Der Kosovo ist wie Irak und Afghanistan, einer dieser „vielleicht“ Staaten, der von einem dieser riesigen, internationalen Wiederaufbauteams geleitet wird, deren Gehalt vom IMF bezahlt wird. Der Kosovo ist zudem einer der korruptesten Orte Europas—ein Führerschein ist dort in etwa so wie Plüschwürfel und chromglänzende Felgen—ein schlichtes Extra hinter dem Lenkrad. Mit diesen Gedanken im Kopf haben sich unsere Vice-Korrepondenten Conor Creighton und Steve Ryan auf den Weg dorthin gemacht, um ihre eigene Botschaft zu gründen und ihren Lebenstraum, einmal Botschafter zu sein, wahr werden zu lassen. Vor zwei Jahren erhielt der Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien. Nicht alle Staaten haben diese Unabhängigkeit damals anerkannt. Irland war einer davon. Vielleicht habt ihr ja bereits davon gehört, dass die irische Wirtschaft im Moment eher einem Autounfall ähnelt, und Irland so seinen guten Willen nicht bis auf den Kosovo ausdehnen kann, geschweige denn in der Lage ist, dort eine Botschaft zu gründen. Wir stammen jedenfalls aus Irland und in einem diplomatischen Anflug beschlossen wir, diese Lücke zu füllen.
Um nun Botschafter für dein eigenes Land zu werden, muss man erstmal ein paar der Basics klären. Zuerst muss man sich eine entsprechende Bleibe suchen, die dem Stellenwert deines Landes in der Welt gerecht wird. In Pristina ist das recht einfach, da weite Teile der Stadt verlassen sind—beziehungsweise, für die Einheimischen schlicht und ergreifend zu teuer. Wir mieteten uns deshalb für einen Spottpreis, die ehemalige US-Botschaft. Das Ganze dafür aber ungeheizt und unmöbliert. Pristina befindet sich beinahe zwei Kilometer über dem Meeresspiegel und im Winter fällt die Temperatur deshalb auf gut und gerne auf 15 Grad unter Null.
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Aber nun sind wir also Botschafter und leben in einem Anwesen, das groß genug ist, um einem gesamten Dorf Asyl zu gewähren, doch weder tänzeln wir in Shorts und Polo-Shirts umher, noch trinken wir Eistee auf der Veranda. Nein, keineswegs. Unsere Nachbarn sind der US-Botschafter, die Britische Botschaft, die Deutsche Botschaft und die Bulgaren, deren Botschaft so klein ist, dass sie aussieht wie das halbfertige Haus, dass jemand für seine sehr kleine, ungeliebte Großmutter gebaut hat.
In dieser einen Woche, in der wir bislang unsere Botschafter-Karriere vorangetrieben haben, waren wir eigentlich nur damit beschäftigt, Leute davon zu überzeugen, dass das, was wir machen vollkommen legitim ist. Zudem versuchten wir, aufgrund unserer illegalen Partys, nicht vor die Tür des Landes gesetzt zu werden. Die meisten Leute in Pristina leben bis sie heiraten, bei ihren Eltern und seitdem die Jugend also herausgefunden hat, dass wir ein riesiges, leeres Anwesen besitzen, kommen sie andauernd hierher um Joints zu rauchen und unseren Alkohol zu trinken. Das ist ja soweit ok, nur dass eines Nachts die Hälfte der Stadt bei uns einfiel. Der Attaché des US Botschafters beschwerte sich, dass wir „lauter als eine Disko“ seien und wir mussten ihn am nächsten Tag zu Tee und Gebäck einladen, um von diesem ersten, diplomatischen Zwischenfall abzulenken.
Die Briten spionierten uns unterdessen aus. Wir fanden eine Cadbury Verpackung im Vorgarten. Trotzdem luden wir auch sie zu unserer großen Eröffnung ein. Im Vorgarten versammelten sich zwei Crews des Fernsehens, drei nationale Zeitungen und ein haufen Jugendlicher, die verzweifelt darauf warteten, dass die Dankesreden zu ende gingen, damit sie die Botschaft stürmen und einen durchziehen konnten. Die Deutsche Botschaft schickte ihren Praktikanten zur Eröffnung, damit dieser uns unter die Lupe nehmen konnte und die Briten schickten ihre Konsulin, jedoch lehnte diese alle Getränke ab die wir ihr anboten.
Ich wette, dass der MI5 sie zuvor gewarnt hat, dass wir ihr wahrscheinlich Wahrheitsserum oder Rohypnol in den Drink schütten würden. Sie nahm sich dafür jedoch etwas Gebäck, was mich darauf schließen lässt, dass sie persönlich die Verantwortung für die Cadbury Verpackung trägt. Wenn uns also irgendwer besuchen will, kommt vorbei. In der kommenden Woche findet eine feierliche Kleeblattpflanzung statt und wir werden die Flüsse der Stadt Grün färben. Bis dahin hat hoffentlich auch der Reggae-Marathon auf dem Dachboden ein Ende gefunden.
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