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Megaloh ist eine Mischung aus Sheldon Cooper und dem Yogibär

Megaloh hat seinen Glauben wiedergefunden. Deshalb könnte ihm mit seinem neuen Album nun endlich der lang erwartete Durchbruch gelingen.
12.2.13

Fotos: Tobias Hoffman / PhyreWorX

Anfang März erscheint das Album Endlich Unendlich von Megaloh. Einige werden Megaloh wohl erst seit letzter Zeit auf dem Radar haben. Doch der Yogibär des Deutschen Rap ist schon eine ganze Zeit Im Game. Nachdem er Anfang der 2000er schon einmal für eine Menge Aufmerksamkeit bei Rapfans und -Kritikern gesorgt hatte, wurde es ruhig um ihn und nicht nur in Moabit wurde immer häufiger die Frage gestellt, wo Megaloh ist und wann er wiederkommt.

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Über einige Jahre wurde er immer wieder aufs Neue als der Newcomer im Rap bezeichnet. Doch der große Wurf blieb aus. 2010 dann mit der Monster EP ein Lebenszeichen von Megaloh, ist er wieder da, kommt er zurück? Neue Hoffnung keimte auf und viele Menschen haben sich gewünscht, dass er jetzt endlich mal den next step schafft. Dann ging es relativ schnell einen Part auf der Rapversion von Joy Denalanes „Niemand" mit Max Herre und Samy Deluxe, eine Vertragsunterzeichnung bei Nesola, ein Part auf dem Max Herre Album, Voract auf der Max Herre Tour und ein Interview mit Noisey. Damit sollte es Megaloh also endlich gepackt haben.

Noisey: Welche Bedeutung hat der Titel des Albums Endlich Unendlich für dich?
Megaloh: Zum einen hat das die Bedeutung, dass das Album endlich nach vielen Jahren des Wartens von Fans und auch von meiner Seite aus endlich da ist. Zum anderen bezeichnet es einen Moment an sich und das Album ist ja auch eine Momentaufnahme, wie alles eine Momentaufnahme ist, ein Moment ist endlich, hat aber trotzdem potenziell unendliche Auswirkungen auf folgende Momente. Sei es bei einem selber oder auch bei anderen Leuten. So sehe ich das Album, ich habe für mich mit etwas abgeschlossen, aber es wird mit Sicherheit noch Auswirkungen auf mein späteres Leben und vielleicht auf das Leben der Hörer haben.

Bei dem Titel Endlich Unendlich musste ich an Tod und an Erlösung denken.
Es ist ja auch ein bisschen Erlösung. Aber die Unendlichkeit überwindet ja den Tod. Der Tod schwingt klar mit, gerade beim Begriff endlich, das Leben ist nun mal endlich, aber es erneuert sich ja auch immer wieder und dadurch kommt es halt drüber hinaus.

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Gerade Rapper tun sich ja immer schwer damit zu ihrem Arbeitsleben zu stehen. Auf dem Song „Loser” hast du sehr autobiographisch dein tägliches Leben abgebildet. War das leicht für dich?
Am Anfang hat mich das ein bisschen Überwindung gekostet, weil das so jetzt wahrscheinlich noch keiner vorgemacht hat. Es ist ja leichter sowas zu machen, wenn man schon irgendwelche Referenzen hat. Als ich das Album angefangen habe, war es mir aber einfach wichtig, meine Geschichte zu erzählen. Ehrlich währt am längsten und ich wollte etwas schaffen, mit dem ich in 20 Jahren immer noch zufrieden sein kann. Ich habe halt einfach Ehrlichkeit gewählt und bei dem Song geht es um mein tägliches Leben, das ich jetzt immer noch lebe, auch wenn das Album fertig ist. Ich stehe immer noch Montag bis Freitag jeden Morgen um vier auf und gehe zur Arbeit, aber es bleibt ja trotzdem noch genug Zeit für die Musik und Privates. Das ist ja bei anderen Leuten auch nicht anders und da ich mit dem Album generell etwas mit den Leuten teilen möchte, dachte ich, dieser Song ist ein ganz guter Einstieg. Die Leute sehen, der Typ geht durch ähnliche Probleme wie wir auch, selbst wenn man nicht um vier Uhr aufstehen muss. Die meisten Leute kennen einfach diesen täglichen Schweinehund, den man morgens überwinden muss, um seine Sachen in den Griff zu bekommen.

