OK, vielleicht denkst du, ich bin ein paar Jahre hinter meine Zeit, aber lass uns über K-Pop reden. Vor einer Weile postete ein Mädchen eins dieser Musikvideos auf meinem Tumblr-Feed und ehe ich mich versah, war ich süchtig. Als Erstes versuchte ich, meine Würde zu bewahren, indem ich die Videos lautlos hörte und nur die visuellen Aspekte würdigte, aber ich entwickelte mich schrittweise zurück und habe jetzt MP3s auf meinem iPod. Wie peinlich.
Die Ersten, die mich richtig umgehauben haben, waren 2NE1. Sie sind nicht unbedingt der Inbegriff des modernen K-Pops, aber sie sind abartig over-styled und ein Video ist besser als das andere.
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Das Tolle an K-Pop—vorallem am Styling der Bands—ist, dass es einfach wirklich Spaß macht. Das Styling liegt sowas von nebem dem Trend und ist maßlos übertrieben, aber im süßen K-Pop-Königreich wird das irgendwie akzeptiert. Die Bands sind so extrem zurechtgemacht, dass man meinen könnte, sie wären nichts anderes als Werbefiguren, aber tatsächlich ist es genau anders herum. So viel Zeit, Geld und Aufwand wie in die Musikvideos der K-Pop-Acts gesteckt wird, würde es dem Look und dem Ruf der Band schaden, wenn man sich nur auf die Marken konzentriert.
Yang Seung Ho und Danny Lee, die Stylisten von 2NE1.
Jede Band wird immer mit Unmengen von Labels ausgestattet. Die Stylisten sind Koreaner und von den Fans der Bands gleichermaßen verehrt. Einer der prominentesten K-Pop-Stylisten ist Yang Seing Ho. Bis zu dem Zeitpunkt, als die koreanische Armee eingezogen wurde, war er für das Styling von 2NE1 verantwortlich. Momentan sind sie eine der modisch am fortschrittlichsten K-Pop-Bands in den Charts. Ihr „I Am The Best“-Video ist ein fantastisches Beispiel für ihren wildes Stil. Wenn sie nicht gerade vor Latex, Leder und Nieten triefen, tragen sie Marken wie Gareth Pugh und Cassette Playa.
Girls’ Generation.
Während das Styling von 2NE1 auf den westlichen Markt abzielt, ist, glaube ich, Girls’ Generation, die K-Pop Band, die in Korea momentan am angesagtesten ist. Sie scheinen die Band zu sein, die alles auf die Spitze treibt. Für ihr letztes Album bekamen sie doppeltes Platin und laut Online-Umfragen führen sie die Top Ten von allem an. Sie sind die Band, die K-Pop von oben bis unten verkörpert. Sie sehen aus wie geklonte Aliens, weil sie alle gelich groß sind, die gleiche Figur haben und ihre Outfits immer aufeinander abgestimmten sind, aber sie sind süß, offen und mädchenhaft.
GD & TOP.
Ob Jungsband oder Mädchenband, beide sind oft sehr ähnlich gestylt, was die Männer meistens sehr weiblich aussehen lässt, weil diese männlichen Teeny-Träume in Japan oft auch noch ziemlich jungenhaft sind. K-Pop-Bands sind eindeutig androgyn, obwohl das nicht unbedingt so gewollt ist. Das GD & TOP-Video ist ein perfektes Beispiel. Die Jungs sind nicht gerade männlich gestylt, aber sind umgeben von Dingen, die testosterongeschwängerte Herzen höher schlagen lassen—Mädchen, Playboy Bunnies, einer Menge Bling, Spielkonsolen und sogar einem Panzer.
Es scheint wie ein Scherz, aber das Geld, das die koreanische Musikindustrie in K-Pop steckt, macht diesen in Zuckerwatte verpackten Teenytraum zu einem ernshaften Geschäft. Einen einzigen Künstler herauszubringen, kann bis zu 400.000$ kosten. Wenn du berücksichtigst, dass die meisten Bands bis zu 13 Mitglieder haben, ist das Produzieren einer K-Pop-Band ein kostspieliges Unterfangen. Zusammen mit Kosten für Choreografen, Stylisten und zusätzliches Marketing wird eine Haufen Geld in eine Band gesteckt. Seit den späten 90ern gibt es immer wieder Nachrichten über den Missbrauch von K-Pop-Künstlern und Gerichtsverfahren und Sklavenverträge stehen im Fokus der koreanischen Medien. Trotz allem ist die K-Pop-Musikindustrie, mit einem Umsatz von etwa 100 Millionen Euro der drei größten Plattenlabels im Jahr 2010, außerordentlich profitabel.
Alles in allem scheint K-Pop da zu stecken, wo sich westlicher Pop in den 90ern befand. Jede Band ist bis zum Überfluss vermarktet und hat mehr Geld und Ruhm als manche verarbeiten können. Das beste Beispiel dafür ist wahrscheinlich Rainbow, eine siebenköpfige Mädchenband, in der jede nach einer Farbe benannt ist. Ihr Label produziert nicht nur für die Band, sondern für jedes einzelne Mitglied Merchandise. So etwas hat westlicher Pop nicht mehr wirklich gesehen, seit meine Freundinnen und ich uns darum stritten, weches Spice Girl wir sein wollten.
DIE K-POP VIDEOS
GD & TOP – “KNOCK OUT”Wenn ein Mann mit lila Haaren so gut aussehen kann, verdient das Anerkennung.
LEE HYORI – “CHITTY CHITTY BANG BANG”
Eine südkoreanische Beyonce? Ein Jumpsuit mit US-Flagge in einem Video mit Hyori, die eine CGI-Alienmaske trägt und aus einem Raumschiff aussteigt, darf nicht ignoriert werden.
Die Mode in diesem Video ist ja so unfassbar schrecklich. Niemand sollte je pinke, kniehohe PVC-Stiefel tragen. Aber die letzten fünf Sekunden dieses Videos mit der bösen Version von Girls’ Generation, die aus den Schatten auftauchen, sind unglaublich. Oh, und die Musik ist fantastisch!
SECRET – “SHY BOY”Wenn du ein eingefleischter K-Pop Fan bist, wirst du hierauf wahrscheinlich nicht so auf Secret abfahren. Lass uns sie aber genauer betrachten, im Wesentlichen sind es eine Menge Koreaner, die krampfhaft versuchen Amerikaner zu sein. Aber lässt es dich nicht wenigstens ein bisschen hoffen, dass Grease mit koreanischer Besetzung wiederaufgelegt wird?
OK, das ist also Rain. Ihr fragt euch vielleicht, warum er es nicht auf den Anfang dieser Liste geschafft hat? Was seinen Style betrifft, mag ich die Tatsache, dass er immer eine Kruzifixkette trägt. Ich bin mir ziemlich sicher, es hat was mit Religion zu tun, aber ich bevorzuge lieber zu denken, dass dies seine persönliche Zustimmung zur westlichen Mode ist.
KARA – “WE’RE WITH YOU”Koreaner lieben alles aufeinander abzustimmen. Nicht nur ihre Stiefel, die Falten in ihren Röcken, und der grausame, glänzende Stoff aus dem ihre Tops gemacht sind, haben alle die selbe Farbe, sondern auch der Raum, in dem sie tanzen.



