In unserer aktuellen Ausgabe feiern wir in aller Ausführlichkeit die Auferstehung von Amebix, einer der wichtigsten Bands der britischen Anarchopunkszene der frühen Achtziger, die aber immer mehr war als nur Szene-Exponent. Seit Wochen hören wir kaum etwas anderes als „Sonic Mass“, das Album, das Amebix nun 24 Jahre nach ihrem letzten offiziellen Release aufgenommen und veröffentlicht haben. Wir sprachen vor kurzem mit Rob Miller, dem Sänger, Bassisten und Kopf der Band über dieses Album und wie es überhaupt dazu kommen konnte
VICE: Die offensichtlichste Weiterentwicklung von „Sonic Mass“ ist an der Albumproduktion messbar. Wie schätzt du aber das Songwriting auf musikalischer und textlicher Ebene im Vergleich zu den frühen Releases ein?
Rob Miller: Der gesamte Prozess entwickelte sich sehr natürlich. Wir begannen ohne eine konkrete Idee. Wir warteten eigentlich nur darauf, dass sich beim Spielen irgendein Weg herauskristallisieren würde und sind ihm dann gefolgt. Die Lyrics waren teilweise schon vorhanden und warteten nur auf ihren Einsatz. Ich bin tatsächlich sehr erstaunt, wie stimmig das Ergebnis klingt, nachdem wir so lange voneinander getrennt waren.
In der Geschichte von Amebix spielte immer auch die jeweilige Umgebung eine wichtige Rolle. Welchen Umwelteinfluss gab es bei der Produktion des neuen Albums?
Die Umwelt war extrem wichtig. Stig und ich kommen vom Land, wir haben viel Zeit in der Natur verbracht. Ruhe und Reflexion waren für die Band und die kreativen Prozesse entscheidende Bedingungen. In einem Häuschen in Derbyshire aufzunehmen hat viele dieser Erinnerungen reaktiviert und uns tatsächlich bei der Arbeit am Album sehr beeinflusst.
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Üblicherweise fehlt Bands, die sich nach längerer Zeit zu einer Re-Union entschließen, das entscheidende Moment ihrer Anfangstage. Die meisten Re-Unions sind ärgerlich und überflüssig. Warum ist das bei Amebix anders?
Weil es keine Pose ist. Wir standen immer hundertprozentig hinter unserer Musik. Das ist eine ganz eigene Dynamik, die von niemandem erzwungen oder beeinflusst werden kann. Diese Musik sind wir, im Guten wie im Schlechten.
Wie würdest du die aktuellen Ambitionen dieser Band beschreiben?
Ich fühle mich zu nichts gezwungen. Wir haben nichts mit dem Musikbusiness oder dem Alltag einer Rockband zu tun, wir müssen nicht in diese Routine aus Touren, Albumproduktion, Promotion, Tour usw. Wir bewegen uns außerhalb dieses Zirkus. Wir können morgen aufhören oder neues Material schreiben. Wer weiß das schon?
Amebix’ Sonic Mass ist bei Amebix Records erschienen.