Wann wird Privates zu privat?
Es gibt einfach schon private Themen und man muss die Leute nicht zu tief an allem teilhaben lassen. Voyeurismus ist ja ein ganz großes Ding in der Gesellschaft und die Leute wollen immer Skandale und irgendwelche privaten Eskapaden hören. Manche Thematiken sollte man nur anschneiden und dann jedem überlassen, wie er selber dann damit umgeht. Zum Beispiel habe ich einen Song auf meinem Album, der heißt „Vaterfigur”, auf dem geht es um meine Rolle, Kinder mit zu erziehen, die nicht meine sind. Und natürlich könnte ich da auch sehr private Geschichten auspacken, aber das geht keinen was an. Und bei dem Song ging es mir auch mehr darum, den Leuten die Essenz mitzugeben: Dass es einfach wichtig ist für Kinder da zu sein und dass ein Vater, der nicht für seine Kinder da ist, darüber nachdenkt oder auch eine Mutter, die alleinerziehend ist vielleicht noch mal Hoffung hat, dass es Typen da draussen gibt, die die Rolle übernehmen.

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Du hast dich eine Zeit lang aus der Raplandschaft zurückgezogen und ich würde behaupten, gerade in dieser Zeit ist sehr viel passiert. Es gibt gefühlt eine ganze neue Generation von Rapfans. Ist das mit „Loser” jetzt auch sowas wie ein Schnitt? Die Leute, die dich von deinen älteren Sachen noch kennen, haben dich sicher auch anders wahrgenommen.
Ja, das ist richtig. Wobei ich denke, dass das trotzdem zusammenpasst, weil das alles ich bin. Ich habe früher einfach eine arrogantere Herangehensweise, an das was ich präsentiere, gehabt. Beim Rap möchte man ja auch immer der Beste sein und das will man den Leuten auch zeigen. Ich musste durch Rückschläge lernen, dass der Erfolg sich nicht so schnell eingestellt hat, wie ich das gehofft habe. Ich musste meine Ziele neu orientieren und gucken, was der wirklich Grund ist, warum ich das überhaupt mache. Bestimmte Sachen, wie zum Beispiel sich selbst zu beweihräuchern wurden immer unwichtiger für mich, es ging immer mehr darum Sachen zu sagen, die nachhaltig wirken und anderen Leuten helfen können.

Du hast gerade gesagt, du machst immer noch deinen Vollzeitjob, aber hat sich schon was verändert, seitdem du mit Universal zusammenarbeitest?
Ich habe jetzt zumindest eine musikalische Perspektive. Eine Plattform geboten bekomme auf der ich die Musik so machen kann, wie ich sie machen möchte und ich bekomme die Möglichkeit, mehr Leute zu erreichen, als ich bisher erreichen konnte. Ich bin darüber sehr dankbar. An meiner finanziellen Situation hat sich bis jetzt noch nichts geändert. Man bekommt ja von außen immer ein verzerrtes Bild, wenn man Künstler in Videos sieht und die dort immer verschiedene Klamotten an haben. Ich habe diesen Job noch und ich würde ihn nicht haben, wenn ich ihn nicht bräuchte.

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Max Herre hat dich ja bei Nesola unter Vertrag genommen. Du rappst auf deinem Album auch: „Ich häng mit meinem Mentor.” Ich denke mal, es ist für dich ein erheblicher Unterschied, ob dich jemand signt, den du als Musiker respektierst oder ob es jemand ist, der nur an seinem Schreibtisch sitzt.
Das ist eine spannende Frage. Ich war früher sehr beratungsresistent und wollte die völlige Kontrolle haben und der Chef meiner Sachen sein. Das bin ich auch nach wie vor, aber Max hat im Gegensatz zu anderen Rappern eine Ausnahmeposition. Er ist aus dieser Rapcompetition einfach ein bisschen rausgenommen, er ist ein gestandener Musiker, der weiß, wie man Songs schreibt, die größer als Rap sind. Von der Hinsicht kann ich auch noch sehr viel von ihm lernen und bin sehr froh darüber, dass er mir die Gelegenheit gegeben hat meine Musik auf Nesola rauszubringen. Auf dem Song mit ihm, auf dem ich ihn als Mentor bezeichne, ist das, wie vieles bei mir, eine Doppeldeutigkeit. Man kann darunter Max verstehen, man könnte aber auch den allmächtigen Schöpfer darunter verstehen.

