Menschen

Diese Mitbewohner kommen direkt aus der Hölle

"Oh, ich dachte eben schon, dass eine brennende Matratze an meinem Zimmer vorbeigeflogen ist."
23 Januar 2020, 11:19am
Ein Flusskrebs steht vor einer Frau in Badelatschen
Illustration von This Is Gary

Als ich einmal nach Hause kam, hockten einige meiner Mitbewohner nackt und angekettet an unserem Gartenzaun. Sie hatten es anscheinend für eine gute Idee gehalten, in unserer sehr familienfreundlichen Nachbarschaft flitzen zu gehen, und waren festgenommen worden. Die Polizei hatte sie vorübergehend mit Handschellen an unseren Gartenzaun gefesselt, während sie im Haus nach weiteren Flitzern suchte. Das klingt jetzt vielleicht witzig, fand ich damals aber nicht so.

Wenn du studierst, stehen die Chancen nicht schlecht, dass du in einem chaotischen Wohnheim oder einer WG mit zu vielen Leuten landest. Alle sind pleite, niemand hat Ahnung von Hygiene oder generellen Grundregeln des menschlichen Miteinanders. Einfach ausziehen kannst du aber auch nicht, weil der Wohnungsmarkt so kaputt ist wie dein Schlafrhythmus. Um dich etwas aufzumuntern, haben wir ein paar Mitbewohnerstorys gesammelt, gegen die euer Putzplan-Gezanke harmlos erscheint. Schau, es könnte alles noch schlimmer sein. Viel schlimmer.


VICE-Video: Dieser Berliner hat ein ganzes Zimmer als Bällebad


Ein Mitbewohner namens Gabber

Ich wohnte im dreizehnten Stock eines gigantischen Studierendenwohnheims. Mein Flurnachbar war ein Typ, den alle nur Gabber nannten. Er war Ende 30, immer besoffen, ständig bekifft und generell ein bisschen komisch. Eines Nachts kam ich mit einem Freund von einer Party nach Hause. Wir hatten Ecstasy genommen und waren entsprechend verstrahlt. Als wir in meinem Zimmer saßen, sahen wir plötzlich Rauch unter meiner Tür durchkommen. Als ich die Tür öffnete, um nachzuschauen, stand ich sofort in einer dichten Rauchwolke. Inzwischen war auch der Feueralarm angegangen und alle Mitbewohner waren auf den Flur gekommen.

Es war nicht schwer, den Brandherd ausfindig zu machen. Unter Gabbers Tür quollen dicke Rauchwolken hervor. Die Tür war allerdings noch verschlossen. "Scheiße, der ist tot", dachten wir. Aber wir klopften und Gabber öffnete die Tür. Nein, in seinem Zimmer brenne nichts, sagte er und knallte die Tür zu. Aber wir alle hatten hinter ihm Flammen gesehen, definitiv, und gerieten in Panik. Wie wild hämmerten wir gegen seine Tür. Als er endlich aufmachte, haute ein Mitbewohner ihm kurzerhand eine rein, damit wir ins Zimmer konnten. Als wir dann drin waren, brannte tatsächlich nichts mehr.

Jetzt war auch die Feuerwehr da, schaute in Gabbers Zimmer und ging wieder. Ich rief meinen Nachbar von unten an, um ihm die Story zu erzählen. "Oh, ich dachte eben schon, dass eine brennende Matratze an meinem Zimmer vorbeigeflogen ist." Wie sich herausstellte, war Gabber mit einer brennenden Zigarette im Mund eingeschlafen und hatte dabei seine Matratze in Brand gesteckt. Weil er den Feueralarm nicht auslösen wollte, hatte er die Matratze kurzerhand aus seinem Fenster geworfen, aus dem dreizehnten Stock wohlgemerkt. Es war schon der dritte Brand in seinem Zimmer. Alle waren stinksauer auf ihn, aber rausgeschmissen haben wir ihn trotzdem nicht. Ich glaube, er lebt heute noch da. – Marloes, 28

Ein Flusskrebs namens Larry

Ich teile mir eine große Wohnung mit vier Mitbewohnerinnen. Vor einigen Monaten fand eine von ihnen auf dem Bürgersteig einen Flusskrebs. Wir werden nie wissen, ob er vom Fischmarkt geflohen oder aus einem Kanal gekrochen war. Jedenfalls entschied sich meine Mitbewohnerin dafür, das Tier zu retten – beziehungsweise, was sie darunter verstand. Als ich nach Hause kam, wurde ich darüber informiert, dass wir einen neuen Mitbewohner hätten. Der Flusskrebs, inzwischen Larry getauft, ist etwa 15 Zentimeter lang und hat zwei große Zangen. Er wohnt in einer Tupperschale in unserem Wohnzimmer.

