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James Ellroy

James Ellroy, der Demon Dog of American Crime Fiction (DDoACF, ausgesprochen dee-doacough), ist für eine Menge Bestseller verantwortlich
23.9.10

James Ellroy, der Demon Dog of American Crime Fiction (DDoACF, ausgesprochen dee-doacough), ist für eine Menge Bestseller verantwortlich, am bemerkenswertesten sind The Black Dahlia und L.A. Confidential, genauso wie seine Memoiren My Dark Places von 1996, in welchen er sich mit einem Detektiv aus L.A. zusammentut, um den Mordfall an seiner Mutter 1958 in El Monte, Kalifornien zu lösen.Seine neues Buch The Hilliker Curse beschäftigt sich mit dem Schatten, den seine tote Mutter noch immer auf sein Leben wirft. Es ist die Autobiografie eines Mannes, dessen Leben von Frauen geregelt und geführt wird, ob tot oder lebendig, echt oder eingebildet. Es ist die Geschichte eines Mannes, der "unbedingt Geschichten schreiben und Frauen richtig berühren" wollte, wie das Buch sagt.

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Ich kreuzte also am Knopf Building auf, um Ellroy zu interviewen, als er gerade Chip Kidd, dem Designer, der wohl für die besten Buchumschläge der letzten 20 Jahre verantwortlich ist (davon viele von Ellroy), eine Fernsehshow vorstellte. Das Konzept sieht vor, dass Ellroy mit der Hilfe eines Comichunds Kriminalfälle löst. Ich habe keine Ahnung, ob sie miteinander scherzten oder nicht.

Vice: Was hat es mit dem redenden Hund auf sich?
James Ellroy: Im kommenden Winter 2011 startet meine Fernsehserie James Ellroy’s LA: City of Demons. Ich bin darin der Star. Ich bin der Gesprächspartner, Vernehmungsbeamte, die Persönlichkeit und der Erzähler vor der Kamera. Die Geschichte beschreibt historische Verbrechen in Los Angeles. Ich schreibe jedes Wort, das ich sage. Ich habe auch einen Partner, einen Computer-generierten Hund. Sein Name ist Barko. Er bezieht sich auf Barko, den Bullterrier, meinen richtigen Hund, den ich im Jenseits wiedersehen werde. Er ist unsterblich. Ich bin die Show. Aber es dreht sich auch um Los Angeles. Die Show ist schamlose Eigenwerbung und zugleich Autobiografie. Sie ist eine wundervolle Möglichkeit Literatur, meine Autobiografie, Verbrechen, Los Angeles, Sozialkritik und Humor darzustellen.

Hört sich gut an. The Hilliker Curse war also deine zweite Autobiografie nach My Dark Places, in welcher du den ungelösten Mord an deiner Mutter ergründest. In diesem Buch geht es dennoch nicht so sehr um den Mord an deiner Mutter, vielmehr geht es um den Nachhall ihres Tods und dein Leben und Beziehungen mit Frauen.
Es geht um die männliche Romantik und den Sexualtrieb, und wie diese in meinem Fall durch Traumata gebildet wurden. Es geht zutiefst um die Romantik und die Vorgeschichte geht zurück bis zum größten Künstler aller Zeiten: Ludwig Van Beethoven. Es ist die Geschichte meiner erstaunlich detaillierten, vielseitigen und leidenschaftlichen Suche nach der Liebe, und sind sicherlich Memoiren. Es ist auch ein autobiografischer Essay und es ist mein erster, in dem alles wahr ist, doch als Memoirist und Essayist ist es mir erlaubt, viel wegzulassen und rückblickend zu kommentieren, also gibt es die ganze Zeit zwei Erzählstimmen. Es gibt Ellroy, den alten Mann, wie er Ellroy, den jüngeren Mann beschreibt und ihn kommentiert. Es ist auch eine Abhandlung über Belletristik und wie die Romanzen im echten Leben der Romanliteratur zugrunde liegen, zumindest in meinem Fall. Es ist eine Abhandlung über jemanden, der ein sehr unbarmherziger und egozentrischer Mann war und der erst spät im Leben eine Familie fand.