Die Songs auf deinem Album vermitteln mir zum Teil den Eindruck, dass Religion für dich eine wichtige Rolle spielt.
Glaube spielt für mich eine wichtige Rolle, wichtiger als Religion. Ich denke, mit Religion braucht man einen verantwortungsvollen Umgang. Ich lese auch viel und interessiere mich auch für Religion und habe in der Vergangenheit versucht, mir meine Essenzen rauszuziehen. Ich bin nicht tief in der Thematik, aber das Internet gibt einem ja die Chance sich ein bisschen zu belesen. Ich bin aber der Meinung, dass mich Religion begrenzt. Ich bin katholisch erzogen worden und bin getauft. Glauben habe ich nie abgelehnt, aber Religion und bestimmte ausführende Institutionen, die mit Religion arbeiten, kann ich nicht gutheißen. Glaube ist etwas sehr wichtiges. Ich denke Glaube bringt einen dazu, wenn man richtig damit umgeht, nie still zu stehen und immer weiter nach etwas zu forschen und Forschung bringt ja Wissen. Ich denke, um Wissen anzusammeln, braucht es auch immer einen gewissen Glauben, Triebkraft.

Hast du den Glauben auch gebraucht, um wieder zum Rap zu kommen?
Ich hatte den Glauben auf jeden Fall verloren. Der hat sich dann aber so wieder eingestellt, dass ich einfach nicht aufhören konnte zu rappen, also für mich. Ich habe dieses Ventil einfach gebraucht und habe dann 2010 angefangen, mehr Texte zu schreiben, in denen ich meinen Frust oder meine Gefühlslage aufgeschrieben habe. Das habe ich in der Vergangenheit fast gar nicht gemacht. Darüber ist die Begeisterung und der Glaube wieder gekommen.

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Mal eine ganz andere Sache: Musst du kiffen, um schreiben zu können?
Nein. Also ich schreibe lieber damit, weil ich dann länger Lust habe zu schreiben. Ich kann dann stundenlang an einem Text sitzen, ohne dass mir langweilig wird und bin dann tief drin. Auf der anderen Seite, ohne zu kiffen kann ich einen Text fünfmal so schnell schreiben, aber ich habe halt auch fünfmal so schnell keinen Bock mehr. Es kommt drauf an, es geht auf jeden Fall beides. Selbst wenn es für einen Routine ist, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und man hat in seinem Leben nur mit Kiff geschrieben, sollte man unbedingt mal ausprobieren, das ohne zu machen.

Du rappst: Auf der Suche nach dem perfekten Text. Was ist ein perfekter Text für dich?
Ein Text bei dem alles stimmt. Jeder hat da sein eigenes Beurteilungsmuster, aber für mich muss es halt technisch, inhaltlich und musikalisch makellos sein. Das ist natürlich auch Geschmackssache, aber für mich ist der Text perfekt, wenn ich ihn fertiggestellt habe und er makellos ist. Ich bin im nachhinein aber nie ganz so zufrieden und glaube immer, dass es noch besser geht. Perfektion ist halt ein Streben und nichts, was wirklich erreicht werden kann, genau wie Unendlichkeit, aber man kann es anstreben.

Hast du für dich persönlich perfekte Texte auf dem Album?
Ich habe auf jeden Fall 100% reingesteckt, das würde ich sagen. Ich bin auch mit dem Werk, wie es ist, vollkommen zufrieden.

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Es gibt einen Song auf deinem Album, der heißt „Yogibär”. Hat der Song überhaupt einen Bezug zu dem Comic?
Ich mag sehr gerne Bilder und Yogibär ist halt ein riesiger, gemütlicher Bär, der nichts lieber macht, als den Leuten die Picknick-Körbe zu klauen und das ist meine Herangehensweise an den Song.

Yogibär sagt: „I'm smarter than the average bear”. Würdest du also auch sagen: I'm smarter than the average rapper?
Genau das war gemeint. (grinst)

Morgen erscheint das kostenlose Mixtape Auf Ewig auf Megalohs Facebook Seite. Auf dem Mixtape rappt er auf alte Deutsch Rap Klassiker von Curse („Wahre Liebe"), Freundeskreis („Esperanto") und einige mehr. Hier gibt es den Teaser.

Am 8. März folgt das Album Endlich Unendlich auf Nesola / Uninversal. Hier vorbestellen.

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