Hashtags, Memes und Selfies – Wie der NPD-Chef auf Instagram um Follower buhlt

Ist es nur schlecht versteckte Propaganda? Oder ist Frank Franz wirklich unter die Modeblogger gegangen?

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25 September 2015, 12:38pm

Titelfoto: Screenshot: Instagram

Aufmerksamen Beobachtern wird es nicht entgangen sein: Die NPD arbeitet daran, ihr Image aufzupolieren. Der Rechte 2015 ist schon längst nicht mehr an seinem Äußeren zu erkennen. Was früher Springerstiefel, 88-Tattoos und T-Shirts germanischer Gottheiten waren, ist heute einem Erscheinungsbild gewichen, das mehr an die bürgerliche Mitte erinnert. Das Phänomen des Nipsters ist der beste Beweis dafür.

Das Phänomen, das unter Anhängern des braunen Mobs bereits nichts Besonderes mehr ist, kann man nun auch an der Parteispitze beobachten. Dort löste der Saarländer Frank Franz im vergangenen Oktober Udo Pastörs als Parteivorsitzenden ab. Franz verkörpert alles, für was die „neue NPD" steht: Er ist jung, arbeitete als Physiotherapeut, Programmierer und Grafiker, steht als Familienvater mitten im Leben und ist „hübsch" genug, um als Posterboy in Erscheinung zu treten. Damit ist er das Aushängeschild einer NPD, die sich nach außen gar nicht mehr so recht als grimmige Nazikameradschaft darstellen will.

Natürlich muss ein junger Senkrechtstarter wie Franz auch auf sozialen Medien vertreten sein. Einen Twitter-Account, der mit seinem Facebook-Konto verbunden ist, besitzt er bereits. Viel interessanter ist jedoch Frank Franz' Instagram-Account. Hier vermischt Franz Popkultur und Heimattreue zu einer absurden Mixtur: Fesche Outfits treffen auf Wahlkampfreden, Fotoshootings auf Hetzparolen, modernes auf rechtes Gedankengut. In seinem Beschreibungstext ist nur von „Berlin / Völklingen / Politik / Sartorialer Enthusiast / Fotografie frank-franz.de" die Rede. Sieht man nicht gerade zufällig ein Bild vor einem NPD-Plakat oder klickt auf seine Website, würde man nie auf die Idee kommen, dass es sich hier um den Kopf einer hetzenden Neonazi-Partei handelt.

Für den klischeehaften NPD-Kader dürften die Selbstdarstellungsversuche befremdlich und selbstverliebt wirken, für junge, social-media-affine Menschen aber geradezu lächerlich und grotesk. Wen genau soll das bitte ansprechen? Zeit, die #ootd- und #selfie-Versuche genauer unter die Lupe zu nehmen. Vorhang auf für @frankfranz.

Screenshot: Instagram

Vorweg: Frank Franz' Lieblingshashtags sind #menswear, #mensfashion und #mensstyle. Dass Franz ganz am Puls der Zeit lebt, wird hier schon deutlich in der Fotoperspektive. Das auf Bauchnabelhöhe befindliche Smartphone rückt für gewöhnlich Hose und Sneakers in den Vordergrund. Bei Franz im Angebot: gesinnungsbrauner Ledergürtel, enganliegende dunkelblaue Jeans und der Dauerbrenner unter den Schuhen, die Chuck Taylors. Sehr „casual".

Die Instagram-Posts von Franz zielen betont darauf ab, potentielle junge Wähler anzusprechen. Nicht umsonst hashtagt er seine Beiträge mit akribischer Mühe. Die damit erhöhte Reichweite bringt wohlmöglich junge Menschen mit Franz in Berührung, die einen adrett gekleideten Mann sehen—und nicht den Vorsitzenden einer rechtsextremen Partei.

Der Gedanke, dass viele seiner Follower beim Abgrasen eingängiger Hashtags eher zufällig über seinen Account gestolpert sind—oder womöglich sogar gekauft wurden—, drängt sich auch auf, wenn man sich seine Anhängerschaft etwas genauer anschaut. Unter den 809 Personen finden sich ungewöhnlich viele Menschen aus dem Ausland, die einigen tausend Usern folgen, ohne wirklich selbst Content bereitzustellen. Sichtbar wird die große Zahl an Bots, die Franz folgen, im Auseinanderklaffen der Follower- und Likezahlen: Teilweise knacken seine Posts trotz Hunderten von Followern nicht die 11-Personen-Marke.

Auch wenn die Interaktionen zu Wünschen übrig lassen, sind Franz' Postings bewusst und in Anbetracht seiner Agenda auch überraschend clever inszeniert. Beispiele gefällig?