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Kannst du beschreiben, was "der Fluch" ist?
Zum Anlass meines zehnten Geburtstag im März 1958 gab mir meine Mutter Jean Hilliker, eine 43-jährige Alkoholikerin, die Wahl, mit ihr oder meinem Vater zu leben. Ich entschied mich für meinen Vater. Sie schlug mich. Ich fiel von der Couch. Ich schlug mit dem Kopf am Rand eines Kaffeetischs aus Glas auf und nannte sie ein Trinkerin und eine Hure. Sie schlug mich wieder. Ich habe ihr den Tod gewünscht.

Ich hatte Monate zuvor ein Buch gelesen, das sich mit Hexerei und Flüchen beschäftigt, und trug ein tiefes Schamgefühl und Selbstverachtung in mir - ein lächerlicher Komplex, den ich mit ihrem Tod verband. Ich habe sie nicht umgebracht. Ich habe ihren Mord nicht in die Wege geleitet. Ich war ein zehnjähriges Kind. Trotzdem war das der bezeichnende Moment meines damaligen Lebens - die Sache mit dem Fluch.

Ich fuhr schon auf Mädchen ab und sah mich nach ihnen um, bevor ich überhaupt wusste, was Sex war. Es gab in den 50ern einen zutiefst ironischen Witz, und der sagt alles, denke ich. Er geht so: "Ich will den Typen finden, der den Sex erfunden hat und ihn fragen, woran er jetzt arbeitet." In diesem Konstrukt lebe ich. Ich bin dermaßen romantisch fixiert. Ich bin religiös. Ich bin sehr konservativ. Ich hänge an der Dreeinigkeit Gottes, und es gibt eine heilige Vereinigung von Mann und Frau. Ich bin nie darüber hinweg gekommen. Ich habe den Großteil meines Lebens nach einer mythischen "sie" gesucht, und ich habe sie gefunden. Natürlich sollte ich sie finden. Ich bekomme immer, was ich will. Das ist der Punkt von The Hilliker Curse. Es geht vom Langsamen zum Schnellen, aber es ist auch immer mit großen Mühen verbunden.

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Es gab in deinen Arbeiten vor The Hilliker Course nicht allzu viele Bezüge zur Mystik. Tatsächlich ist der einzige, an den ich mich erinnere Because The Night, worin der Detektiv Lloyd Hopkins einen perversen Guru aufspürt, der sich selbst Dr. John The Night Tripper nennt.
Nun ja, das ist eine interessante Wahrnehmung der Dinge. Because The Night und The Hilliker Curse sind beides Bücher, in denen eine Menge Sachen passieren, über die ich jahrelang nicht sinniert habe. Das bin ich vor Black Dahlia. Ich war schon immer ein Mystiker. Wenn man zurücksieht auf Blood's A Rover, geht es nur um den Glauben. Vollkommen. Blood’s A Rover und diese Memoiren sind Schriften über den stilistischen Zugang zu Kulten. Ich habe eine bewusste Entscheidung getroffen, mit Blood's A Rover ein übermäßig romantisches und emotionales Buch zu schreiben, und ich kam zu dem Punkt in meinem Leben - das war im Herbst, bevor ich das erste Mal [meine Freundin] Erika getroffen habe - als ich eine Frau namens Karen zu einer ehebrecherischen Liaison abschleppte. Zu meinem Gefallen wollte sie auf keinen Fall für mich ihren Mann verlassen. Ich begann mich bewusster damit zu beschäftigen, was ich schon un- oder halbbewusst für eine lange, lange Zeit wusste. Und das war, dass der Schlüssel zu meinem Leben nicht das Verbrechen ist, nicht meine Mutter als das Opfer eines Mordes, sondern meine Mutter als ein Geist.

The Hilliker Curse deutet an, dass jeder deiner Romane im Kern eine Muse hatte.
Als ich bewusster arbeitete und meine Bücher dicker wurden und mehr in die Geschichte eintauchten, zeichnete sich ein Motiv ab: böse Männer, die starke Frauen lieben. In L.A. Confidential, den Erika letztens gelesen hat, ist es vorherrschend. Es ist ein sehr, sehr komplexes, verblüffendes, verwirrendes Buch mit dichter Handlung. Erika ist kein großer Fan von Kriminalromanen, also ging sie gleich zu den drei Männern und ihren qualvollen, ultimativ transzendenten Beziehungen zu den Frauen über. Die Frauen waren Musen, aber ich bin auf dieses Phänomen noch nie so bewusst zu sprechen gekommen, bis ich durch die geplatzte Hochzeit mit Helen Knode gezwungen war das zu tun.

