Libyen ist ja im Moment dabei den Umsturz zu wagen. Aber damals, im August 2010, als wird das Land besuchten und dabei festgenommen wurden, war die Lage etwas anders.
Es ist unfassbar schwierig überhaupt nach Libyen einzureisen. Seitdem Mohammar al-Gaddafi durch einen Putsch im Jahr 1969 das Land mit eiserner Faust regiert war er damit beschäftigt, Libyens Ölreserven zu nutzen, um den Einfluss Libyens über Nordafrika auszudehnen.
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Das Land versuchte sich 2010 der internationalen Gemeinschaft wieder etwas anzunähern und sein beschissenes Image etwas aufzubessern. Ein Schritt in diese Richtung war eine von Gaddafi organisierte Jugendkonferenz, die in Tripolis stattfinden sollte. Wir wollten schon immer mal nach Libyen und als Shane Smith von dem Event erfuhr, akkreditierte er sich also sofort und nahm an den Festlichkeiten teil.
Was eigentlich als offene Veranstaltung für die Jugend der Welt angekündigt war, verwandelte sich aber sehr rasch in ein offensichtliches Propaganda-Symposium, bei dem die Redner ihre pro Gaddafi Slogans rausfeuerten und sich in Anti-Zionistischer Rhetorik ergingen. Es wurde deutlich, dass das alles nur dazu diente, Gaddafis Ziel zu bewerben, eine Art „Vereinigte Staaten Afrikas“ zu errichten, mit einer einheitlichen Währung und natürlich regiert von Gaddafi höchstpersönlich.
“Als wir ankamen war alles vollkommen unorganisiert”, erzählt Shane von der Reise. “Sie haben libysche Bürger aus England, Amerika und Kanada eingeflogen, damit sie auf der Konferenz arbeiten. In diesem Sinne ist Libyen ein wenig wie Nordkorea. Sie haben die Macht dazu. ‘Oh, du kommst aus Libyen? Du lebst in London? Nun, dann musst du zurück und an die Arbeit.’“
Schon kurz nach der Ankunft wurden Smith und seiner Filmcrew ein paar Aufpasser zu Seite gestellt, die alle Bewegungen verfolgten und ihnen die Reiseplanung diktierten. Nach der Konferenz entschloss sich Shane dazu, ein wenig durch Tripolis zu schlendern und ein paar Sehenswürdigkeiten anzusehen. Dafür entwischte er seinen Aufpassern, als die mal eben abgelenkt waren und machte sich auf den Weg in die Innenstadt.
Bei seiner Rückkehr ins Hotel waren die Typen natürlich außer sich. Sie setzten ihn und seine Crew unter “Hausarrest”, während die anderen Teilnehmer der Konferenz in ihre Heimatländer zurückflogen.
“Eigentlich war es ihre Aufgabe die Besucher neben der Konferenz herumzuführen und ein Programm zu bieten, doch sie verloren total die Nerven und haben einfach alles verboten“, erzählt uns Shane. ” Also haben wir uns ein eigenes Auto und einen eigenen Fahrer organisiert, ein paar Medienleute getroffen um ein paar Ruinen filmen. Als wir also zurückkehrten fragten sie uns wie wir dorthin gekommen sind und wir sagten nur ‘Taxi’ und sie bekamen nur noch ein ‘WAS?!’ heraus.
Tage später wurde Shane noch immer in seinem Hotel, in dem auch die Konferenz stattfand, festgehalten. Die Sicherheitsleute beschuldigten ihn, ein Spion zu sein und drohten ihm, auf eine “schwarze Liste” zu kommen, oder ‘Schlimmeres’. Glücklicherweise hatte Shane für Gaddafis Sohn, Saif al-Salam, den er während seines Besuches zu Treffen hoffte, ein paar Geschenke aus New York mitgebracht.
“Vor dem Trip dachten wir, dass es uns vielleicht möglich wäre, Saif al-Islam zu treffen und uns wurde gesagt, wir sollten ihm New York Knicks und LA Lakers Zeugs mitbringen, sowie…ein kleines New Yorker Model-Taxi. Es war lächerlich.”
In einem lichten Moment stopfte Shane also Geld in die Geschenkkartons und verteilte sie großzügig an seine Bewacher, die ihm und seiner Crew erlaubten, das Hotel für ein paar Stunden zu verlassen um in Tripolis in einem Restaurant etwas zu essen. Bei dieser Gelegenheit machten Shane und die Crew aber stattdessen einen Umweg über den Flughafen und flogen lieber außer Landes.
Shane sieht es so: “Es wäre übertrieben zu sagen, dass wir geflohen sind, denn man verlässt Libyen nur, wenn man sozusagen nach draußen begleitet wird, aber ich glaube die waren irgendwann genervt von uns und wollten uns einfach loswerden.”
Seht euch also auf VBS.TV an, was Shane und seine Crew in Libyen erlebt haben.
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