Vor ungefähr einem Monat habe ich bei der Arbeit so vor mich hingeträumt und dabei schwirrten mir jede Menge Erinnerungen durch den Kopf. Eine handelte von einer Ex-Freundin. Ich erinnerte mich daran, wie dieses Mädchen, eine exotischeTänzerin, mich damit verblüffte, wie sie aus dem Nichts Gesichter ziehen und Körperbewegungen machen konnte, einfach so, im Vorbeigehen, das sollte witzig sein und ich bekam mich nicht mehr ein. Ich habe mich immer gefragt, wie diese Damen den Sexbombenmodus einfach an- und ausschalten können, wie sie von einem Moment zum anderen diese übersprudelnde Fontäne purer, sexy Ausstrahlung haben können, die sie, wann immer sie wollen, auf wen immer sie wollen, richten können wie eine scharfe Waffe.
Ich hatte Molly Crabapple, einer bekannten Künstlerin und professionellen sexy Lady, irgendwann mal sinnlosen Kram geschrieben und sie nun gebeten, mit diesen halbgaren Ansagen etwas Sinnvolles zu machen. Das hier ist dabei herausgekommen. – Kelly McClure
Illustration von Molly Crabapple.
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Ich war 22 Jahre alt und schwitze auf einer Go-Go-Bühne. Glitzer schmolz in meinem Ausschnitt. Eine der falschen Wimpern hatte sich gelöst und hing mir in Clockwork-Orange-Manier am Augenlied.
Der Kerl, mit dem ich was hatte, kam herein. Er hatte seine Freundin dabei, die kein bemaltes, verbrauchtes, wahnsinnig professionelles Nacktmodell war. Ich tanzte weiter und tat so, als hätte ich sie nicht bemerkt. Gegen 4 Uhr morgens, nach meinem Auftritt, stand ich in meinem Zimmer. Mein Körper sang vor Schmerz.
Langsam zog ich mir die Perücke vom Kopf, entledigte mich der Plateauschuhe, des Bustiers, der Wimpern. Je mehr ich ablegte, desto heftiger überkamen mich Schmerz und Müdigkeit. Der Berg aus Mädchenkram auf meinem Fußboden war fast so groß wie das Mädchen selbst.
Nun mein Hass auf meine Arbeit störte mich. Als Nacktmodell zu arbeiten, war manchmal gefährlich, oftmals bescheuert. Aber es waren auch jedes Mal 300 $ von größtenteils artigen Männern. Vielleicht lag es an meinen künstlerischen Ambitionen. Ich wollte selbst fotografieren und nicht länger Fotos von mir verkaufen.
Als ich meinen Job vor der Kamera aufgab, hatte ich selbst Models. Gott, ich liebe schöne Frauen. Ich kenne keine einzige Stripperin, die nicht von sich selbst glaubt, eine Philosophenkönigin zu sein.
Während ich meine eigenen Bilder verkaufte, ohne mich wirklich darum zu scheren, war ich besessen von denen der Anderen. Ich wollte ihre Schönheit malen, sie konsumieren.
Traditionell ist es ein schlechter Deal für schöne Mädchen. Sex-Appeal vergeht, aber ein Gemälde bleibt bestehen.
Du könntest eine Galerie der Puppen der Vergangenheit aufmachen. Über allem der Schriftzug: „Musen haben keine Copyrights.“
Nicht, dass Musen keine Künstler sein können. Während meiner Burlesque-Zeit wurden Amber Ray und ich Freunde. Ich war grottenschlecht. Sie war die Beste. Nacht für Nacht vollbrachte sie auf der Bühne dieser Kellerbar Magie. Sie war eine Lotusblüte, ein Pfau, ein goldener Gott.
Sie heuerte mich an, damit ich mit ihr als Promotionmodel arbeite. In Korsetts und 15 Zentimeter hohen Glitzer-Highheels und mit Perücken auf dem Kopf staksten wir über die Bühne. Am Ende des Auftritts bettelte ich darum, mich hinsetzen zu dürfen, und kratzte mich mit einem Essstäbchen am Kopf. „Du bist ein Quell der Freude“, zischte sie mir zu und sah dabei umwerfend aus. „LÄCHLE.“
Ich war nie besonders gut darin, mich als Kunstwerk darzustellen.
Als ich 23 war, hatte ich genug Kunstjobs, um das Modeln aufzugeben. Mir wurde zum ersten Mal bewusst, wie unprofessionell nackte Frauen über ihr eigenes Aussehen dachten. Es verblüffte mich. Büroangestellte zerfleischen sich selbst, weil sie nicht wie Angelina Jolie aussehen, und das, obwohl in ganz Brooklyn zig Latinas—heiß wie Jolie—in Supermärkten Sachen eintüteten.
Als Model war mein Aussehen mein Werkzeug, etwas, das ich bearbeiten und herrichten konnte, damit es einen höheren Preis erzielte. Es gab hübschere Frauen als mich, aber mein Gesicht funktionierte gut genug. Die Tatsache, dass Zivilistinnen (wie ich sie bezeichnete) sich selbst quälten, um dem von Hollywood propagierten Schönheitsideal zu entsprechen, obwohl es ihnen weder bessere Karrieren noch bessere Schwänze verschaffte, verblüffte mich.
Am Ende meiner Laufbahn als Nacktmodell besaß ich eine interessante Dessouskollektion und ich wusste, wie man mit einer Kameralinse spielt. Wie geplant hatte ich die zusammengeknüllten Zwanziger gespart und nutzte sie, um aus mir eine Künstlerin zu machen. Schlussendlich wurde ich zu einer ziemlich bekannten Künstlerin. Während ich für Magazine posierte, erinnerte ich mich der alten Regeln der Selbstdarstellung.
Das Aussehen von Frauen soll unsere Erlösung sein. Meine war es irgendwie. Aber das Aussehen ist auch der Schlüssel zu Orten, an denen Äußerlichkeiten keine Rolle mehr spielen.
Schönheit ist mächtig, weil sie gefällt. Wahre Macht bedeutet, nicht gefallen zu müssen.
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