Popkultur

Der Beulenmeister

Harold Ivey ist ein liebenswürdiger alter Mann, der leatheroaks.org betreibt, eine Website, die seiner gewaltigen, Jahrzehnte alten Liebesbeziehung zu Leder gewidmet ist. Es steht außer Frage, dass auf Leder zu stehen einer der unspannendsten Fetische überhaupt ist, aber was Harold vom Rest der Trottel auf der Folsom Street Fair unterscheidet, ist die schier unglaubliche Menge an Lederklamotten, die er besitzt, und die Tatsache, dass er einen Großteil davon selbst geschneidert hat. Er ist außerdem der Erfinder des JockUps, eines selbst genähten Suspensoriums mit gewaltigen, aufeinandersteckbaren Schalen, die dein mickriges Mittelgebirge in ein mächtiges Massiv der Männlichkeit verwandeln.

Vice: Mir gefällt die Navigation auf deiner Seite. Um vor- oder zurückzugehen, klickt man auf ein Foto von einem Jockstrap, dessen Wölbung entweder nach rechts oder links zeigt. Ist das dein eigener Prengel oder ein Standardschwanz?
Harold Ivey:
Na ja, das Wort Prengel würde ich nicht benutzen. Das war übrigens eines meiner Lieblingsledersuspensorien. Es war eines der ersten, die ich gemacht habe.

Was hast du gerade an?
Ich trage einen Squirmsuit. Der wurde für den Typen gemacht, der rubberzone.com betreibt. Sein Spitzname ist Squirm, weil er immer in Gummi rumläuft und meistens auch in Bondageklamotten. Im Prinzip ist es nur ein Neoprenanzug für Triathleten. Ein einteiliger Anzug, der vom Hals bis zu den Knöcheln reicht. Er ist einfach nur sehr, sehr bequem. Man spürt zu jeder Zeit das Gummi—den engen Kontakt am ganzen Körper. Außerdem trage ich mit Begeisterung Wathosen. Die machen so ein tolles Geräusch, wenn man sich darin bewegt.



Oh ja, es gibt auf deiner Seite ein Video, in dem zwei oder drei Männer dich am ganzen Körper mit Wathosen schlagen, während du in einem Neoprenanzug auf einem Wasserbett liegst. Was genau gefällt dir so sehr an Wathosen?
Wathosen haben für mich etwas sehr Emotionales. Es gibt eigentlich nichts, was ich an ihnen nicht mag. Sie fühlen sich fast am ganzen Körper einfach gut an, wenn die Situation stimmt.

Wo, außer an den Beinen, trägst du sie denn noch?
Der Stiefelabsatz fühlt sich in der Achselhöhle fantastisch an. Man sollte nur sichergehen, dass keine Steinchen oder andere Sachen dran sind. Manche dieser Absätze sind so toll, die passen da genau rein, weißt du?

Ich glaube schon. Du machst auch deine eigenen Lederoutfits, stimmt’s?
Ja, sehr viele sogar. Wenn es im Handel irgendwas gibt, das mir gefällt, ist es viel einfacher, es zu kaufen. Aber wenn ich eine Idee für etwas habe, das es nicht gibt, dann kann ich das für gewöhnlich selber machen.



Was ist das interessanteste Kleidungsstück, das du gemacht hast?
Das hängt davon ab, wer fragt. Das wahrscheinlich größte Projekt, das ich je durchgeführt habe, war die Herstellung eines Offiziersfliegeroveralls. Ich war 42 Jahre bei der Air Force und eine junge Praktikantin kam irgendwie an einen sehr abgenutzten Fliegeroverall eines Offiziers ran. Sie lieh ihn mir und ich entwarf meine eigene Version aus lila und grünem Leder. Ich hab in meiner Freizeit sechs Monate an dem Ding gesessen. Er passt immer noch.

Was trägst du im Sommer?
Im Sommer trag ich nicht viel mehr als einen Lederbikini. Weißt du, was ein Durag ist?

Ja.
Die gibt es auch aus Leder. So was trag ich und vielleicht einen Gewichthebergürtel oder einen Werkzeuggürtel für Monteure. Das ist meine Sommeruniform, solange ich nicht irgendwo hin muss, wo es die Mindestanforderungen an die Bekleidung unterschreitet.



Ich weiß, dass du ein Kirchengänger bist. Was trägst du an Sonntagen?
Meistens eine Motorradkombi aus Leder.

Was halten die Leute in der Kirche von deiner Art, dich anzuziehen?
Na ja, aus einer episkopalen Kirche wurde ich schon rausgeschmissen, weil der Priester meinte, ich würde zu viel ausbeulen. Eigentlich wurde ich weniger rausgeschmissen, als rausgewählt.

Wow. Wie stark hast du denn ausgebeult?
Nun, ich entwerfe und benutze JockUps. Ich war immer der Auffassung, dass Frauen Titten haben und Männer ein Gemächt. Es sollte nicht versteckt werden, es sollte hervorstechen—auf geschmackvolle Weise. Das explizite zur Schau stellen von Genitalien mag ich nicht. Das find ich geschmacklos.



JockUps sind diese gigantischen Kunststoffschalen, die du auf deiner Seite verkaufst, oder?
Ja. Die kann man aufeinanderstecken. Was mich auf sie brachte, ist, dass, wenn man mit einem anfängt—mit der richtigen Größe, sodass es genau auf deine Wölbung passt—die Innenseite des Bechers in intimem Kontakt mit dir steht. Die Schale wird von einem Jockstrap in Position gehalten, sodass es sich immer, wenn man irgendwo außen an den Jockstrap fasst, anfühlt, als würde man sich intim berühren. Wenn man mehrere von ihnen verwendet, hat man immer noch dieses Berührungsempfinden überall.

Du trägst also mehr als einen JockUp auf einmal?
Momentan trage ich zwei, glaube ich. Ich hab auch schon mal vier getragen.

Man würde meinen, dass einen das unempfindlicher macht.
Das stimmt. Und bei den dickeren, die ich mache, aus dem sogenanntem „Knuckle Foam“, kann man ein Lederpaddel nehmen und einem voll ins Gemächt schmettern. Das fühlt sich großartig an. Es schickt dich nicht flach auf den Boden. Es ist ein wunderbares Gefühl.



Ich glaube mein Lieblingsanzug auf deiner Seite ist der grüne mit den Gurten und dem lustigen Hut. Kannst du mir sagen, was es mit dem Ding auf sich hat?
Oh! Das ist der „Melon Foam“. Ausgangsmaterial waren 75 mal 180 cm große Matten, die man unter Schlafsäcke legt, und ich hab sie einfach nach meinen Vorstellungen zurechtgeschnitten. Falls du dich mit Zeichentrickfilmen aus den 80ern auskennst, He-Man hatte ein Outfit, das genauso aussah. Exakt das Foto findet sich auf icanhascheezburger.com, der Spottinternetseite. Alle haben versucht zu erraten, was das Emblem auf dem Schild ist. Kriegst du’s raus?

Sind es zwei Schlangen?
Es sind ein Schwanz und Eier. Das ist der Tom of Finland Foundation nachempfunden. Es ist eins ihrer Embleme. Niemand ist drauf gekommen, was mir vorschwebte, als ich das gemacht habe. Wirklich enttäuschend. Übrigens soll die Mütze, die ich trage, wie ein grüner Laubfrosch aussehen.

INTERVIEW JONATHAN SMITH
FOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON HAROLD IVEY

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