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Das Konzept der Göttin trat während einer Affäre mit einer Frau namens Joan zutage. Ich befand mich ziemlich in den Tiefen eines schrecklichen Verlangens und hatte niemanden und warf mich an eine Frau, die sich mit der Zeit als unpassend erweisen sollte. Sie war ein schnönes menschliches Wesen, aber unser Glaubenskrieg hat das Funktionieren dieser Beziehung ausgeschlossen, und ich befand mich in einem sehr, sehr schlechten emotionalen Zustand. Sie war zu der Zeit robuster als ich und es hat mir ein paar Rückzieher abverlangt, um langsam mit Erika Schickel auf einem emotionalen Grund zu kommen.

Du hast Joan bei einem Auftritt im Buchhandel kennengelernt, und diese Szene aus dem Buch ist mir richtig nah gegangen. Du beschreibst die Veranstaltung als "den 6000. öffentlichen Auftritt meiner Handlungen für die tote Mutter." Es gibt einen Mann im Publikum, der dich fragt, wie du die alte Trauer zurückholst. Du bist ihm ins Wort gefallen, indem du gesagt hast "Sie ist meine Mutter und ich habe den Preis gezahlt, und du weißt, dass das meine Angelegenheit ist."

Es ist so, als ob sie dort wäre und ich hier und ich kann sie nicht anfassen.

Gibt es eine Last, die mit dem wiederholten Schreiben und Reden über deine Mutter und ihren Tod einhergeht?
Ich habe einen sehr, sehr großen Willen glücklich zu sein, und ich bin glücklich. Ich war noch nie depremiert. Ich trage keinen Kummer. Ich bin nicht im Besitz von viel Ironie. Ich bin ein vorwärts schauender, fordernder, religiöser, heterosexueller Amerikaner aus dem rechten Flügel. Ich bin wie aus einer anderen Ära. Ich glaube nicht, dass die Welt in die Luft gehen wird. Ich glaube nicht, dass Amerika ein Dämon ist. Ich glaube, dass sich Amerika in der Weltpolitik durchsetzen wird. Ich bin Nationalist, Kapitalist und Christ. Die Leute finden das schockierend.

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Ich halte es auch nicht für nötig, meine Meinungen zu rechtfertigen. Ich bin glücklich und diese Macke passt zu mir. Ich bin bei ein paar Dingen in meinem Leben standfest geblieben und ich habe immer davon profitiert. Ich bin sehr gut darin, Scheiße zu Gold zu machen, und wenn einem ein Teller voller Scheiße gereicht wird, kann man das bedauern, man kann daran schnüffeln oder sich die Nase zuhalten und versuchen es zu etwas zu formen, was einem Nutzen bringt und der Welt gut tut, und ich würde mich immer für letztere Option entscheiden.

Es scheint so, als ob aus diesem Buch folgt, dass du nicht mehr so viel von Jean Hilliker redest, sondern über deine Beziehung zu Erika Schickel. Wie ist es, sich selbst auszustellen und die Geschichte seiner eigenen Beziehung zu erzählen?
Das war auf einer anderen Veranstaltung. Erika ist bei manchen Veranstaltungen dabei. Ich mache diese Lesungen nur, um die Wahrheit zu erzählen und dann bin ich meistens froh, wenn ich mich wieder hinsetzen kann und mich beständiger mit einem Roman beschäftigen kann.

Macht es dir etwas aus, wenn ich dich nach Details über den neuen Roman frage?
Er spielt in Los Angeles. In einer früheren Zeit, als meine vorherigen Bücher.

Dein letztes Filmprojekt, über das du geredet hast, war White Jazz.
White Jazz ist gestorben.

