Arman Nafeei verbindet Kunst, Mode und Musik

Foto: Derrick Leung

In der Stratosphäre der Musikindustrie gibt es immer wieder Persönlichkeiten, die hinter dem glänzenden Licht der Bühne arbeiten und im Dunklen ihre Spinnenfäden ziehen, und damit meine ich nicht dubiose Plattenbosse oder anspruchslose Roadies. Arman Nafeei ist einer von ihnen. Der gebürtige Kölner war eigentlich ein ganz normaler Student aus London, der nebenbei als DJ jobbte und Soundscapes für Kunstausstellungen erschuf. Dass er das hervorragend konnte, brachte ihm den Job als Berater für „Sound Design und Music Branding” im gehobenen The Standard Hotel in New York ein.

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Doch damit nicht genug, aktuell bucht der italienische Modekonzern Giorgio Armani Nafeeis Dienste im selben Metier. Wir haben mit ihm über die Verbindung der Kunst-, Mode- und Musikwelt, sein Tête-à-tête mit James Murphy und über die elektronische Musikrevolution in den Staaten geredet.

Noisey: Ich habe im Internet dieses Foto mit dir und Ex-LCD-Soundsystem-Frontmann James Murphy gesehen. Erzähl mal die Story dazu!
Arman Nafeei: Ich habe damals für Fendi ein Event im Top of The Standard in New York mitorganisiert und das Booking gemacht. Neben Lykke Li als Liveact, hatten wir James Murphy als DJ gebucht. Das war schon eine Ehre back to back mit einem meiner Idole aufzulegen. Wir hatten viel Spaß dabei, ein echt witziger Typ, der ein unglaubliches Archiv an Disco-Platten dabei hatte.


Foto: Gavin Doyle / Save The Society

Und was hat es mit diesem Facebook-Titelbild von dir als Michael Jackson-Verschnitt auf sich?
Das ist eher als Scherz gedacht gewesen, Romain Leroy, ein Art Director aus New York und ich kreieren immer Einladungen mit Humor, da uns Einladungen allgemein viel zu Ernst rüberkommen. Und da war das Thriller-Cover dran, für einen Abend im Kingsize.

Was sagst du als ehemaliger Bar 25-DJ endgültigen Durchbruch elektronischer Musik in den Staaten? Ein Trend, der bald wieder abflaut oder katapultiert das das Musikbusiness vollkommen aus der Matrix?
Erstmal: Offiziell habe ich nie in der Bar aufgelegt, eher Afterhour B2B, dafür war ich aber öfters ganz offiziell schwimmen… Aber zur Musik: Die Elektronische Musik ist momentan aus kommerzieller Sicht in ihrer Blütezeit, besonders weil die USA das Genre für sich entdeckt hat. Allein dass die New York Times vor kurzem darüber berichtet hat, dass die großen DJs Ibiza verlassen und den Sommer in den Mega Clubs von Las Vegas verbringen, sagt schon einiges darüber aus. Die Musik unterwandert zur Zeit einen ähnlichen Werdegang wie zum Beispiel Rock oder Hip Hop in den 90ern.

Allein die Diskussion, die durch das Resident Advisor Video von Nina Kraviz, mit der berühmt berüchtigten „Bathtub Scene” entstand, fand ich absurd. Dass sich ein Greg Wilson oder ein Maceo Plex öffentlich so darüber aufregten war unnötig. Nina ist eine talentierte Produzentin und DJ, dass sie dabei auch noch gut aussieht, ist ihr Bonus. Dass die Industrie (inklusive RA) das für sich ausnutzt, ist doch normal, davon profitieren beide Seiten. Ob dass fair gegenüber anderen Künstlern ist, ist eine andere Frage—aber Sex sells.

Macht es das für dich einfacher, dass du in Europa diese Entwicklung schon einmal mitgemacht hast?
Die kommerzielle Bewegung in Europa entstand meiner Meinung nach in den 90ern mit French House, aber wenn man das mit dem heutigen amerikanischen Kommerz vergleicht, sind da Welten dazwischen. Die Musik von heute hat es auf US College Kids abgesehen, die noch nicht so anspruchsvoll sind, da ihnen einfach der musikalische Hintergrund fehlt, den wir in Europa haben. Wer weiß, vielleicht werden sie bald hinter den Kommerz hören und ihre eigenen Wurzeln aus Detroit entdecken.

Was hältst du von Skrillex?
Musikalisch nichts. Als One-Man-Business aber sehr viel: Er hat den Zeitgeist für sich eingenommen, perfektioniert, gleichzeitig elektronische Musik hoffähig gemacht und einige Grammy’s dabei abgestaubt—das muss ihm erstmal einer nachmachen.

Wo liegt der größte Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Ravern?
Die Deutschen oder Europäischen Raver gehen viel tiefer in die Musik hinein, es geht viel mehr um einen Journey als ums Feiern an sich. Ich war mal bei einem Deadmau5 Konzert in NY… Ich dachte ich wäre bei einem Highschool-Karneval gelandet. Ganz viel Krach, Strobos und Neonschminke.

Was hörst du privat, wenn du mal nicht auflegst?
Einiges, aber neben Zeitgenössischem wie Atoms for Peace, Blue Hawaii und Surahn, eben viel 60er Jahre Worldmusic aus Afrika und dem Orient, man entdeckt da immer wieder viel Bekanntes.

Wie wird man eigentlich bei Giorgio Armani Berater für „Sound Design und Music Branding”?
Seit ich als Musik-Direktor fürs Standard Hotel in NY arbeite, sind einige Firmen auf mich zugekommen, unter anderem Giorgio Armani. Und so hat es angefangen, dass ich Luxusmarken für Events, Onlineprojekte oder Special Products berate.

Welche Aufgaben übernimmst du denn bei Giorgio Armani?
Es geht erstmal darum, eine Musikidentität für die Marke zu kreeiren und die Musik dann als Kommunkationsmittel zu benutzen. Musik wird im Marketing immer wieder unterschätzt und nur als Unterhaltung angesehen. Man fokussiert sich viel zu stark aufs Visuelle und lässt die Macht des Unterbewusstseins dabei unbeachtet. Ich war überrascht, als wir vor einem Jahr einen Armani-Spotify-Account eröffneten und ich herausfand, dass wir die erste Luxusmarke auf Spotify überhaupt waren.

Woher kommt diese Verbindung zwischen Musik und Mode?
Mode und Musik sind und waren schon immer unzertrennbar, beide Seiten leben voneinander. Ich habe immer in der Mode und Kunstwelt gearbeitet, gleichzeitig aber mich mit Musik beschäftigt. Irgendwann hab ich mir dann meine kleine Nische geschaffen und die drei Welten verbunden.

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