schon alleine durch die Kraft instrumentaler Musik ist da einiges an unbeschreibbarem Inhalt. Oberhalb dessen ist viel Spielraum für die Interpretation der Leute. Es gibt keine Worte, die dich in diese bestimmte beschriebene Stimmung versetzten können oder die beschreiben können, was wir versuchen zu sein oder die Politik dessen was wir tun. Also können die Leute ihre eigenen Gefühle in das stecken, was sie hören. Einige Leute haben mir zum Beispiel erzählt, dass sich /Gamelan Into the Mink Supernatural/ sehr dunkel und böse anhöre. Für mich hört es sich in auf gar keine Weise so an. Ich habe im Internet gesehen, dass jemand im Irak “Gamelan” als geeigneten Soundtrack angegeben hat, um Leute zu töten.

Gott, das ist richtig krass.

Offensichtlich löst die Musik so etwas in ihm aus, aber ich höre die Musik nicht auf diese Weise. Ihm gibt es scheinbar eine ganz eigene, merkwürdige Art von Inspiration.

Stört es euch, dass eure Musik für diesen Typ der Soundtrack zum Krieg ist?

Es ist für mich unverzeihlich, Leute zu töten oder vergleichbares zu tun, aber ich denke, wenn jemand von dieser Musik inspiriert wird, Dinge zu tun, in jeglicher Form, dann bin ich sehr glücklich mit diesem Ergebnis. Die meiste Musik, die ich höre, inspiriert mich überhaupt nicht, irgendeinen Scheiß zu machen.

VICE STAFF

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