Das Problem ist nur, dass Larry ständig ausbüchst und dann durch die Wohnung wandert. Meine andere Mitbewohnerin ist ihm einmal nachts begegnet und wäre fast auf ihn draufgelatscht. Sie ist ausgerastet und es gab einen großen WG-Streit darüber, ob Larry bleiben darf oder sich eine andere Bleibe suchen muss. Ich hatte Mitleid mit dem Krebs. Unsere Wohnung ist offensichtlich kein guter Ort für ihn und auch ein bisschen gefährlich. Also schlug ich vor, dass wir ihn in der Wildnis aussetzen. Meine Mitbewohnerin weigerte sich vehement. Sie habe eine emotionale Verbindung zu dem Tier. Seitdem wohnt Larry bei uns. Ich beobachte oft, wie meine Mitbewohnerin versucht mit ihm zu kuscheln, während Larry versucht, sie mit seinen Zangen zu kneifen. Es ist einfach nur bizarr, aber sie will nicht aufgeben. – Allessandra, 23

Besoffen, hungrig und brandgefährlich

Eines Nachts kam meine Mitbewohnerin betrunken und hungrig von einer Party nach Hause. Aus Mangel an Alternativen beschloss sie, sich Tiefkühlkroketten zu machen. Anstatt sie allerding, wie vorgesehen, auf einem Blech in den Ofen zu schieben, schmiss sie die Teile ohne Öl in eine Pfanne, drehte den Herd auf Volldampf und schenkte sich noch einen Wodka ein. Aber plötzlich fing ihr unseliger Krokettenhaufen Feuer. Die Flammen schossen bis zur Küchendecke. Wir warfen sofort ein Handtuch drüber, wie man es aus diesen Brandschutzvideos kennt, aber auch das ging direkt in Flammen auf.

Mit einem Eimer Wasser schafften wir es schließlich, ihre Kroketten zu löschen. Der Verlust ihres Snacks nahm meine Mitbewohnerin am Ende aber mehr mit als das Inferno, das sie in unserer Küche angerichtet hatte. Sie versuchte anschließend noch, das Innere der rabenschwarzen Kroketten zu essen. – Maria, 28

Nackt (und vielleicht tot) auf dem Balkon

Meine Mitbewohnerin sperrt sich häufig auf ihrem Balkon aus, gerne nackt oder in Unterwäsche. Sie geht zum Rauchen raus und macht geistesabwesend die Tür hinter sich zu. Auch im Winter. Wenn ich dann unterwegs bin, egal ob Date oder Party, ruft sie mich an und fragt, ob ich kommen und sie retten kann. Draußen sind es zwei Grad minus, natürlich muss ich los. Niemand will eine tote, nackte Mitbewohnerin mit Zigarette zwischen den blauen Lippen auf dem Balkon. Wenn ich dann endlich ankomme, ist sie sie oft schon grenzwertig unterkühlt und ich packe sie in Decken und wärme sie wieder auf. Zum Glück nimmt sie ihr Handy zum Rauchen mit raus. – Kriztina, 28

Die eskalierte Überraschungsparty

Vor zwei Jahren entschloss sich mein Mitbewohner, mir zum Geburtstag eine Überraschungsparty zu organisieren. Als ich spätabends nach Hause kam, war unser Treppenhaus vollgekotzt und die Wohnungstür stand sperrangelweit offen. Drinnen lief ein streunender Hund zwischen Menschen herum. Ja, ich war definitiv überrascht, wenn auch nicht gerade begeistert.

Mindestens 80 Leute waren in unserer Wohnung, die meisten davon hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Die Party war komplett außer Kontrolle geraten. Offensichtlich. Ein paar Tage später bekam ich eine E-Mail von meinem Vermieter. Darin stand was von Erbrochenem und Lärm, dutzende Menschen hätten sich bei der Polizei beschwert. Wir mussten 200 Euro zahlen. Das war scheiße, aber nicht so beschissen, wie Kotze und benutzte Kondome vom Boden und den Wänden zu kratzen. – Ati, 23

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