Gestern Nacht gingen laut einiger Berichte bis zu 10.000 Menschen in Moskau auf die Straße, um dagegen zu protestieren, dass die zentrale Wahlkommission der Regierungspartei Einiges Russland von Ministerpräsident und neuem Zar Wladimir Putin knapp 50 % der Stimmen zugesprochen hat und sie damit zum Gewinner einer Wahl gemacht hat, die von heftigen Fälschungsvorwürfen überschattet war.
So meldete der russische Staatssender Rosija-24 Ergebnisse von zusammen 146,47 Prozent, wovon auf die Regierungspartei angeblich 58,99 Prozent abfielen und auf sechs weitere Parteien 87,48 Prozent.
In einigen Teilen des Landes gab es Meldungen, dass Urnen bereits vor der Öffnung der Wahllokale zu einem Drittel gefüllt waren, Stifte mit löschbarer Tinte benutzt wurden, oder ganze Chargen sogenannter „Wahlnachhelfer” mit Stapeln vorgefertigter Wahlscheine per Bus durch verschiedene Wahlbezirke kutschiert wurden. Nur aus Tschtschenien, wo Einiges Russland 99,5 Prozent der Stimmen erhielt, wurden keine Verstöße gemeldet, da es ein zu heißes und gefährliches Pflaster für Wahlbeobachter ist.
Präsident Medwedew erklärte trotz all dieser Ungereimtheiten nur, dass seine Partei „so viele Stimmen erhalten hat, wie sie verdient, die Wahlen sind ehrlich und gerecht verlaufen“. Er habe sich einige Videos im Internet angeschaut, „aber zu sehen ist darauf nichts, dort werden lautstarke Anschuldigungen erhoben und ‚Frechheit‘ geschrien, sonst nichts.“
Nun haben sich gestern Abend Tausende Menschen im gesamten Land versammelt, um gemeinsam Frechheit zu schreien. Wenn man sich diese Videos ansieht, dann ist klar, dass die Unzufriedenheit, unter einem Oligarchen zu leben, seinen ersten Höhepunkt erreicht hat. Wie überall anders auf der Welt hat auch die Jugend in Moskau keine Lust mehr, um ihr Recht auf Demokratie, Mitbestimmung und Gerechtigkeit betrogen zu werden und das sollte dem selbsternannten Zaren im Kreml gehörig Angst machen.
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Gie Knaeps/Getty Images -

Photo by Frank Hoensch/Redferns

