Zwei Sanitäter haben live gefilmt, wie sie zum Spaß mit Blaulicht durch Stuttgart fahren

"Wir haben einen Notfall! Wir haben jetzt Mittagspause!"

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12 Oktober 2017, 8:46am

Screenshot: Facebook

Dürfen wir alles tun, was wir tun können? Die Frage stellen sich normalerweise Gen-Forscher. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich die Ingenieure von Facebook das mal ernsthaft gefragt hätten, bevor sie Facebook Live auf die Welt losließen. Ist es wirklich sinnvoll, dem ganzen Haufen narzisstischer, aufmerksamkeitssüchtiger Hirnis da draußen die Möglichkeit zu geben, sich selbst live und in Farbe in die ganze Welt auszustrahlen?

Das Problem ist nämlich, dass diese Aussicht auf (extrem schnell vorübergehenden) Ruhm die Leute offenbar so durcheinanderbringt, dass sie die Kontrolle über ihre Impulse verlieren. Neuestes Beispiel: Stuttgart, wo zwei Sanitäter wegen eines Facebook-Live-Videos ihren Job verloren haben.

Tut mir leid für den Spoiler, aber sorry – was hattet ihr denn gedacht, wie das endet? Die beiden haben sich live dabei gestreamt, wie sie im Rettungswagen durch Stuttgart tingeln, machen Witze wie "Wir haben einen Notfall! Wir haben jetzt Mittagspause!", und plötzlich kommt der Beifahrer auf die Idee, das Blaulicht anzumachen, wenn genug Leute "Daumen hoch schicken".


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Offenbar hat das geklappt, denn kurz darauf sagt er: "Jetzt kannsch anmachen" – und der Fahrer schaltet das Martinshorn ein und fährt direkt über eine rote Ampel. "Scheiße, der hat's einfach gemacht!", ruft der Beifahrer, "Voll laut, Alter!", der Fahrer.

Wie gesagt, jetzt sind die beiden ihre Jobs los. Das Video wurde von sehr vielen Leuten gesehen, und als die Bild davon erfuhr, rief sie direkt bei dem privaten Ambulanzdienst an, bei dem die beiden beschäftigt waren. "Wir haben kurz nach Aussendung des Videos erste Beschwerden bekommen und haben die Mitarbeiter aus der Schicht geholt", erklärte eine Vorgesetzte der Zeitung. "Wir haben ihnen sofort die fristlose Kündigung ausgesprochen."

Das war's aber noch nicht ganz: Wie die Bild berichtet, hat ein Zuschauer die beiden sogar angezeigt. Jetzt ermittelt die Polizei gegen die Kurzzeit-Facebook-Stars. Überraschenderweise steht auf Missbrauch von sogenannten "Sonderrechten" (Blaulicht, Martinshorn) nur 20 Euro Strafe. Für die rote Ampel könnten sie aber noch mehr obendrauf kriegen – im schlimmsten Fall sogar Gefängnis, schreibt die Bild.

Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären: War das mit dem Streaming für alle wirklich eine gute Idee? Für alle, die sich nach fast zwei Jahren live gestreamter Morde, Vergewaltigungen und Jan-Böhmermann-Redaktionssitzungen immer noch unsicher sind: die Antwort lautet "Nein!".

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