Oh. Die Sache, von der ich immer dachte, dass sie sich in einen tollen Film oder Fernsehserie übertragen würde, ist The Big Nowhere.
The Big Nowhere ist unter all meinen Romanen der, der den besten Film abgeben würde. Dreieinhalb Stunden in Schwarzweiß, du hast vollkommen recht. Die Rechte besaß eine italienische Filmfirma, aber auch das ist gestorben.

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Ah. Ein Grund dafür, dass ich The Big Nowhere gesagt habe, ist wegen den Neurosen L.A.s in den frühen 50ern, die in dem Roman aufgegriffen werden und jetzt wohl zurückgekommen sind. Es ist ein Buch über soziale Paranoia und das hängt mit drei Ängsten zusammen, die für das momentane Geschehen in Amerika wesentlich sind: die Angst vor Mexikanern, die Angst vor Schwulen, die Angst vor Kommunismus und Sozialismus. Wir haben Arizona und wir haben Milizen.
Sind die da, um die illegale Einwanderung zu drosseln?

Ja.
Naja, dann mögen sie gerechtfertigt sein. Das muss je nach Fall entschieden werden usw. Es ist sehr leicht, dabei gleich auf eine rassische Tendenz zu schließen. Profilerstellungen nach Rassen ist wirklich nicht mehr, als das empirische Wissen darüber, dass bestimmte Straftaten von Untergruppen bestimmter ethnischer Gruppen begangen werden. Das ist das Straßengespür - wenn du ein Polizeibeamter wirst und du das Verbrechen bekämpfst, handelt man nach diesem Muster, weil es einem der Instinkt so nahelegt. Und wenn man ein Beamter mit ein bisschen Köpfchen und einer gefestigten Intelligenz wäre, würde man viel öfter richtig liegen, als wenn nicht. Die Ideologien versagen oft, wenn sie an Angelegenheiten wie diese stoßen und ich persönlich verspüre keine gesellschaftliche Verpflichtung, an der Welt, so wie sie heute ist, teilzunehmen oder sie zu kommentieren. Ich bin dankbar für die Geschichte als Zufluchtsort und ich vertraue meinen geschichtlichen Instinkten, denen für Zeit und Ort und der Charakterisierung eines Milieus. Ich werde die heutige Kultur vollkommen ignorieren. Ich habe kein Handy. Ich habe keinen Computer. Ich bin ein Computer-Analphabet. Ich war noch nie im Internet. Eine Frau namens Melissa Staford, die für mich arbeitet, hat einen Computer und kann mir Schuhe bestellen. Es gibt jetzt eine richtige Homepage, James Ellroy dot net oder was zum Himmel das ist, ich schaue sie mir nie an. Ich bin froh, dass sie als Mittel exisitiert meine Bücher zu verkaufen, aber alles Weitere ist mir egal. All diese Ordnungen und die Disziplin, die ich mir auferlege, erfordern die Einsamkeit und die geistige Ruhe, die ich brauche um meine Schreibarbeit zu leisten.

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Auf eine Weise passt es, dass du nicht auf Twitter oder Facebook oder was auch immer vertreten bist.
Ich war eine Weile auf Facebook. Erika Schickel und ich sind uns schließlich auf Facebook nähergekommen. Und das nur, weil mir Knopf anordnete auf Facebook zu gehen. Sie dachten, dass sei ein effektiver Weg Bücher zu verkaufen. Erika hat nach mir gesucht und ich habe sie gesucht. Wir als Paar waren unvermeidbar und Facebook war das Mittel dazu, jetzt habe ich Facebook abgeschlossen und habe eine Website.

Schreibst du dann an einer Schreibmaschine?
Nein, ich schreibe per Hand. Und ich profitiere davon, weil ich von Natur aus ängstlich bin. Ich erhalte meinen Seelenfrieden dadurch, dass ich weiß, dass die ganze Scheiße warten kann, bis ich zu Hause bin. Ich habe einen Scheiß-Anrufbeantworter, und das reicht. Sagen wir mal, ich vebringe die Nacht in Erikas Bett. Ich komme zurück. Naja, wer hat angerufen, während ich weg war? Man hört sich die Nachrichten an. Ich habe ein Faxgerät. Das genügt.

