The Creators Project: Florence + the Machine

Florence + the Machine ist wie eine elegante Naturkraft—wie ein Windstoß, der als leichte und sanfte Brise beginnt, dich dann überwältigt und buchstäblich von den Socken haut. Die Londoner Soul Pop-Band mit der Sängerin Florence Welch, der Frau mit der sirenenartigen Stimme, verführt ihr Publikum und stößt es sofort wieder von sich, so als ob die Zuhörer von einer musikalischen Tsunamiwelle überrollt werden. Nach dem überragenden Erfolg ihres Debütalbums Lungs, in dem die rothaarige Sängerin ihren Liebeskummer in eine ausgefallene Mischung aus quälenden und trotzdem romantischen Balladen kanalisiert, ist die Band in die Abbey Road Studios gegangen, um ihr Nachfolgealbum Ceremonials einzuspielen. Und wir waren dabei.

Hinter der Bühne ist Welch überraschend zurückhaltend, fast schon schüchtern, aber bis ihre ausgelassene, aufbrausende Art wieder durchkommt, braucht es nicht lange. Für Ceremonials hat sie Angebote zur Zusammenarbeit mit bekannten amerikanischen Pop-Produzenten abgelehnt und sich stattdessen dafür entschieden, mit einem alten Freund zusammenzuarbeiten, dem Produzenten Paul Epworth. Die beiden haben sich vorgenommen, eine bessere Version von Lungs zu erschaffen—mit einer dunkleren, schwereren und dynamischeren Stimmung, die durch die Dualität von Kraft und Verletzlichkeit von gefolterten Heldinnen wie Virginia Wolf und Johanna von Orléans inspiriert ist.
 
Als wir im Studio ankamen, waren Welch und Epworth gerade mitten bei der Arbeit. Sie neigen dazu, alles sehr natürlich aufzunehmen und Welchs künstlerische Abläufe nicht zu stören, um dann Synthesizer und andere Effekte zu benutzen und „alles auf den Kopf zu stellen“. Sie haben schon alles ausprobiert, wie das Aufzeichnen von Krähen, 80er Jahre 8-bit Synthis, Verzerrungspedale und sogar eine Aufnahmesession im „Seance-Stil“, wo Welch auf dem Boden lag und merkwürdige Laute murmelte. Ihr neuster Trick? Ein Audioeffekt, von dem Epworth sagt, er klinge „wie, wenn das Gesicht eines Zombies eingeschlagen wird“, was anscheinend eine gute Bassdrum abgibt (Musiker, merkt euch das).
 
Welch nimmt uns außerdem mit zu dem Geburtsort von Florence + the Machine: das kleine, helle und überfüllte South London Studio, wo sie und ihre Kindergartenfreundin, Co-Autorin und Keyboarderin Isabella Summers ihre „teuer klingende Musik“ aufgenommen haben, in der Hoffnung, dass sie den Geschmack von Simon Cowell treffen würden (wir wetten, der berühmte Querdenker ist mittlerweile ausreichend beeindruckt). Diese bescheidenen Anfänge bilden einen starken Kontrast zu den heutigen legendären Auftritten von Welch.
 
Ihr Konzert beim Creators Project: New York in Brooklyn diesen Oktober, wo die Band einige ihrer Songs aus dem Album Ceremonials zum ersten Mal gespielt hat, gipfelte in einer atemberaubenden Darbietung von „Shake it Out“ und es wurde deutlich, woher Florence + the Machine ihre magnetische Anziehungskraft nimmt. Welch singt jeden ihrer Songs, als ob es ihr letzter sei, und bringt sich damit selbst an „die Grenze zum totalen Nirvana“. Wir folgen ihr an diese Grenze und hoffen, nicht selber in diesen wundervollen Abgrund zu stürzen.

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