Screenshot: Instagram

Dieses Foto unterstreicht den Lifestyle eines beschäftigten, sich auf Achse befindlichen Politikers sehr schön: Am Flughafen Berlin-Tegel sammelt er so viele Vielfliegermeilen wie seine Partei Negativschlagzeilen. Man ist ja wichtig, man hat zu tun. Währenddessen trinkt man dann den geschäumten Latte: hoffentlich mit Soja-Milch, ganz sicher nicht De-Caf. An Bildern wie diesem wird deutlich, wie krampfhaft hier versucht wird, das öffentliche Bild der Bier-und Stammtischparolenpartei zu drehen.

Screenshot: Instagram

Die Jugend gewinnt man mit feschen Outfits—das wissen nicht nur Modeblogger und YouTube-Stars. Auch wenn sich Frank Franz gerne mal in gemütliche Casual-Kleidung wirft, kann er seinen Fashion-Swag auch richtig aufdrehen. Sein Outfit oft the Day wird dabei ganz stilecht in Splitscreen-Collage gezeigt. Oversized Trenchoat und grau melierte Hose (hochgekrempelt natürlich)—das würde auch Sami Slimani tragen. Wir empfehlen: Franz sollte schon ganz bald den Pinroll ausprobieren, die Kombination aus schwarz-weißen Hahnentrittmuster-Socken und braunen (haha!) Budapester-Lederschuhen steht ihm ganz hervorragend.

Screenshot: Instagram

Ein Mann von Welt wie Franz muss natürlich empfänglich für Popkultur sein. Wo normalerweise Fotos von Agitationsauftritten zu sehen sind, wird diesmal eine Referenz zum mondänen Zeitgeist angeboten: Ein Selfie mit Star Wars-Bezug (schwarz und weiß versöhnt, wohlgemerkt!) vor dem Wahrzeichen Frankreichs, dem Eiffelturm. Das zeigt nicht nur Offenheit gegenüber anderen Kulturen, sondern auch die Auseinandersetzung mit Phänomenen der jüngsten Geschichte. George Lucas wanna #f4f?

Die nach außen verkörperte Weltoffenheit, zu der natürlich auch die vielen Follower aus den Vereinigten Staaten passen, wird von Franz' zweifelhaftem Musikgeschmack torpediert. Auf seinem Profil zeigt er sich als Hörer von Bands wie Jännerwein, THORE oder Leger des Heils. Bands, die unter die Kategorie des Rechtsrock fallen. Hört man sich einzelne Stücke dieser Musiker an, fällt es schwer, Franz' Weltoffenheit für bare Münze zu nehmen. Die Lieder weisen großen Hang zum Pathos auf, verbinden Heimattreue mit Kulturpessimismus, verherrlichen Vergangenes und verneinen Fortschritt. Klingt gar nicht SO kosmopolitisch.

Screenshot: Instagram

Es gibt sie dann aber doch noch. Die Momente, in denen die hippe Hashtag-Fassade Risse bekommt, und sich das wahre Antlitz des ach-so-modernen Parteivorsitzenden zeigt. Mit jemandem wie Victor Orban muss sich natürlich solidarisiert werden. Passend dazu auch jüngste Fotos, die ihn vor einem NPD-Wahlslogan zeigen und mit „Das Boot ist voll!" zitieren. Wenn ihr also Frank Franz auf Instagram entdeckt, lasst euch nicht in die Irre führen: Ihr habt es hier mit einem waschechten Rechten zu tun, dessen Instagram-Präsenz über sein wahres Weltbild hinwegtäuscht. Nur weil Frank Franz keine #whitepride-Hashtags benutzt, sondern sich als modebewusster, modernen und weltoffener Politiker nach außen darstellt, heißt das noch lange nicht, dass er es auch wirklich ist.

Was das Instagram-Profil von Frank Franz aber deutlich zeigt: Die NPD will weg vom Image des tumben Pegida-Pöblers, der „Frei! Sozial! National" skandiert und eine kahlgeschorene Glatze trägt.

Natürlich ist es dumm anzunehmen, dass jeder Neonazi von heute sturzbesoffen mit Germania Pils und Springerstiefeln bei Wutbürger-Protesten mitläuft. So sehr Frank Franz mit seiner Instagram-Präsenz auch versucht, an aktuellen Jugendthemen anzuknüpfen und dadurch neue Wähler zu gewinnen: Es zeigt auch, dass Rassismus tief im menschlichen Wesen verankert und deswegen nach außen hin nicht zwingend sichtbar ist. Heutzutage braucht er keine offensichtlichen Dresscodes oder eingängigen Symbole, um sich als Teil der braunen Brühe zu positionieren. Im Gegenteil: Die eigene Gesinnung kann hinter braven Bildchen versteckt werden. Der Rassismus von heute zeigt sich oft bei Pegida, ab und zu auf Wahlkampfreden—und manchmal hinter einem harmlos erscheinenden Selfie von Frank Franz.

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