MUSIK REVIEWS – LA COKA NOSTRA, RAEKWON , THE BLOODY BEETROOTS, LUCIAN,

Hier sind unsere Reviews zu LA COKA NOSTRA, RAEKWON , THE BLOODY BEETROOTS und LUCIANO

LA COKA NOSTRA

Videos by VICE

A Brand You Can Trust
Suburbannoize Records

Joint Venture aus Leuten von u.a. House of Pain (vollständig) und Non Phixion (einer), mit dem erklärten Ziel, die Roughness zurück ins Game zu bringen. Das klingt streckenweise schwer nach Familienvätern, die sich krampfhaft an die gute alte Zeit klammern. In etwa so als würdest du heute immer noch gern in den Sandkasten steigen anstatt BWL zu studieren. Kann man ja schon verstehen, irgendwie, und einige der Joints beamen einen auch tatsächlich zurück in die Zeit als man den Judgement Night-Soundtrack für richtig hartes Zeug hielt.
FREAK MOMMA

RAEKWON
Only Built 4 Cuban Linx II
Icewater

Sequels eilt für gewöhnlich der Ruf voraus, das Erfolgsgeheimnis des ersten Teils auszuweiden und oft nicht mehr zu sein als ein zweiter Aufguss. Tatsächlich hat die Filmgeschichte immer wieder Sequels hervor gebracht, die dem schon guten ersten Teil eine noch mal optimierte Fortsetzung hinterher geschickt haben. Siehe Alien oder Terminator. Raekwon veröffentlicht 14 Jahre nach Cuban Linx eine in jeder Hinsicht brillant besetzte Fortsetzung, in der quasi der T-1000 höchtpersönlich die Alien-Königin in Schach hält, um die zärtliche Annäherung von Sarah Connor und Ellen Ripley nicht zu stören. Das heißt, dieses Album macht all das wahr, worauf man all die Jahre gehofft hat.
JAMES KAMERUN

THE BLOODY BEETROOTS
Only Built 4 Cuban Linx II
Cooperative Music

Es gibt einen klaren Vorteil, wenn man ein Albumcover so gestaltet, dass es den interessierten Hörer in eine düstere Gasse lockt, an deren Ende Guns’n’Roses und Aerosmith herumlungern, Klebstoff aus Papiertüten schnüffeln und sich fragen, was eigentlich aus den 80ern geworden ist, als man noch Lurex tragen durfte, ohne dafür ins Gefängnis zu kommen. Der Vorteil liegt darin, dass man den letzten Scheiß auf das Album packen kann, und es trotzdem noch besser klingt als irgendjemand erwarten konnte.
STEVE TYLER

LUCIANO

Tribute to the Sun
Cadenza

Tribute to the Sun, was?! Draußen vergeht der wahrscheinlich letzte freundliche Tag des Jahres und ich sitze in einem trostlosen Verschlag und bespreche die Platte dieses Sonnenanbeters im Woolworth-Ed Hardy-Look. Geht es vielleicht noch etwas ironischer? Glücklicherweise schafft es dieser Typ immer wieder, Melodien und Samples und Percussions so geschmeidig und organisch ineinander fließen zu lassen, dass achtzig Minuten in unmittelbarer Boxennähe auf deinen Endorphinspiegel einen ähnlichen Effekt haben wie ein einwöchiger Strandurlaub an der französischen Riviera.
PARA VOTTI

weiter mit DARKEST HOUR , ULME, THE HEAVY und MUMFORD & SONS

DARKEST HOUR

The Eternal Return
Victory

Neulich lief im Fernsehen wieder Some kind of Monster, die romantic Comedy über Metallica. Ich musste beim Hören des neuen Darkest Hour-Albums an die Stelle denken, an der Kirk Hammett beinahe einen Heulkrampf bekommt, weil er nicht genug Soli spielen darf. Er sagt da so was Ähnliches wie: „Soli weg lassen ist voll die Trendscheiße!” und die anderen sind betroffen. Darkest Hour haben es als eine der wenigen Bands ihres Ursprungs geschafft, sich über all die Jahre niemandem anzubiedern und in gewisser Weise unangreifbar zu sein. Die Leadgitarrenlastigkeit und die auffallend vielen Gitarrensoli auf dieser Platte nerven aber sogar bei ihnen, da kann Kirk Hammett so lange rumheulen wie er will.
SISSIE FUSS

ULME
Tropic Of Taurus
Nois-o-lution

Besonders amüsiert hat mich ein Hinweis auf dem Promozettel, der stolz hervorhebt, dass Ulme in der Wikipedia (!) als „Pioniere des deutschen Noise-Rock” bezeichnet werden. Ich meine, gebt mir zwei Minuten und Wikipedia feiert deine Oma als Pionierin des holländischen Exploitation-Pornos. Informationen sind doch heute nichts mehr wert, wenn sie nicht von einer glaubhaften Autorität verifiziert werden. Zum Beispiel von Vice, der Encyclopedia Britannica des deutschen Noise-Rock. Also: es stimmt, Ulme sind alte Hasen im Geschäft, haben aber nichts von ihrer jugendlichen Frische eingebüßt. Willkommen Zuhause.
LORD BRITISH

THE HEAVY
The House that Dirt Builts
Counter Records

Deren Debüt war noch ein überraschend dreckiger und blutverschmierter Bastard aus Garage und Soul. Dieses zweite Album wird jetzt als Weiterentwicklung vorgestellt, wobei der Entwicklungsprozess von Jimi Hendrix in Richtung Soundgarden (im besten Fall) und Lenny Kravitz (im schlimmsten) verläuft und das Ergebnis viel zu oft in dem Kessel abtaucht, in dem Mark Ronson seine dünnen Chartssüppchen anrührt. Warum diese Supermarktstreicher, warum dieser Diät-Phil Spector? Zu viele Fragen für zu wenig Antworten.
MR. PROPER

MUMFORD & SONS

Sigh No More
Cooperative Music

Mumford & Sons lassen mich an der Evolution zweifeln. Dachte, diese Art Jungs sei bereits ausgestorben. Sie vermehren sich schließlich nicht. Ja, deine Freundinnen sagen immer, sie wollen einen gefühlvollen Typen, aber wenn er dann wirklich aufkreuzt, lassen sie sich von ihm wochenlang auf Drinks einladen und steigen mit seinem Kokserfreund ins Bett, weil ihnen das pathetische Gesülze auf den Geist geht. Sagte ich pathetisch? “Aufrichtig” meine ich natürlich. Herzerweichend. Emotional. Poetisch. Entschuldigung.
YOU WONDER

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