Ordnest du dich immer noch als einen Krimiautor ein? Das ist nicht wirklich ein Buch, das sich um Verbrechen oder der Suche nach Gerechtigkeit dreht.
Die L.A. Quadrologie entfernt sich vom Genre der Belletristik und Kriminalliteratur hin zur historischen Politikliteratur und das greift um sich. Mit dem Fortgang der 50er wird sie mehr und mehr zu einer sozialen Geschichte. Dann wird sie in der Underworld USA Trilogie zu etwas komplett Anderem: American Tabloid, The Cold Six Thousand und Blood’s a Rover. Äußerlich sind sie also geschichtliche Romane, aber ich werde immer als Kriminalautor klassifiziert werden. Das ist prima, so lange sich so meine Bücher verkaufen. Und ich habe drei Kurzgeschichtenbücher und zwei Memoiren geschrieben. Damit habe ich die vielseitigste Karriere, wohl die tiefgängigste von allen, die jemals den Füller zum Papier geführt und Kriminalromane geschrieben haben. Ich habe die Latte um einiges gehoben.

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Es gibt einen Teil, in dem du den Film Noir als überbewertet herausstellst und darüber redest, wie du dich nie mit Raymond Chandler identifizieren konntest.
Chandler ist ein Vorläufer des Film Noir. Noir ist gänzlich aus Nachkriegsamerika aufgebaut. Er ist Kunst aus dem Amerika und Europa nach dem Krieg. Er ist eine direktgehende Widerlegung des Nationalsozialismus und des Holocaust. Es war eine subversive Kunstform, die sich nicht damit anfreunden konnte eine konforme Kunstform zu sein. Die L.A. Quadrologie (The Black Dahlia, The Big Nowhere, L.A. Confidential und White Jazz) sollten nie Noir sein. Sie waren historische Romane, die in der Zeit des Film Noir spielen. Das verbreitetste Missverständnis über den Film L.A. Confidential, und der Regisseur Curtis Hanson kann das auch bestätigen, ist, dass es ein Film Noir ist, und das ist er nicht. Es ist ein historischer Film. Es ist eine historische Romanze, die in der Zeit des Film Noir spielt.

Du betonst, dass mit Jim Thompson ein weiterer Autor, dessen Arbeit ständig als Film Noir eingeordnet wird, nicht Noir ist.
Ich habe ein paar von Thompsons Büchern gelesen und nicht viel von ihnen gehalten. Es sah so aus, als wären sie innerhalb von drei Wochen für 500 Dollar geschrieben worden, aber auch weil sie das wurden. Und ich habe bei Romanen absolut keine Geduld. Keine. Der Typ, der damit angefangen hat, der noch vor Chandler Noir gemacht hat, ist James M. Cain mit The Postman Always Rings Twice und Double Indemnity. Und dann gibt es in Mildred Pierce und der Noir-Oper Serenade Anklänge davon. Und Horace McCoys Buch They Shoot Horses, Don’t They, das sind Kurzromane aus den 30er Jahren, noch vor dem Unwohlsein der Nachkriegszeit, dem Holocaust, dem Zweiten Weltkrieg, Millionen Toten und Noir. Sie haben damit angefangen - McCoy an zweiter, Cain an erster Stelle.

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An einem Punkt in meiner frühen Karriere hatte ich zwei Ideen: Ich bin ein Original und es kümmert mich nicht, was andere Autoren tun. Deswegen rezensiere ich keine Bücher. Gott habe sie selig, ich wünsche ihnen alles Gute. Ich zettele keine literarischen Fehden an oder bin ihnen nachsichtig. Ich bin kein Teil einer literarischen Szene. Es gibt mich als James Ellroy und alle anderen. Ich will kein Teil einer Autorengemeinschaft sein. Ich lege meine Beziehungen beiseite. Warum? Weil es mich nicht von Punkt A zu Punkt B bringt. Es kann mich meinen Zielen überhaupt nicht näher bringen. Es ist dein Job, mich mit Chandler zu vergleichen. Du bist ein Kritiker, ich nicht.

