DO BUY! – Teil Zwei

30 Journalisten wurden aus Deutschland eingeladen. In das „world best business Hotel” und der Journalist von der Vice, also ich, hatte das riesigste Hotelzimmer. Eins mit schwarzem Marmor und einem privaten Concierge, 80 qm2, einer Infinityviewbadewanne und zwei Fernsehern. Ausserdem lag noch ein Bayern Trikot auf meinem Bett und ein eine Einladung zu einem Meet and Greet mit Bayern Spielern. Aber das hat mich nicht interessiert. Ich mag ja kein Fussball.

Während alle anderen in ihren bekloppten, kostenlosen Xbox360 T-Shirts in der Halle auf popelige Fussballstars warteten, um ein „Für Willi von Mehmet” in ihr Autogrammbüchlein zu bekommen, habe ich in meinem Zimmer gesessen und ein bisschen nichts getan. Ich habe meinen Bademantel angezogen und mich vor eins der drei Panoramafenster gestellt. Von hier oben konnte ich meine aufgeregten Kollegen sehen, wie sie vor dem Bayernbus standen und warteten.

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Ich kann gut verstehen, warum sie dort unten vor dem Bus herumstanden: Während mir mein persönlicher Zimmerdiener erzählte, wo in Dubai die heißesten Frauen sind, ich gebrannten Schlangenschnaps kaufen konnte – tja, wenn ich auf all diesen Luxus hätte verzichten müssen, so wie meine Kollegen da unten, dann würde ich auch nicht auf meinem Zimmer hocken – und nichts tun.

Das tolle ist, Microsoft schien zu wissen, dass es auch Journalisten gibt, die sich nicht für Fussball interessieren, also haben sie ein Programm zusammengestellt. Solche Programme sind wichtig, denn das sind in den meistens Magazine die Storys. Storys von hoher Relevanz: „Fussballtraining für Journalisten” oder „Microsoft lädt nach Dubai ein: Abendessen in der Wüste” und so weiter. Früher saßen immer irgendwelche 25 Jährigen Säurekopfe voller Speed in den Agenturen. Deswegen waren diese Programme auch ausgeklinkt, fernab jeder Realität. Ein Freund erzählte mir, dass irgendeine Zigarettenmarke, oder war es ein Modelabel, mal einen Flugzeug gechartert haben. Sie seien dann total druff mit winzigen Pupillen in ein Flugzeug ohne Sitze gestiegen und haben 12 Stunden getanzt und Stewardessen zwischen die Beine gegriffen.

Heute ist das anders, in PR Abteilungen sitzen BWL Absolventen und denken sich diese Programme aus. Das finde ich persönlich nicht schlimm. Eigentlich auch ganz nett. So mit Bus durch Dubai fahren und von einem Jemeniten der in Rostock Deutsch gelernt hat zu erfahren, dass Dubai die fettesten Hotels, Malls und eine Skipiste hat.

Ich habe mir in einer dieser Malls zwei Unterhosen gekauft – für zwanzig Euro. Ich hatte meine vergessen. Meine Nerdkollegen haben sich eine Playstation3 gekauft für 700 Euro. Auf einem Microsoft Event. Das ist ungefähr so, als würdest du auf einer Coca Cola Pressereise allen erzählen du fändest Pepsi besser. Das war das erste Mal das ich dachte meine Kollegen sein subversiv. Sind sie aber nicht, sie wollten sie nur für das fünffache des Einkaufspreises auf Ebay verscherbeln. Hm. Traurig. Früher haben sich die Menschen auf Pressereisen abgeschossen, heute versteigern sie Dinge bei Ebay.

Viel passiert ist nicht. Pornographie gab es nicht im Hotel TV und im Internet waren alle Seiten mit Titten gesperrt. Ich hatte noch mehr Zeit. Und ich habe die Hotelbar besucht und Cocktails getrunken, einer Redakteurin von Elf Freunde auf die Brüste gestarrt und überlegt, wie ich die nächsten zwei Tage überstehe. Ich habe mir überlegt, die Redakteurin irgendwie flachzulegen. Ihre Brüste waren so mächtig. Ich habe mir vorgestellt, wie wir in meiner 80 qm2 Suite unsicheren Pressereisensex haben und wie wir dann morgens Frühstückstisch unsere postkoitale Scham zelebrieren.

Ich habe noch ein bisschen japanisches Fernsehen gesehen und gehofft es kommen irgendwelche strangen Shows, es kamen aber nur Nachrichten, und dann bin ich eingeschlafen.

Ach ja, Fussball musste ich auch spielen und ein Trikot mit allen Unterschriften der Bayernspieler habe ich gewonnen. Ich habe dann noch ein bisschen nichts gemacht und traurige Emails an meine Exfreundin geschrieben. Ich hatte zwei Bücher über Auschwitz dabei und eins über den Weltraum – die habe ich alle ausgelesen. Doch das wichtigste ist: Ich kann jetzt eine kleine Stecknadelfahne nehmen und auf meiner Wowarichschonweltkarte Dubai markieren.

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