Aber diese beiden Offenbarungen erblassen beide im Angesicht des Herrn. Ich habe 25 Jahre lang in einer Kellerwohnung gewohnt und The Black Dahlia geplant. Ich wusste, dass ich als nächstes The Big Nowhere schreiben würde. Da hatte ich den sozialen Background. Ich hatte die Figuren. Ich hatte etwas Handlung, aber in einem Augenblick kam L.A. Confidential zu mir und in dem Moment bemerkte ich, dass ich alles umwerfen kann, was ich mir ausdenke. Und das war die erschreckendste Offenbarung überhaupt. Deswegen bin ich moralisch und spirituell dazu getrieben in einem immer größeren Maßstab zu denken. Ich kannte keine Faulheit, ich bin sehr gesunde 62 Jahre alt, und ich will noch viel mehr tolle Romane schreiben und ich werde mein Streben nach Perfektion und Ideen nie aufgeben. Mein Held dabei ist mein geistiger Führer Beethoven. Je schlimmer es wurde, je tauber er wurde, je kränker, je größer die Not im Wien der frühen 1820er Jahre wurde, desto besser und visionärer wurde er. Es steckt eine Menge Größenwahn darin, wie Beethoven sein zu wollen, aber wie schon Nelson Mandela sagte, wer wären wir, wenn wir nicht großartig, fabelhaft, schillernd, gerecht und gut wären und über dem Leben stehen würden?

Beethoven ist ein Hauptbestandteil deines Buchs. Wann hast du dich das erste Mal mit ihm beschäftigt?
Ich nahm in der John Burroughs Junior High School Unterricht für Musikinteressierte. Das war im Winter 1960. Der Lehrer hieß Allen Hyams, ein eleganter kleiner Typ mit einer Schmalztolle. Er war der Musiklehrer auf der John Burroughs Junior High. Ich schrieb in meiner Essaysammlung Crime Wave einen Essay über John Burroughs, den ich “Let’s Twist Again” nannte. Hyams besaß eine Büste von Beethoven, zahlreiche Büsten von Beethoven auf einem Tisch im vorderen Teil des Zimmers und die sahen uns immer an. Er stellte dort einen Plattenspieler, einen Phonographen hin und sagte sowas wie "Hey Kids, gebt euch das mal," und er ließ die Nadel sinken und das Orchester spielte dun, dun, dun, duuuun. Es hat mich mitgenommen.

Du hörst ausschließlich Klassik. Du beschäftigst dich nicht mit Rock'n'Roll.
Rock'n'Roll hört sich für mich immer reduzierend an. Wie institutionalisierte Rebellion. Ich finde, er kratzt an der Oberfläche. Der "Baby, ich mag dich, ich mach dich klar"- Song. Die kulturellen Einflüsse, die meine Generation gebildet haben oder die Leute, die zehn bis 15 Jahre jünger sind als ich, haben meine Gefühle demgegenüber nie verstanden. Oder, wie ich es gerne sage, ich steh nicht drauf. Ich sage nicht, dass dem der soziale Inhalt fehlt oder er trügerisch ist. Ich sage, dass er meine Kundalini nicht zum Schwingen bringt.

Denkst du, dass du mit diesem Buch alles über Jean Hilliker gesagt hast, was man sagen kann?
Ich weiß nicht. Sie ist dort. Ich bin hier. Ich habe keine weitere Memoiren auf dem Plan. Ich habe, nachdem ich nach vielen Jahren nach L.A. zurückgekehrt bin etwas für West, das Magazin der LA Times geschrieben, es heißt “To Live and Die in LA”. Ich sagte, das sei mein letztes Autobiografisches Werk, aber ich wurde widerlegt. Sag also niemals nie.

Ist es schwer Los Angeles zu entkommen?
Man kann der Stadt vollkommen entkommen. Wenn Erikas Töchter aufs College gehen, werden wir unsere Ärsche da rausbewegen.

Aber der Essay von 2006 war so endgültig. Es führte ziemlich zum "Ich bin L.A. und L.A. bin ich."
Naja, ich glaube, die ehrlichere Antwort ist, dass L.A. der Ort ist, zu dem ich gehe, wenn sich Frauen von mir scheiden lassen und ich nicht weiß, wo ich hin soll.

Was ist dann der nächste Ort? Spielen Orte bei dir noch eine Rolle?
Oh ja. Ich will ein schönes, friedvolles, kaltes, nährendes, homogenes Klima. Ich brauche keine Kultur. Ich brauche nichts anderes als die unmittelbare Umgebung.